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Fußballverband in Schleswig-Holstein : Unterschlagung und Sparmaßnahmen: Der SHFV vertagt die Krise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Sitzung des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes liefert wenige Antworten. Präsident Meyer steht vor der Wiederwahl.

Der Fußballverband auf der Suche nach Ruhe: „Es waren turbulente Tage und eine konstruktive Tagung“, lautete das erste kurze Fazit von Präsident Hans-Ludwig Meyer nach der Tagung des Beirats des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV) in Malente. Von Krisenstimmung war wenig zu spüren, als sich Präsidium und Geschäftsführung sowie Jörg Lembke als Vertreter der Kreisfußballverbände am Sonnabend für eine Stunde im Uwe-Seeler-Fußball-Park der Presse stellten.

Die obersten Herren des Fußballs im Norden trugen hier und da zur Aufklärung der Vorfälle rund um die Unterschlagung durch einen Mitarbeiter, Haushaltskürzungen und Kritik von der Basis an der Verbandsführung bei. Die großen Antworten blieben jedoch aus.

In Bezug auf die angedachten Sparmaßnahmen und Gebührenerhöhungen vertagte sich das zweithöchste Gremium des SHFV, bestehend aus den Vorstandsmitgliedern und den Kreisvorsitzenden. Gerade einmal bis zu Punkt 19 unter weit über hundert war der Beirat im Haushaltsentwurf für das neue Jahr gekommen. Final beschlossen werden soll der Haushalt nun am 3. April, wenn der Beirat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommt. „Bis dahin können die Kreisvertreter das noch in ihren Gremien diskutieren“, sagte Meyer.

In der vergangenen Woche wurden neben den Einsparungen, die unter anderem den Talentförderbereich betreffen, auch angedachte Erhöhungen von Nenngeldern und Gebühren diskutiert. So soll beispielsweise das Nenngeld für eine SH-Liga-Mannschaft von 320 auf 600 Euro pro Saison angehoben werden. Nachvollziehbar auch aus Sicht einiger Kreise, weil Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich bislang im unteren Bereich liegt. Ein direkter Zusammenhang mit der aktuellen Situation bestehe nicht, erklärte die SHFV-Führung. Kiels Kreisvorsitzender Kerem Bayrak wusste allerdings auch: „Wie soll man das derzeit vermitteln? Ich bin zwar generell für die Erhöhungen, aber es wäre fatal, in dieser Lage darüber zu entscheiden.“ SHFV-Geschäftsführer Jörn Felchner lieferte am Sonnabend weitere Ergänzungen zu den Plänen. „Wir wollen auch, dass es für die Vereine berechenbarer wird“, sagte er. Zwar werde es unter dem Strich teurer. „Aber die Vereine wissen vor der Saison genau, was sie die Saison kostet.“ Derzeit seien für einige Vorgänge wie etwa Spielverlegungen Gebühren oder Ordnungsgelder zu zahlen, die abgeschafft werden sollen.

SHFV-Boss Meyer wurde zudem vom Beirat in seinem Vorhaben, am 4. Juni in Neumünster für eine dritte Amtszeit als Präsident zu kandidieren, bestätigt. Von einem Aufstand der Basis gegen die Verbandsführung – nichts zu spüren. „Es gab drei Enthaltungen von Kreisvorsitzenden“, berichtete Felchner von der Abstimmung, die ansonsten einstimmig für Meyer ausfiel. „Ein deutliches Zeichen zur Fortsetzung unserer Arbeit“, stellte Meyer fest. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Keiner von uns hat in die Kasse gegriffen oder manipuliert.“ Folglich wurde auch der Kassenbericht 2015 vom Beirat abgesegnet.

In der Affäre rund um die Unterschlagungen von Martin D. – der ehemalige Mitarbeiter hatte den SHFV innerhalb von knapp drei Jahren um 292.500 Euro betrogen und zuvor bereits den Landessportverband um rund 250.000 Euro geschädigt, was nur durch eine Selbstanzeige ans Licht gekommen war – sprachen sich die SHFV-Bosse von Verantwortung frei. „Die gleichen Machenschaften hat der Mitarbeiter ja zuvor schon beim LSV an den Tag gelegt. Die einzelnen Taten folgten nicht dem gleichen Strickmuster“, erklärte Meyer. Auch Felchner unterstrich das: „Es gibt Täter, die sind cleverer als das System.“

Intern war am Vorgehen der SHFV-Führung, die 2014 den Beirat unterrichtete, offenbar nichts zu bemängeln. Jörg Lembke, Vorsitzender des KFV Stormarn, bestätigte: „Der SHFV hat transparent alles offengelegt. Wir als Kreisvorsitzende sind rechtzeitig über die Vorfälle und jederzeit über neue Erkenntnisse informiert worden.“ Dass nach außen nichts verlautete, habe zu tun mit dem „schwebenden Verfahren“ und dem „gesundheitlichen Zustand des Täters“, der suizidgefährdet gewesen sei, so Felchner.

Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch angesichts der Tatsache, dass der Täter sich durch manipulierte Überweisungen sogar seine eigenen Gehaltszahlungen deutlich erhöht haben soll und auch das unbemerkt von Geschäftsführung, Kassenprüfern und einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen blieb. Eine AG Finanzen soll nun Vorschläge erarbeiten, wie künftig unter Einbeziehung von Beiratsmitgliedern und Vereinsvertretern in einer „Kommission Finanzen und Controlling“ noch bessere Transparenz bei der Überprüfung der Finanzen gewährleistet sein soll.

Die an der Basis kritisierte Personalstruktur beim Verband, dessen Personalkosten in den vergangenen sechs Jahren von gut 700.000 Euro auf über 1,2 Millionen Euro stiegen, verteidigte die Verbandsführung. „Ein Großteil dieser Ausgaben ist refinanziert durch Sponsorengelder und DFB-Zuschüsse, die oft projektbezogen sind“, erläuterte Felchner. „Vor 20 Jahren musste der Verband nur den Spielbetrieb organisierten“, ergänzte Meyer. „Heute sind auch soziale Themen wie Integration wichtig. Wir müssen Veranstaltungen für den Breitenfußball anbieten, Projekte beispielsweise in Schulen organisieren.“

Angesichts der notwendigen Einsparungen baut der SHFV nach Felchners Aussage jedoch insgesamt fünf Stellen (vier in der Geschäftsstelle, eine in Malente) ab. Zudem gestand der Geschäftsführer: „Wir müssen in Zukunft noch besser kommunizieren, was wir eigentlich machen.“

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erstellt am 21.Mär.2016 | 10:01 Uhr

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