THW Kiel gegen Melsungen : Zittersieg gegen die Tristesse

Urschrei: Kiels Marko Vujin (Mitte) bejubelt seinen entscheidenden Siebenmeter-Treffer zum 32:31-Endstand gegen Melsungen.
Urschrei: Kiels Marko Vujin (Mitte) bejubelt seinen entscheidenden Siebenmeter-Treffer zum 32:31-Endstand gegen Melsungen.

THW Kiel bezwingt Melsungen in einer dramatischen Partie mit 32:31. Ekberg verlängert vorzeitig bis 2021.

shz.de von
01. März 2018, 21:54 Uhr

Das war knapp: Der deutsche Rekordmeister THW Kiel hat den Absturz ins Tabellenmittelfeld der Handball-Bundesliga mit Ach und Krach verhindert und in schwierigen Zeiten für einen Stimmungsaufheller gesorgt. Die „Zebras“ feierten gestern Abend gegen den Tabellennachbarn MT Melsungen einen hart erkämpften 32:31 (20:16)-Heimsieg und verteidigten den sechsten Rang. Während die Chance auf die Champions League nach wie vor minimal ist, liegt immerhin die Qualifikation für den EHF-Cup weiterhin im Bereich des realistisch Machbaren. Beste Torschützen für den THW vor 10 280 Zuschauern in der ausverkauften Sparkassen-Arena waren Marko Vujin und Raul Santos, dem nach monatelanger Pause ein starkes Comeback gelang, mit je sechs Treffern.

Vujin war es derweil vorbehalten, in der am Ende dramatischen Partie für den triumphalen Schlusspunkt zu sorgen: Fünf Sekunden vor dem Ende verwandelte der Serbe, der bei Teilen des Kieler Publikums umstritten ist, einen Siebenmeter nervenstark zum Endstand. „Es war ein schweres Spiel, der Gegner war stark“, sagte Vujin, der zuvor vereinzelte Pfiffe gegen sich hinnehmen musste. Dennoch hatte er den Mut, zum entscheidenden Siebenmeter anzutreten: „In solchen Situationen musst du locker bleiben. Zum Glück war der Ball drin, das freut mich sehr für die Mannschaft.“

Trotz der jüngsten Liga-Pleiten gegen Wetzlar und in Hannover war von Verunsicherung beim THW zunächst nichts zu spüren. Das Team von Trainer Alfred Gislason begann schwungvoll, überraschte Melsungen mit einer 3:2:1-Deckung und ging mit 3:0 (3.) in Führung. Anschließend entwickelte sich jedoch eine umkämpfte Partie auf Augenhöhe, in der die Kieler sowohl in der Defensive als auch in Offensive zu viele Fehler begingen, um sich abzusetzen. Die Vier-Tore-Führung zur Halbzeit (20:16) schmeichelte dem THW.

Nach dem Wechsel wurde es nicht besser. Im Gegenteil: Fehlerquote und Nervosität bei Kiel stiegen, Melsungen witterte die Chance, es wurde dramatisch. Beim 30:29 (54.) gingen die Gäste erstmals in Führung. Der zuvor schwache THW-Torhüter Niklas Landin parierte in dieser Phase jedoch mehrfach, hielt sein Team im Spiel – und ermöglichte Vujin den umjubelten Schlusspunkt. Immerhin etwas Schadensbegrenzung in einer insgesamt verkorksten Saison.

Vor der Partie hatte der THW unter großem Jubel der Fans die Vertragsverlängerung mit Rechtsaußen Niclas Ekberg verkündet. Der 29-Jährige unterschrieb bis 2021, sein ursprüngliches Arbeitspapier war bis 2019 gültig. „Kiel ist zur zweiten Heimat für meine Familie und mich geworden“, sagte der schwedische Nationalspieler. „Ich darf jeden Tag meinen Traum leben und für diesen großartigen Club spielen.“ Ekberg war im Sommer 2012 aus Kopenhagen zu den „Zebras“ gewechselt.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen