zur Navigation springen

"Wir sind gieriger als andere Mannschaften"

vom

Dem vorzeitigen Gewinn der Meisterschaft wollen die Handballer des THW Kiel den erneuten Triumph in der Champions League folgen lassen

shz.de von
erstellt am 16.Mai.2013 | 03:59 Uhr

kiel | Gudjon Valur Sigurdsson musste sich noch einmal vergewissern. "Sind wir wirklich Deutscher Meister?" Der 33-jährige Linksaußen des THW Kiel stand mit biergetränktem Trikot in den Katakomben der Kieler Arena und konnte sein Glück gar nicht richtig fassen. "Elf Jahre spiele ich nun schon in der Bundesliga. Und jetzt bin ich zum ersten Mal Deutscher Meister. Einfach unglaublich." Mit einem 31:25 (15:7)-Erfolg über den Verfolger Rhein-Neckar Löwen hatten sich die Kieler am Dienstag drei Spieltage vor Saisonende in der Handball-Bundesliga den Titel gesichert. Zum 18. Mal insgesamt, zum achten Mal in den vergangenen neun Jahren. Nur 2011 hieß der Meister HSV Hamburg.

"Deshalb bin ich ja hierher gekommen", sagte Sigurdsson, der vor der Saison vom mittlerweile insolventen dänischen Spitzenclub AG Kopenhagen an die Kieler Förde gewechselt war. Zuvor hatte der 274-malige isländische Nationalspieler bereits für TuSEM Essen (2001-05), den VfL Gummersbach (05-08) und die Rhein-Neckar Löwen (08-11) in der Bundesliga gespielt - ohne allerdings einen nationalen Titel erringen zu können. "Und nun habe ich in meinem ersten Jahr mit dem THW schon zwei. Das fühlt sich gut an", strahlte Sigurdsson. Mitte April hatten die Kieler bereits den DHB-Pokal gewonnen.

"Ich bin extrem stolz auf dieses Team und kann das noch gar nicht richtig verarbeiten", meinte Trainer Alfred Gislason, der überrascht war, so früh und so deutlich - der Tabellenzweite aus Mannheim hat sieben Punkte Rückstand - als Meister festzustehen. "Damit hatte ich nicht gerechnet, denn es war keine einfache Saison." Gleich fünf neue Spieler hatte der THW-Coach vor dieser Spielzeit ins Team zu integrieren, zudem starteten viele seiner ausländischen Spieler, die bei den Olympischen Spielen im Einsatz waren, ohne Erholung in die Vorbereitung. "Viele haben darauf gewartet, dass wir stolpern und Niederlagen kassieren. Doch dieses Team ist so siegeshungrig. Diesen bedingungslosen Willen haben die neuen von den alten Spielern sofort übernommen." Deutlich wurde das auch gegen die Rhein-Neckar Löwen. Beim Stand von 27:19 acht Minuten vor Spielende - der THW stand de facto schon als Meister fest - verhinderte Patrick Wiencek beim Zurücklaufen mit letztem Einsatz einen Gegenstoß der "Löwen" und zog sich dabei eine schmerzhafte Blessur an der Hüfte zu. Andere hätten zurückgezogen, nicht Wiencek. "Das war vorbildlich", lobte Mannschaftskapitän Marcus Ahlm. "Aber so etwas wird auch von einem Spieler beim THW erwartet. Wer in Kiel spielt, der muss immer alles geben. Vielleicht macht das den Unterschied aus. Vielleicht sind wir so erfolgreich, weil wir gieriger als andere Mannschaften sind."

Und deshalb hielten sich die Spieler bei den anschließenden Feierlichkeiten am Dienstag auch dezent zurück, denn mit der Meisterschaft ist die letzte Mission in dieser Saison noch nicht erfüllt. In Kiel wollen sie jetzt noch den Titel beim Champions-League-Final-Four Anfang Juni in Köln verteidigen. Es wäre die Wiederholung des Triples aus der vergangenen Saison. "Ich hätte nichts dagegen", grinste Sigurdsson. "Es wäre großartig, die Saison mit einem weiteren Titel zu krönen."

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen