12. Etappe der Tour de France : Thomas neuer Tour-König - Sprinter resignieren

Geraint Thomas jubelt im Ziel. Der Brite Geraint Thomas hat die letzte Alpen-Etappe gewonnen. /BELGA
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Geraint Thomas jubelt im Ziel. Der Brite Geraint Thomas hat die letzte Alpen-Etappe gewonnen. /BELGA

Die Tour de France verliert ihre Sprinter und feiert den Alpen-König Geraint Thomas. Während das Sky-Team weiter Regie führt, geben die Sprinter André Greipel, Rick Zabel, Dylan Groenewegen und Fernando Gaviria sowie der frühere Tour-Sieger Vincenzo Nibali auf.

shz.de von
19. Juli 2018, 23:10 Uhr

Als der aktuelle Tour-König Geraint Thomas sein historisches Alpen-Double vollendete, saß André Greipel frustriert und völlig fertig im Begleitwagen. Die letzte Alpenetappe über 175,5 Kilometer auf die Partymeile in L'Alpe d'Huez war an Dramatik nicht zu überbieten.

«Ich kann das alles nicht glauben», sagte Thomas, der nach einem erneut famosen Tag des Über-Rennstalls Sky jetzt 1:39 Minuten vor seinem Teamkapitän Chris Froome in Führung liegt. Für die Sprinter dagegen ist die 105. Tour de France dagegen Gift und dezimiert vor allem das deutsche Fahrer-Kontingent rasant. Nachdem am Vortag Marcel Kittel wegen Zeitüberschreitung gehen musste, gaben auf der Königsetappe lange vor dem Ziel auch André Greipel, Marcel Sieberg und Rick Zabel auf. Außerdem erwischte es auch die je zweimaligen Etappensieger Fernando Gaviria und Dylan Groenewegen.

Thomas, der erste L'Alpe-d'Huez-Sieger im Gelben Trikot in die Radsport-Historie, baute seine Führung nach dem letzten Alpen-Rendezvous im Gesamtklassement vor dem viermaligen Toursieger Froome aus. Er war überwältigt. «Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Das geht in die Geschichte ein. Dieses Rennen ist momentan für mich wie gemacht.» An der Hierarchie im Team aber ließ er keine Zweifel. «Froomey ist unser Mann. Er ist eine Legende und vielleicht der Beste aller Zeiten», sagte der Waliser. «In meinen Augen ist Froomey unser Leader. Die Tour gewinnt man erst nach drei Wochen.»

Die Pechvögel der zwölften Etappe waren neben den Sprintern auch Ausreißer Steven Kruijswijk und Mit-Favorit Vincenzo Nibali, der nach einem Sturz aufgeben musste. Der Niederländer Kruijswijk konnte sich zur Hälfte des 13,8 Kilometer langen Schlussanstiegs noch wie der Tagessieger fühlen. Doch dann kam der Sky-Express mit Thomas, Froome und im Schlepptau Tom Dumoulin aus den Niederlanden.

Auch der Italiener Nibali war nicht vom Glück verfolgt. Er landete im heißen Finale in einer unübersichtlichen Situation nach einer Kollision auf dem Asphalt, konnte zwar weiterfahren, musste aber am Abend mit einem gebrochenen Wirbel aussteigen. Auch Froome wurde von einem Zuschauer - folgenlos - gestoßen.

Zu diesem Zeitpunkt waren Greipel und Co. bereits im Begleitwagen auf dem Weg ins Hotel. «Der Energie-Tank bei André war völlig leer. Es ist völlig klar, dass diese drei Alpenetappen zu extrem waren. Heute und gestern stiegen ja viele Fahrer aus. Der Veranstalter muss sich da etwas überlegen», sagte Lotto-Soudal-Sprecher Arne Houtekier und kritisierte die Tour-Chefs, die voll auf Spektakel setzen.

Drei Tage nach seinem 36. Geburtstag hatte Greipel versucht, sich in einer Vierergruppe hinter dem Peloton zusammen mit dem treuen Helfer Marcel Sieberg und Zabel vom Team Katusha-Alpecin durchzukämpfen - vergeblich: Alle drei stiegen auf dem Weg zum zweiten Tagesanstieg auf den 2067 Meter hohen Col de la Croix de Fer aus.

Der dreimalige deutsche Meister Greipel, der die letzten seiner elf Etappensiege im Jahr 2016 gefeiert hatte, erlebte damit eine traurige Premiere. Bisher hatte der gebürtige Rostocker immer bis Paris durchgehalten - 2017 zum ersten Mal ohne Etappensieg. In Amiens war er nach einem Gerangel mit Gaviria und Nikias Arndt von der Jury um 90 Plätze auf Rang 92 zurückversetzt worden.

Der Tour-Mythos L'Alpe d'Huez stand als Zielort zum 30. Mal auf dem Programm. Auch diesmal war die Ballermann-Stimmung mit Zehntausenden Fans in den 21 Kehren garantiert. Der Anstieg in den 1850 Meter hoch gelegenen Skiort ist ein Zuschauer-Magnet, die Tourteilnehmer fürchten die von der Zuschauermenge ausgehenden Gefahren.

«Die Tour ist immer großartig, aber L'Alpe d'Huez ist immer noch einen Tick verrückter», sagte Ex-Profi Jens Voigt, mit 17 Teilnahmen in Frankreich der deutsche Rekordstarter.

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