Formel 1 : Vettel triumphiert beim WM-Auftakt - Taktik-Panne bremst Hamilton

Der Deutsche Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari jubelt nach seinem Sieg auf dem Podium. Rechts steht der drittplatzierte Finne Valtteri Bottas vom Team Mercedes AMG Petronas F1.

Der Deutsche Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari jubelt nach seinem Sieg auf dem Podium. Rechts steht der drittplatzierte Finne Valtteri Bottas vom Team Mercedes AMG Petronas F1.

Ein Vettel in Weltmeister-Form. Der Vierfach-Champion feiert seinen ersten Sieg seit über anderthalb Jahren. Er bezwingt Pole-Mann Hamilton. Der Brite wird von einer falschen Strategie der Silberpfeile gebremst.

shz.de von
26. März 2017, 10:07 Uhr

Melbourne | Sebastian Vettel führte ein Tänzchen neben seiner „Gina“ auf, stürzte sich in die Arme seiner ausgelassenen Ferrari-Crew und zeigte auf dem Siegerpodium nach einer gefühlten Ewigkeit wieder den berühmten Vettel-Finger. Der 29-Jährige startete nach einer Strategie-Panne von Mercedes mit seinem ersten Formel-1-Sieg seit September 2015 in das erwartete Gigantenduell um die WM mit Lewis Hamilton. „Es ist unglaublich, einfach super“, sagte Vettel.

Schon im Wagen dankte er immer wieder auf italienisch der Scuderia, auf dem Podium betonte er: „Das Team hat sehr, sehr hart und viel gearbeitet, das Auto ist einfach toll.“ Der viermalige Weltmeister Vettel verwies den dreimaligen Champion Hamilton am Sonntag beim Saisonauftakt in Melbourne um erstaunliche 9,9 Sekunden auf den zweiten Platz. Ein zu früher Reifenwechsel kostete dem von Pole gestarten Briten die Führung und vermutlich auch den Sieg. „Wir haben eigentlich auch alles richtig gemacht“, meinte Hamilton, nachdem er Vettel fair gratuliert hatte: „So sind die Dinge manchmal.“ Der deutlich frühere Reifenwechsel im Vergleich zu Vettel sei eine Teamentscheidung gewesen, betonte Mercedes-Teamchef Toto Wolff und räumte ein: „Wir waren ein bisschen früh, ein bisschen zu früh mit dem Stopp.“

Der Deutsche Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari fährt auf der Zielgerade.
Andy Brownbill/AP/dpa

Der Deutsche Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari fährt auf der Zielgerade.

 

Vettel übernahm mit seinem 43. Karrieresieg auch zum ersten Mal seit seinem letzten WM-Triumph Ende 2013 wieder den ersten Platz in der Gesamtwertung. Im Jahr eins nach dem Rücktritt von Hamiltons Ex-Kollege und Vettels Landsmann Nico Rosberg nährte der gebürtige Heppenheimer mit einer großartigen Vorstellung die Hoffnungen auf seinen ersten Titel im Ferrari und den fünften in seiner Karriere.

Vettel setzte mit seinem ersten Triumph nach 533 Tagen auch den absoluten Glanzpunkt der deutschen Fahrer Down Under: Nico Hülkenberg musste sich mit Rang elf begnügen und verpasste im ersten Rennen für Renault die Punkte. Pascal Wehrlein hatte auf einen Start verzichtet, weil er sich nach einem Unfall im Januar beim Race of Champions für den ersten von 20 Grand Prix noch nicht fit genug gefühlt hatte.

Dritter in Australien wurde Hamiltons neuer Teamkollege Valtteri Bottas, Vierter Vettels Stallrivale Kimi Räikkönen, auf Rang fünf landete Max Verstappen im Red Bull. Daniel Ricciardo, Australiens Lokalmatador, musste nach einem verkorksten Wochenende in seinem Red Bull frühzeitig aufgeben.

Streckenposten schieben den Wagen des Australiers Daniel Ricciardo vom Team Red Bull Racing nach einem Unfall von der Strecke.
Andy Brownbill/AP/dpa

Streckenposten schieben den Wagen des Australiers Daniel Ricciardo vom Team Red Bull Racing nach einem Unfall von der Strecke.

 

Bis auf Ricciardo, dessen Wagen ihn schon auf dem Weg in die Startaufstellung im Stich gelassen hatte, waren alle bereit für das erste Rennen der neuen Saison. Der Start musste aber abgebrochen werden. Eine weitere Einführungsrunde wurde gefahren, erst dann gingen die Roten Ampeln im Albert Park aus.

Und nur einer konnte von den ersten Metern an mit Hamilton mithalten, und das war Vettel. Er reihte sich direkt hinter dem perfekt gestarteten Briten ein, verteidigte problemlos seinen zweiten Rang. Bottas musste bereits leicht abreißen lassen.

Größere Karambolagen zum Auftakt in die 20-Rennen-Saison ohne deutschen Grand-Prix blieben aus, im hinteren Feld touchierten sich der Haas von Kevin Magnussen und der Sauber von Marcus Ericsson.

Vorne kam Vettel allerdings nicht nah genug an Hamilton ran. Als er endlich unter einer Sekunde hinter Hamilton lag, fuhr dieser an die Box und ließ die Reifen wechseln. Bis dahin gelang ihm aber ein weiterer Eintrag in die Formel-1-Bücher: Zusammen mit Rekordchampion Michael Schumacher ist Hamilton der einzige Pilot mit über 3000 Führungsrunden.

Mit den frischen Reifen raste Hamilton nahezu eine halbe Sekunde schneller pro Runde als Vettel. Problem nur: Auf einmal steckte der Brite hinter Verstappen fest. Keine Chance, die notwendigen Sekunden gegen Vettel aufzuholen, der erst fünf Runden nach Hamilton neue Reifen aufziehen ließ. Die Rechnung der Scuderia ging auf: Vettel kam unmittelbar vor Verstappen und dem klagenden Hamilton zurück auf die Strecke. In der Mercedes-Box schlug Wolff wütend mit der Faust auf sein Pult. Selbst Hamiltons Ex-Teamkollege Rosberg, der zu früher Stunde bei seinem Video-Gruß noch etwas müde wirkte, twitterte: „Wow, der verrückte Sebastian hat Lewis gekriegt!“ Es war die entscheidende Szene des Rennens. „Dass er in den Verkehr gekommen ist, hat uns in die Hände gespielt“, betonte Vettel. Der frühe Stopp des 32 Jahre alten Rivalen war der Wegbereiter für den ersten Sieg von Vettel nach der längsten Leidenszeit des 29-Jährigen, dessen Vertrag Ende diesen Jahres bei Ferrari ausläuft. Gegen diesen Vettel, der seinen zweiten Sieg in Australien seit 2011 feierte, war Hamilton machtlos. „Der Ferrari war bärenstark, das wird ein heißer Ritt in diesem Jahr“, meinte Wolff.

Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari (l) und der Niederländer Max Verstappen vom Team Red Bull Racing (r) führen nach der ersten Kurve nach dem Start.
Rick Rycroft/AP/dpa

Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari (l) und der Niederländer Max Verstappen vom Team Red Bull Racing (r) führen nach der ersten Kurve nach dem Start.

Fragen an Ferrari-Pilot Sebastian Vettel nach seinem Sieg beim Formel-1-Saisonauftakt in Australien am Sonntag:

Wie haben Sie Ihren ersten Sieg nach 18 Monaten erlebt?

Das Auto war fantastisch zu fahren. Am Start kam ich nicht so gut vom Fleck, hatte durchdrehende Reifen. Ich hab gedacht, Mist jetzt zieht der Lewis (Hamilton) da vorn weg. Es war dann schwer, hinten dran zu bleiben. Aber kurz vor seinem Stopp konnten wir die Lücke schließen und Druck ausüben. Dass er dann aufgehalten wurde, hat uns natürlich geholfen. Ich hatte Glück, dass ich direkt vor Max Verstappen rausgekommen bin. Dann musste ich mich konzentrieren, meinen Rhythmus finden, die Lücke aufreißen. Das hat gut geklappt. Es war eine Freude, ins Lenkrad greifen zu dürfen. Das Auto wurde immer schneller zum Schluss, ich konnte das Rennen gut kontrollieren.

Wie sicher waren Sie, zum Auftakt schon gewinnen zu können?

Das ist für uns alle eine positive Überraschung. Viele Leute wissen nicht zu schätzen, was dieses Team in den vergangenen sechs Monaten geleistet hat. Das ist eine tolle Belohnung. Wir haben weder nach vorn, nach hinten, nach rechts oder links geschaut. Es gibt keine Abkürzung auf diesem Weg, man muss seinen Job erledigen. Bei Ferrari gibt es eine Extraportion Leidenschaft. Das war der Schlüssel, ein tolles Auto zu bauen. Ich wusste, dass im Rennen alles passieren kann. Ich wollte zeigen, dass wir das Tempo haben.

Das letzte Mal hat Ferrari hier 2007 mit Kimi Räikkönen gewonnen, der wurde danach Weltmeister. Ist das ein gutes Vorzeichen?

Das interessiert mich nicht. Das erste Rennen ist nicht der Zeitpunkt, um auf die Tabelle zu schauen. Wir müssen die Füße am Boden lassen. Es ist noch ein weiter Weg. Mercedes war unglaublich in den letzten Jahren, sie haben keinen Schwachpunkt und sind immer noch das Team, das es zu schlagen gilt. Wir werden ein paar großartige Erinnerungen von hier mitnehmen und dann so weitermachen.

Freuen Sie sich auf das Duell mit Lewis Hamilton um die WM?

Ich habe großen Respekt vor Lewis. Er hat vom ersten Tag an bewiesen, dass er sehr schnell und talentiert ist und dazu noch hart arbeitet. Ich würde mich freuen, wenn es ein enges Duell zwischen uns geben würde. Es macht Spaß, um Siege zu kämpfen und sich mit den Besten zu messen.

 
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen