Bundesliga-Kolumne : WM-Form, Black-Out, Sports-Leute

Die DFB-Elf desolat, die ARD skandalös und Schwächeanfälle beim Rudern. Jürgen Muhl kommentiert das Sport-Wochenende.

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09. September 2019, 14:42 Uhr

Totalversagen

Welch ein desolater Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen die Holländer. Da ging nicht viel zusammen in der Truppe von Jogi Löw, dessen Abwehr nur auf dem Papier vorhanden war, und vorn sollte der liebe Gott helfen. Es klappte kaum etwas – so wie bei der Weltmeisterschaft vor gut einem Jahr in Russland. Dort war ja bereits in der Vorrunde Schluss. Viel passiert ist seitdem nicht.

Das Festhalten an Löw ist ein großer Fehler gewesen. Sein Schwadronieren nach dem Schlusspfiff kommt daher wie die Erzählung eines Märchenonkels, der stets betont, dass schon alles besser werde, wenn die Kinder denn artig sind. Zusammen mit RTL-TV-Experte Jürgen Klinsmann könnte Löw in jeder besseren Komödie die Rolle eines Traumpaares verkörpern.

So wie sie es am Freitagabend vor den Kameras zelebrierten, immer mit dem Verweis auf ein besseres Spiel heute Abend in Nordirland. „Da gewinnen wir“, prophezeite Klinsmann, und dann sei alles gut. Gut ist derzeit nur wenig im deutschen Spitzen-Fußball. Mehr Klartext wäre besser gewesen.

Auch die Analyse, dass die Mannschaft sich noch entwickeln müsse, hilft nicht viel weiter. Der Verweis auf bessere Zeiten, die irgendwann kommen sollen, entspricht eher der Philosophie eines fleißigen Kreisliga-Trainers.

Für einen Moment der Peinlichkeit sorgte dann RTL-Moderatorin Laura Wontorra, die von Klinsmann etwas zu dem „Fall Metzelder“ hören wollte. Das war noch schlechter als die Leistung der deutschen Auswahl. Es war unappetitlich. Sitzen doch an einem Freitagabend auch Kinder vor dem Fernseher. Einfach schlecht.

Und noch ein TV-Hammer

Die ARD wollte vom freien Bundesliga-Fußball-Wochenende profitieren und mit Handball Quote machen. Zur besten Sendezeit, am Sonnabend zwischen 18 und 20 Uhr. Letztlich endete dieser Versuch in einem Skandal. Kaum zu glauben, aber wahr: Im Bundesliga-Spitzenduell zwischen dem SC Magdeburg und dem THW Kiel ist nicht einmal mehr eine Minute zu spielen. Magdeburg führt 32:30, der THW erhält einen Siebenmeter zugesprochen. Spannung pur.

Plötzlich ist alles aus, Werbung kommt ins Bild. 40 Sekunden vor dem Schlusspfiff. Ohne eine Erklärung. Nach der Werbung folgt die Tagesschau. Kein Wort über diesen Fauxpas. Ein Skandal im von Gebühren finanzierten Sender.

Ausdauer-Sportler

Das längste und härteste Achter-Rennen der Welt. 18 Mal ist es gut gegangen auf den 12,7 Kilometern zwischen Breiholz und Rendsburg. Am Sonntag aber mussten zwei Athleten, einer im deutschen und einer im holländischen Boot, dem Tempo Tribut zollen. Dass der Deutschland-Achter trotzdem das Rennen auf den letzten Metern gewonnen hat, ist kaum in Worte zu fassen.

Es sind schon echte Sportsleute, die in den Booten sitzen. Die sich gegenseitig helfen, wenn – wie Sonntag – ein Teamgefährte in den Seilen hängt. Ruderer sind hart gesotten, dazu überaus freundlich und haben Benehmen. Das wurde an diesen drei Tagen des Riesen-Events in Rendsburg wieder einmal deutlich. Eine Art Lehrstunde für all die verwöhnten Fußball-Profis.

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