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Mit gebrochenem Bein OstseeMan gewonnen : Triathlet Till Schramm: „Aufgeben war keine Option“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Triathlet Till Schramm brach sich beim OstseeMan in Glücksburg während des Marathons das Wadenbein und gewann das Rennen.

Sie werden Eisenmänner und Eisenfrauen genannt, die Triathleten der Langdistanz. Wer hintereinander und in hohem Tempo 3,8 Kilometer schwimmt, 180 Kilometer radfährt und 42,195 Kilometer läuft, der muss schon aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sein. Das trifft sicher auf Till Schramm zu: Der 32-jährige Profisportler aus Köln gewann am Sonntag zum dritten Mal in Folge den OstseeMan in Glücksburg – und das, wie sich jetzt herausstellte, mit einem gebrochenen Wadenbein.

„Meine Gefühlslage ist sehr komplex. Ich denke mit einem lachenden und einem weinenden Auge an den OstseeMan zurück“, sagte Schramm gestern. Denn auf dem heimischen Couchtisch liegt neben der Siegerurkunde ein Röntgenbild. Darauf deutlich zu erkennen: der malade Wadenbeinknochen. Für einen Profisportler eine kleine Katastrophe. Das vorzeitige Saisonende droht.

Was genau ist passiert? Bei Kilometer 26 der abschließenden Marathonstrecke liegt Schramm klar in Führung und denkt sich: „Die letzten 15 Kilometer schalte ich noch mal einen Gang höher.“ Schließlich hat er eine Wette mit einem Freund laufen, dass er den Marathon mit einem negativen Halbmarathonsplit (die zweite Hälfte schneller als die erste) bestreitet. Er fühlt sich frisch und gibt richtig Gas. Seine anvisierte Endzeit von 2:46 Stunden – voll im grünen Bereich.

Bei Kilometer 28 baut sich jedoch eine Spannung in der Wade auf, die sich in einem lauten Knall („Als würde ein Holzstock durchbrechen“) entlädt. Ein Schmerz, ein Schrei, ein Sturz. „Ich lag minutenlang da wie ein Marienkäfer auf dem Rücken“, sagt der Kölner. Er ahnt sofort, was passiert ist. Ein Profisportler sei sehr „körperfühlig“ und habe einen „guten Anatomieatlas im Kopf“. Da es an einer Stelle auf der Haut piekt, ist er sich sicher: Das Wadenbein ist durch.

Das Ende aller Siegträume? Hunderte Stunden Schinderei in der Vorbereitung für die Katz? Krankenhaus statt Siegerpodest? Nein! „Ich bin ein harter Hund. Aufgeben war keine Option“, erinnert sich Schramm. Seine Botschaft: „Selbst wenn man Probleme hat, kann man Erfolg haben.“ Und so rafft sich der Familienvater irgendwann wieder auf, nimmt humpelnd Tempo auf und strebt unter „explosionsartigen Schmerzen“ (Schramm) dem noch 14 Kilometer entfernten Ziel entgegen. „Eine unvorstellbare Tortur“, nennt der 32-Jährige die ersten 20 Minuten nach dem Unfall. Er habe bei jedem Schritt geschrien wie am Spieß. „Ich hoffe, die Anwohner nehmen mir die Ruhestörung nicht mehr übel“, witzelte Schramm gestern.

Dank der Hilfe des Führungsradfahrers und der Unterstützung des vorbeikommenden Staffelläufers Henrik Schwalbe (SV Enge-Sande), der ihn fortan begleitet und somit seine eigenen Ambitionen zurückstellt, schafft er das fast Unmögliche. „Ich wollte das Gefühl, als OstseeMan-Champion gefeiert zu werden, nicht missen und war voller Adrenalin. Echt beeindruckend, was Hormone so alles bewirken können.“ Die letzte, 8 km lange Laufrunde absolviert er in 36 Minuten (Schramm: „Das war Schongang“) und einem Kilometerschnitt von 4:20 Minuten – für Hobbyläufer ein atemberaubendes Tempo, mit gebrochenem Wadenbein eine unvorstellbare Leistung. Am Ende langt es für Schramm, um den Marathon unter drei Stunden (2:58:33) zu laufen und die Ziellinie mit einer Gesamtzeit von 8:32:08 Stunden als Sieger zu überqueren. Mit kaputtem Bein, aber voller Glücksgefühle.

Der nun dreifache OstseeMan-Sieger ließ es sich auch nicht nehmen, um Mitternacht mit stark geschwollenem Bein den Zielbereich aufzusuchen, um Cheforganisator Reinhard Husen als letzten Finisher in Empfang zu nehmen. „Das war Ehrensache“, so Schramm. „Reinhard hat auch schon oft für mich im Ziel gestanden. Das hätte ich aber nicht für viele andere Menschen getan.“

Damit waren die Leiden des jungen Schramm noch nicht beendet, denn am nächsten Morgen wartete auf den Beinkranken noch die gut fünfstündige Heimfahrt nach Köln mit vielen schmerzhaften Bremsmanövern. Aus logistischen Gründen hatte er auf einen Besuch eines Flensburger Krankenhauses verzichtet. In einem Kölner Klinikum erhielt er dann die bittere, aber erwartete Diagnose. Heute soll sich bei einem MRT entscheiden, ob Schramm operiert werden muss, oder ob die Verletzung konservativ behandelt werden kann. Im Falle einer OP wäre die Saison beendet, andernfalls plant er ein Comeback im November bei Rennen in Dubai und Australien. Ein echter Eisenmann eben.

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erstellt am 10.Aug.2017 | 20:07 Uhr

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