zur Navigation springen

EX-DFB-Präsident : Wolfgang Niersbach: War der Rücktritt ein Deal?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach sh:z-Informationen war der Rücktritt des ehemaligen DFB-Präsidenten an Bedingungen geknüpft.

shz.de von
erstellt am 11.Nov.2015 | 10:07 Uhr

Nyon/Frankfurt | Einen Tag nach seinem Rücktritt als DFB-Präsident hat Wolfgang Niersbach wie geplant an einem Treffen der Uefa in Nyon teilgenommen. Beim „National Team Competitions Committee Meeting“ in der Verbandszentrale der Europäischen Fußball-Union nahm der 64-Jährige wie gewohnt seine Aufgaben wahr. Niersbach hatte am Montag wegen der Affäre um die WM 2006 sein Amt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes aufgegeben. Weil er nach Auffassung (fast) aller Verantwortlichen auch weltweit noch höchsten Respekt genießt, wird der frühere SID-Fußballchef auch weiterhin in den Führungsgremien der Europäischen Fußball-Union und des Weltverbandes Fifa sitzen. Nach Informationen unserer Zeitung hatte Niersbach dem DFB-Präsidium seinen Rücktritt unter der Bedingung angeboten, den Gremien in der Uefa und in der Fifa weiter anzugehören.

Der 64 Jahre alte Niersbach war in dem Skandal um dubiose Geldflüsse vor der Weltmeisterschaft 2006 schwer unter Druck geraten. In der vergangenen Woche durchsuchte die Steuerfahndung sowohl die DFB-Zentrale in Frankfurt als auch Niersbachs Privatwohnsitz in Dreieich. Am Montag war Niersbach dann zurückgetreten.

Niersbach wird in Zukunft von der Europäischen Fußball-Union und von der Fifa weiter fürstlich entlohnt. Neben der umstrittenen DFB-Betriebsrente, die im unteren sechsstelligen Bereich liegen soll, erhält er von der Uefa jährlich rund 50.000 Euro. Deutlich höher ist der Aufwandsentschädigung der Fifa. Sie zahlt ihren Funktionären im Schnitt 200.000 Dollar im Jahr. Die Exekutivkomitees treffen sich wieder im Dezember (am 2./3. bei der Fifa und am 11. bei der Uefa) – Niersbachs Rolle dort wird eine andere sein. Noch vor ein paar Wochen galt der nun ehemalige DFB-Boss als DER Kandidat für den Uefa-Chefposten, sogar beim tief in der Krise steckenden Weltverband fiel sein Name. Spätestens seit der Steuerrazzia am Dienstag vergangener Woche in Frankfurt/Main stand der Vorzeigefunktionär Niersbach aber dermaßen im Zwielicht, dass seine so steile Funktionärskarriere schweren Schaden genommen hatte.

„Das Amt des DFB-Präsidenten darf damit nicht belastet werden. Es geht auch um meine persönliche Reputation, aber das Amt steht über der Person. Deshalb die Entscheidung, die mir ungeheuer schwer gefallen ist“, sagte Niersbach: „Ich habe über 27 Jahre für den DFB gearbeitet. Der DFB ist für mich mehr als ein Job gewesen, immer eine Herzensangelegenheit.“

Sein „Ding“ sei der deutsche Fußball – das hatte der 64-Jährige immer wieder betont, wenn er sich zu seiner Zukunft äußern sollte. In Zürich waren da gerade hochrangige Fifa-Funktionäre verhaftet worden, bei der Uefa winkte der Posten des später suspendierten Präsidenten Michel Platini (60). Die Fußballwelt steckt in der Krise und der Deutsche, der Weltmeister, sollte eine tragende Rolle in der Aufklärung der massiven Korruptionsvorwürfe spielen. Er hätte aber lieber vorher vor der eigenen Tür kehren sollen.

Das Verschwinden von 6,7 Millionen Euro (angeblich in Richtung Fifa) rückte Niersbach, dessen Legislaturperiode eigentlich noch bis 2016 lief, mit ins Zentrum der WM-Affäre um das Sommermärchen. Er war im fraglichen Jahr 2005 Vizepräsident des Organisationskomitees. Er selbst beteuert seine Unschuld. Er übernahm die politische Verantwortung „für Ereignisse rund um die WM 2006, wo ich mich persönlich nicht in der Verantwortung fühle und selber sage, ich habe dort absolut sauber und gewissenhaft gearbeitet“, betonte er.

 

In Niersbachs Büro in der ersten Etage der gläsernen DFB-Zentrale im Frankfurter Stadtwald hängen jede Menge Erinnerungsstücke. Länderspiel-Wimpel, ein Foto der Weltmeister-Feier im Maracana unterschrieben von Philipp Lahm – Wegpunkte einer Karriere, die auch international ihresgleichen sucht. Und die nun in Umzugskartons verschwinden werden.

Abzuwarten bleibt, ob die Ethikkommissionen von Uefa und Fifa noch gegen Niersbach tätig werden. Dann wären auch seine Nebenjobs in Gefahr.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen