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Leichtathletik : «Unterdrückte» Werfer? Harting-Absage belebt Streit

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Robert Harting wurde wie immer deutlich. «Leider werden wir Werfer immer mehr unterdrückt. Wir sind kurz davor, überflüssig zu werden», schrieb der Weltmeister und Olympiasieger laut Berliner «B.Z.» an die Organisatoren des Leichtathletik-Meetings in Stockholm.

Mit der feurigen Absage seines Starts bei der Diamond-League- Veranstaltung hat Harting einen alten Streit wieder einmal neu entfacht. In Deutschland sind die Werfer die Stars der Leichtathletik. Nirgendwo sonst ist ihr Anteil an den gewonnenen WM- oder Olympia-Medaillen so hoch. Und nirgendwo sonst gibt es so viele spezielle Meetings wie an diesem Wochenende in Bad Köstritz (Samstag) oder Elstal (Sonntag), die eigens für die Werfer oder um die besten Werfer herum organisiert werden.

International allerdings, wenn es zu den großen Meetings nach Zürich oder Stockholm geht, klagen die Kugelstoßer, Diskus- oder Speerwerfer immer wieder darüber, wie sehr sie im Schatten der Springer und vor allem Sprinter stehen. «Diskuswerfen wird nur noch geduldet und nicht mehr gefördert. Aber doping-vorbelastete Athleten werden immer noch eingeladen und bekommen fette Gagen. Es tut mir Leid für die Fans, aber so etwas kann ich nicht unterstützen, will kein Teil davon sein», meinte Harting.

Mit dieser Haltung steht der 28-Jährige nicht allein da. Die Hammerwerfer zum Beispiel kämpfen seit Jahren dafür, überhaupt an der Diamond League teilnehmen zu dürfen. Bei den Olympischen Spielen in London verteilten sie zu diesem Zweck Anstecker mit dem Slogan «Support Hammer Throw» (Unterstützt das Hammerwerfen). Harting und auch Speerwerferin Christina Obergföll beteiligten sich sofort an der Aktion. «Es scheint so, also ob die IAAF das Hammerwerfen als Ballast halbherzig mitschleift, weil es zum Programm gehört und man es nicht einfach streichen kann», sagte die deutsche Weltrekordhalterin Betty Heidler.

Selbst wenn sie es in die Diamond League geschafft haben, führen Diskuswerfer oder Kugelstoßer dort meist nur ein Schattendasein. Ihre Wettkämpfe beginnen lange vor den anderen - wenn das Stadion noch halbleer ist. In Oslo führte das im Juni zu der absurden Situation, dass am Kugelstoßen der Frauen überhaupt nur fünf Athletinnen teilnahmen. Drei von ihnen kamen aus Deutschland. «Das ist ein Armutszeugnis», meinte die WM-Zweite Christina Schwanitz. «Die Veranstalter hier müssen laut Diamond-League-Reglement das Kugelstoßen und Diskuswerfen ausrichten, aber sie interessieren sich nicht dafür», klagte die amtierende Europameisterin Nadine Kleinert.

In Bad Köstritz oder Elstal sieht das anders aus. Dort werden die Werfer hofiert. «Das ist eine super Sache, den besten Kugelstoßer des Erdballs bei uns präsentieren zu können. Das erfüllt mich mit sehr viel Stolz», sagte der Bad Köstritzer Meetingchef Hans Peter Bischoff über seinen prominentesten Teilnehmer David Storl. In London oder Rom wird der Weltmeister in der Regel weniger enthusiastisch begrüßt.

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erstellt am 23.Aug.2013 | 14:02 Uhr

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