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Haftentlassung des früheren Bayern-Managers : Uli Hoeneß: Zur Halbzeit in Freiheit

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der 64-Jährige ist zwar auf freiem Fuß, aber doch nicht frei, meint sh:z-Sportchef Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2016 | 08:21 Uhr

München | Eine Blaskapelle soll gestern zur Begrüßung von Uli Hoeneß auf seinem Grundstück hoch über dem Tegernsee gespielt haben. Was dafür spricht, dass der frühere Bayern-Manager nach seinem Gefängnisaufenthalt in seiner Heimat höchst willkommen ist. Über 28 Millionen Euro Steuern hatte Hoeneß hinterzogen und wurde im März 2014 zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Nach der Hälfte dieser Zeit, also zur Halbzeit, befindet sich Hoeneß bereits wieder auf freiem Fuß. Auf Bewährung. Wenn er sich jetzt drei Jahre lang nichts zuschulden kommen lässt, wird ihm der zweite Teil der Haftstrafe erlassen.

Das sei zu viel des Guten, suggerieren Kritiker und kokettieren mit dem sogenannten Promi-Bonus, den es ja hin und wieder geben soll. Werden doch nur sehr wenige Häftlinge nach der Hälfte der Strafe entlassen, nicht einmal zwei Prozent. Hoeneß hat sich diesen Vorteil erkämpft. Mit Disziplin und sportlichem Ehrgeiz. Er sei ein vorbildlicher Häftling gewesen, heißt es. Er hat seine Steuerschuld samt Zinsen und Zinseszinsen in Höhe von 50 Millionen Euro bezahlt. Und – Uli Hoeneß ist reumütig. Er wird seinen Weg finden.

Eben über diesen weiteren Lebensweg wird jetzt spekuliert. In der deutschen Fußball-Gesellschaft, an den Stammtischen, aber auch in der Vorstandsetage des FC Bayern. Eben jener Verein, den Hoeneß an die Weltspitze geführt hat. „Das war's noch nicht“, hatte der Manager kurz vor seinem Abschied von der Freiheit den Bayern-Fans zugerufen.

Heute mag der einstige Mittelfeldmotor anders denken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Hoeneß in seiner Gefängniszelle auf andere Gedanken gekommen ist. Der einst erfolgreiche und unbescholtene Nationalspieler, der Ex-Manager, der nur allzu gern der Konkurrenz die Leviten las und der in Talkshows die gesamte Nation belehrte, kehrt mit dem Makel einer schweren Vorstrafe in die Gesellschaft zurück. Eine Gesellschaft, die Hoeneß in Zukunft mit der Vergangenheit konfrontieren wird. Hoeneß ist zwar auf freiem Fuß und doch nicht frei. Der Promi-Bonus, der ihm in der Halbzeitpause bei der Befreiung aus dem Knast geholfen haben mag, wird ihn auf Schritt und Tritt verfolgen. Uli Hoeneß sollte im zweiten Teil seines Lebens auf die große Bühne verzichten.

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