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Weltmeister Harting: Irgendwas und Gold ist immer...

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erstellt am 14.Aug.2013 | 10:33 Uhr

Moskau (dpa) - Robert Harting fand zwischen Pressekonferenz und Dopingprobe doch noch seine Freundin Julia Fischer und schloss sie lange in die Arme.

«Hey Baby, ich dachte, du bist schon weg.» Da flossen schon wieder die Tränen bei der 23-Jährigen. «Jetzt muss ich aber mal aufhören mit Heulen«, meinte sie mit einem verlegenen Lächeln. Als Lebensgefährtin eines Olympiasiegers und jetzt dreifachen Weltmeisters im Diskuswerfen verliert man schon mal die Fassung. Harting selbst hatte allenfalls feuchte Augen, als die Nationalhymne im Luschniki-Stadion von Moskau erklang.

Die Erfolge des Berliners werden - für den Betrachter von außen - langsam zur Routine. Und dann gibt es immer wieder diese Szene, wie Sieger Harting vor den Kameras mit seiner Urgewalt sein Trikot zerfetzt. «Es passieren so viele Dinge im Lauf des Jahres. Das ist der Moment, wo man alles hinter sich lassen kann», erklärte er. In diesem Moment jubelte und weinte Julia Fischer, die als 13. bei den Frauen ebenso das Diskus-Finale verpasst hatte wie Hartings Bruder Christoph bei den Männern, auf der Tribüne.

Fischer und Hartings Trainer Werner Goldmann litten ganz schön mit. Am Ende hielt «der Arm der Vergeltung», wie es der Goldmedaillensieger selbst formulierte, mit einem 69,11-Meter-Wurf die Konkurrenten Piotr Malachowski aus Polen (68,36), Gerd Kanter aus Estland (65,19) und den Magdeburger Martin Wierig (65,02) auf Distanz. Dabei klagte Harting über massive Rückenschmerzen. «Es tut manchmal weh, da brauchen wir uns nichts vormachen, dass ist Hochleistungssport», sagte der 28-Jährige. «Mein ganzer Körper hat gestreikt heute, aber glücklicherweise hat mein Kopf weiter gearbeitet.»

Hart, härter, Harting - irgendwas ist immer. «Wenn ihm nichts wehtut, dann stimmt was nicht», hatte die dreifache Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch mal über ihren Kollegen gesagt. Bei seinem WM-Triumph 2011 in Daegu war er zur Siegerehrung gehumpelt und musste später an der Patellasehne operiert werden. Dennoch plagten ihn auch im Olympia-Jahr Kniebeschwerden. Dieses Mal haderte der Diskus-Hüne auch noch mit Muskelproblemen im Oberschenkel - und mit seiner Technik. «Ich hatte da noch nie so große Probleme wie in den letzten sechs bis acht Wochen», bekannte er und sprach von großen Zweifeln, die ihn in den «furchtbaren» Stunden im Hotel vor dem Medaillenkampf befallen hatten. «Ist halt blöd in technischen Disziplinen, da gibt es keinen Konstrukt.» Automatismen hin oder her, das sei eher wie bei einer Kassette, «die leiert ein bisschen durch und dudelt.»

Tanzen, so erklärte er nach seinem dritten Gold-Coup bei einer WM, werde er wohl nicht mehr in dieser Nacht, sondern «ein bisschen rumhumpeln». Am Ende wurde es eine «kleine Zimmerparty» mit Fastfood gegen drei Uhr.

Neue Ziele? Womöglich fünf WM-Titel wie Lars Riedel? Der Weltmeister schüttelte den Kopf. Für solche Ankündigungen war er nicht zu haben. «Man muss bedenken, dass es ein Prozess ist, man hat ja was zu verteidigen, man könnte ja was verlieren», erklärte Harting. Als Student der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation ist er nicht nur sportlich gefordert. Außerdem will er mithelfen, seinen Bruder und seine Freundin in der Weltspitze zu etablieren. «Man muss das alles als Herausforderung sehen. Wenn man es als Belastung sieht und sich davon erdrücken lässt, wird es schwer.»

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