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Jüngster Bundesligacoach mit 28 : „Trainer-Bubi“ Julian Nagelsmann übernimmt TSG Hoffenheim

vom
Aus der Onlineredaktion

Montag nahm „Feuerwehrmann“ Huub Stevens in Hoffenheim das Zepter in die Hand. Tags darauf wird schon sein Nachfolger bekanntgegeben.

Sinsheim | Nachwuchstrainer Julian Nagelsmann wird von der kommenden Saison an Chefcoach beim Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim. Der 28-Jährige ist derzeit A-Jugend-Trainer bei den Kraichgauern und erhält einen Vertrag bis Mitte 2019. Nagelsmann wird Nachfolger von Platzhalter Huub Stevens, der den Job erst am Montag vom beurlaubten Markus Gisdol übernommen hatte. Die Planung sei so mit dem Niederländer abgesprochen, hieß es in einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag.

Es heißt, mit 28 sei man im besten Fußballalter. Die Beschäftigung eines so jungen Cheftrainers ist überaus ungewöhnlich. Mit Kevin Kuranyi (33), Kai Herdling (31), Eugen Polanski (29) und Ersatztorwart Alexander Stolz sind vier Spieler des aktuellen Kaders älter als der zukünftige Cheftrainer.


1976 saß zwar mal der 25 Jahre alte Bernd Stöber beim 1. FC Saarbrücken für ein Spiel interimsmäßig auf der Bank, noch nie aber hat ein Jungspund wie Nagelsmann einen Vertrag als Chefcoach bekommen. Der gebürtige Landsberger war bereits mit 25 Jahren Assistent von Frank Kramer, Marco Kurz und auch Markus Gisdol in Hoffenheim. Derzeit absolviert er noch die Ausbildung zum Fußballlehrer in Köln.

Der derzeitige U19-Trainer der Sinsheimer gilt über die Regionalgrenzen hinaus als großes Nachwuchstalent. Im vergangenen Jahr gewann er als Coach der Junioren die deutsche Meisterschaft. 2015 erreichte er mit seinem Team erneut das Finale.  Daraufhin versuchte Bayern München, ihn als U17-Trainer zu verpflichten. Nagelsmann sagte dem Rekordmeister allerdings in höherer Erwartung ab.

„Der Julian befindet sich momentan bei der Trainer-Ausbildung zum Fußballlehrer“, sagte Sportchef Alexander Rosen am Dienstag. „Für uns war klar, dass wir dem Jungen eine Perspektive geben wollen. Er ist seit 2006 Trainer und passt einfach zu unserem Weg.“ Dies sei mit Stevens so abgesprochen. „Wir möchten für mutige Entscheidungen stehen“, erklärte Rosen. „Wir sind von seiner Qualität überzeugt, auch von seiner Autorität und Qualität. Julian Nagelsmann ist die Zukunft, Huub Stevens ist die Gegenwart“.

Nagelsmann erklärte in einer 1899-Pressemitteilung: „Ich freue mich sehr auf diese reizvolle Aufgabe und bedanke mich schon jetzt für das in mich gesetzte Vertrauen und die Chance.“

157 Tage, nachdem Stevens, der „Knurrer von Kerkrade“ mit dem 2:1-Sieg in Paderborn dem VfB Stuttgart zum Klassenverbleib verholfen hat, zeigt er sich zwar stark erkältet, aber bester Laune. „Ich bin froh, dass ich nicht laut werden muss“, scherzte er vor seiner ersten Übungseinheit.

Bei der TSG sieht er offensichtlich eine größere Perspektive als den Abstiegskampf. „Jetzt versuchen wir, es hinzukriegen in der restlichen Zeit, in der Bundesliga zu bleiben - aber vielleicht auch weiterzukommen. Ich glaube schon, dass die Mannschaft da nicht hingehört.“ Am Samstag tritt sein Team beim 1. FC Köln an, wo er von 2004 bis 2005 Chefcoach war. Stevens Vertrag läuft nur bis zum Saisonende, anders wollte er es auch nicht.

Es sei schon schwer genug gewesen, sich von seiner Frau Toos und dem Familienleben loszueisen. „Es war nicht so einfach, die hatte andere Gedanken. Aber wenn du so viele Jahre verheiratet bist, dann kommst du da durch.“ Er habe nie gesagt, dass er ein Jahr Pause mache. „Ich habe gesagt, ich gucke, was auf mich zukommt.“ Am Samstag, just als Hubertus Jozef Margaretha „Huub“ Stevens im Fernsehen die Bundesliga-Konferenz schaute, ereilte ihn der Anruf von Rosen. Am Sonntag flog das Hoffenheimer Trio mit Mäzen Dietmar Hopp, Rosen und dem neuen Geschäftsführer Peter Görlich nach Eindhoven und machte die Sache klar. Am Montag war Stevens aber noch mit seinen Enkeln unterwegs, das ging vor.

Man brauche in der jetzigen Situation einen erfahrenen Trainer, sagte Rosen über den Fußballlehrer mit 367 Erstliga-Spielen. Seinen Nebenjob bei Schalke 04, wo der Coach des UEFA-Pokal-Siegerteams von 1997 zusammen mit Mike Büskens und Ebbe Sand im neu gebildeten sportlichen Beirat sitzt, lässt Stevens erstmal ruhen.

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erstellt am 27.Okt.2015 | 16:05 Uhr

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