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Bundesliga-Kolumne : Warn-Schuss, Zehn-Kampf, Milliarden-Geschäft

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hat Jogi Löw mit seiner Personalplanung die richtige Mischung gefunden? Das wird sich Dienstagabend zeigen, kommentiert Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 12:39 Uhr

Sand im Getriebe: Eine wackelige Abwehr, ein nicht funktionierendes Mittelfeld und eine Sturmreihe, die nach einer Zwei-Tore-Führung keinen Sinn mehr darin sieht, ihre Treffsicherheit zu überprüfen. Völlig verdient verlor der Weltmeister von 2014 sein Testspiel gegen eine englische Auswahl, die offenbar mit ernsthaften Absichten zur Europameisterschaft nach Frankreich reisen will. Es läuft noch nicht im deutschen Nationalteam.

Auch nach dem 2:3 im England-Spiel will Löw die Partie gegen die Squadra Azzurra zur Sichtung für den EM-Kader nutzen. Das bleibt trotz der Niederlage für den Bundestrainer vorrangiges Ziel. Doch eine weitere Niederlage würde die Vorfreude der Fans auf die EM trüben.

Die Begegnung am Dienstag in München gegen Italien wird dem Bundestrainer nach diesem Warnschuss weiteren Aufschluss darüber geben, ob er mit der jetzigen Personalplanung die richtige Mischung gefunden hat. Große Sorgen bereitet die Abwehr, in der es drunter und drüber ging. Wäre es um EM-Punkte gegangen, hätten Can und Rüdiger wohl schon in der Halbzeit den Rasen mit der Ersatzbank getauscht. Auf diesen Positionen hat Löw Handlungsbedarf. Erneut enttäuschte auch Özil. Die Fußballwelt fragt sich, warum ausgerechnet der Profi des FC Arsenal London zum Nationalspieler des Jahres gewählt worden ist.

Eine andere Frage ist, warum Mesut Özil und auch Antonio Rüdiger beim gemeinschaftlichen Singen der Nationalhymne stumm bleiben. Beide Profis verfügen über die deutsche Staatsbürgerschaft und dürfen somit das Nationaltrikot tragen. Sie haben ihre Popularität dem deutschen Fußball zu verdanken. Vielleicht singen die beiden Herren nicht so gern. Vielleicht haben sie Probleme mit dem Text. Vielleicht aber auch haben sie einfach keine Lust und benötigen jede Sekunde der Konzentration vor dem Anpfiff. Teamchef Jogi Löw hat noch viel zu tun bis zum Start der Europameisterschaft am 10. Juni. In vielerlei Hinsicht.

Zittern vor dem Abstieg: Die Zone beginnt auf Platz neun mit dem 1. FC Köln, der 33 Punkte auf dem Konto hat. Es folgen der FC Ingolstadt (33); der VfB Stuttgart (32) und der Hamburger SV mit 31 Zählern. Von Platz 13 an werden die Sorgen noch größer: Darmstadt 98 wie auch Werder Bremen mit 28 Punkten; der FC Augsburg und auch die TSG Hoffenheim mit 27 Punkten, ja selbst Eintracht Frankfurt hat nicht mehr Pluspunkte auf dem Konto. Abgeschlagen auf dem letzten Platz muss sich Hannover 96 Spott und Hohn gefallen lassen, die „Roten“ haben ganze 17 Punkte auf der Habenseite. Am Sonnabend (2. April) gastiert der HSV in Hannover. Alles andere als ein Hamburger Erfolg käme einer saftigen Überraschung nahe. Wovon es jedoch schon einige in dieser Saison gab. Insofern verleiht dieser Abstiegs-Zehnkampf der Liga eine besondere Note.

Geld, Geld, Geld: Bis zum Beginn der Europameisterschaft will der Deutsche Fußball-Bund, bei dem man sich ja bestens mit Millionentransfers auskennt, einen neuen Ausrüstervertrag abschließen. Bislang zahlt Adidas rund 25 Millionen Euro im Jahr. Bei dem neuen Kontrakt, der ab 2018 zehn Jahre lang läuft, können es bis zu 85 Millionen Euro werden. Der US-Konzern Nike fordert Adidas heraus, wird wohl aber erneut den Kürzeren ziehen, weil Adidas beim DFB ein und aus geht. Beim neuen TV-Vertrag, für den die Deutsche Fußball-Liga zuständig ist, winkt gar die gigantische Summe von einer Milliarde Euro pro Saison. Bezahlsender Sky steht unter Druck. Die ARD auch. Der Fußball mag Geld.

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