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Angelique Kerber : Tennis-Damen erleichtert - Julia Görges rettet Fed-Cup-Team vor Abstieg

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Angelique Kerber war die Hauptrolle in der Abstiegsrelegation gegen die Ukraine zugedacht. Am Ende war es die wiedererstarkte Julia Görges, die die deutschen Tennis-Damen vor dem Abstieg rettete.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2017 | 16:03 Uhr

Stuttgart | Deutschlands Tennis-Star Angelique Kerber nahm Erfolgsgarantin Julia Görges strahlend in die Arme. Eingehüllt in eine schwarz-rot-goldene Fahne ließ sich das gesamte deutsche Fed-Cup-Team nach Görges' grandiosem Auftritt vom Publikum feiern. Görges drehte in Stuttgart gegen Lessia Zurenko in beiden Sätzen einen klaren Rückstand und holte mit dem 6:4, 6:4 den entscheidenden Punkt zum 3:1 in der Relegation gegen die Ukraine. Nach einer Niederlage der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin Kerber bewahrte die 28-Jährige die deutschen Tennis-Damen von Bundestrainerin Barbara Rittner vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit.

„Das Ganze ist eine Teamleistung, das bin nicht nur ich. Es ist schön, dass ich einen großen Teil beitragen konnte“, sagte die wiedererstarkte Bad Oldesloerin am Sonntagnachmittag.

30 Jahre nach dem ersten Fed-Cup-Titel mit Steffi Graf ist ein großer Imageschaden und der erste Abstieg seit 2012 abgewendet. Die Auswahl spielt auch 2018 erstklassig und kann einen erneuten Angriff auf die ersehnte Mannschafts-Trophäe beginnen. „Im ersten Moment reicht es mir erst mal, dass wir gewonnen haben, dann können wir weitersehen“, sagte Görges. Nach dem verwandelten zweiten Matchball hatte sie den Schläger fallen gelassen, die Hände vors Gesicht geschlagen. Das abschließende Doppel zählte bloß für die Statistik.

Kerber, der eigentlich die Hauptrolle zugedacht war, hatte die erste Chance auf den Gesamterfolg noch vertan. Nach bescheideneren Ergebnissen zeigte sich die Branchenanführerin verunsichert und musste sich Jelina Switolina beim 4:6, 2:6 zum vierten Mal in Serie geschlagen geben. „Sie hat einfach im Moment noch nicht so die Sicherheit“, analysierte Rittner im SWR. „Da fehlt so ein bisschen diese Ruhe und Zuversicht. Angie hat so ein bisschen den Kopf verloren.“

Am Samstag spielte Kerber nicht spektakulär, setzte sich beim 6:1, 6:4 gegen Zurenko aber souverän durch. Görges hatte ihr trotz eines Satzrückstandes und eines Sturzes unerwartet mit dem 4:6, 6:1, 6:4 gegen Switolina eine perfekte Vorlage geliefert.

Kerber, die am Montag ihren Spitzenplatz in der Weltrangliste an Serena Williams verliert, fand im 80-minütigen Duell mit Switolina nicht die richtigen Mittel. Die Fed-Cup-Atmosphäre sollte der Linkshänderin eigentlich helfen, sich von Druck und Last zu befreien. «Ich empfinde das nicht als Rückschlag. Ich denke, die Woche hat mich weitergebracht», sagte Kerber. „Für mich ist es wichtig, dass ich wieder Spaß habe, und der Spaß ist wieder da.“

Lächeln durfte die Schleswig-Holsteinerin am Ende dank des starken Auftritts von Görges. Im vierten Einzel wirkte die Nummer 46 der Welt zu Beginn gehemmt, Teamchefin Rittner war als Psychologin gefragt. Das Duell war angesichts der Brisanz von Nervosität geprägt, nur langsam fand Görges vor 3800 Zuschauern zu ihrem druckvollen Spiel. Von 1:4 kämpfte sich die Bad Oldesloerin zum 4:4, das Publikum sang „Jetzt geht's los“. Dem Satzgewinn ließ Görges ein „Come on“ folgen. Anschließend stand es wieder 0:3, wieder kam die 1,80 Meter große Spielerin zurück.

Der Relevanz der Partie waren sich die Vertreter des Deutschen Tennis Bundes bewusst gewesen, auch wenn sie nach eigenen Worten an das Abstiegsszenario kaum Gedanken verschwendeten. Wäre es nicht gelaufen wie gewünscht, wären die Damen mit der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin Kerber in die Zweitklassigkeit abgestürzt.

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