Fussball-Kolumne : Test-Pleite, Neu-Aufbau, Nobodies

Lewis Holtby und Aaron Hunt bleiben beim HSV.
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Lewis Holtby und Aaron Hunt bleiben beim HSV.

Wie sich die Zweitligisten HSV und Holstein Kiel auf die Saison einstellen – und warum das ZDF über Regen redet.

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04. Juni 2018, 09:43 Uhr

Der Regen war es nicht: Zwei Stunden wurde in Klagenfurt lamentiert. Von all jenen, die Redebedarf in der Regenpause vor Beginn des Länderspiels hatten. Vor allem von der ZDF-Mannschaft, die große Mühe hatte, das Wasserspektakel zu überbrücken. Die Bedeutung der TV-Quoten wurde an diesem Abend deutlich. Lieber irgendwelche unwichtigen Neuigkeiten aus dem Kabinengang als eine Schaltung ins „Heute Journal“, wo im Sekundentakt Meldungen aus dem Weltgeschehen eingehen.

So ist es nun einmal in dieser Medienwelt, in der das Fußballgeschäft eine führende Rolle übernommen hat. Mehr als zwei Stunden wurde über die Beschaffenheit des Rasens räsoniert. Oder über das schwere Schicksal von Zuschauern, die in Plastiksäcken Unterschlupf gefunden hatten. Der Anpfiff ging dann im kollegialen Jubelgesang deutscher und österreichischer Reporter unter.

Sehenswerter Fußball im Alpenland

Zum Schluss jubelten aber nur die Gastgeber. Sie hatten in einer fulminanten zweiten Halbzeit den noch amtierenden Weltmeister aus Deutschland eindrucksvoll besiegt. Ausschlaggebend war der Wille. Nun gut, die Österreicher dürfen nicht zur WM, dafür hat es nicht gereicht. Aber sie haben diese eine Gelegenheit genutzt, um zu zeigen, dass im Alpenland sehenswerter Fußball zelebriert werden kann.

Die deutsche Auswahl kann es eigentlich viel besser. Die Zuversicht im Land des Weltmeisters ist trotzdem groß. Der Aussetzer von Klagenfurt werde eine Ausnahme sein und bleiben, heißt es im Fußballvolk. Vielleicht hat ja auch die Kanzlerin am Sonntag passende Worte an die Adressen von Ilkay Gündogan und Mesut Özil gerichtet.

Leistungsträger bleiben beim HSV

Vereinsliebe? Mag sein, dass dies bei Lewis Holtby, Aaron Hunt oder Gotoku Sakai der Fall ist. Und sie deshalb ihre Verträge beim Zweitligisten Hamburger SV verlängert haben. Es mag auch sein, dass diese drei Leistungsträger die schöne Stadt Hamburg mögen. Wahrscheinlicher aber ist, dass das Gehaltsangebot des HSV am Ende dafür gesorgt hat, dass die Führungsspieler weiter im Volksparkstadion auflaufen.

Was auch richtig sein mag, um den direkten Wiederaufstieg ins Visier zu nehmen. Die 1. Liga ohne den HSV? Noch mag man sich dieses Szenario gar nicht vorstellen. Aber alles Lamentieren hilft nicht. Der einst so angesehene Hamburger Sport-Verein hat sich dieses Desaster selbst zuzuschreiben.

Schuld sind nicht diejenigen, die den HSV mit ihrem Urteil begleitet haben. Schuld ist ein Verein, der über seine Verhältnisse gelebt hat. Mit seiner jetzigen Personalpolitik, Nachwuchstalente unter der Führung einiger älterer Profis auf den Rasen zu schicken, mag der HSV richtig liegen. Im Schongang ist noch kein Absteiger durch die 2. Liga marschiert.

Nobodies mit besten Zeugnissen

Alles auf jung: Holstein Kiel setzt in der sportlichen Führung auf einen Trainer und einen Sportdirektor, die man bislang nicht unbedingt kennen musste. Auf der Trainerbank sitzt in Zukunft Tim Walter, der die Bayern-Amateure betreute. Und der neue Sportchef Fabian Wohlgemuth hatte das Sagen über den Nachwuchs des VfL Wolfsburg. Zwei Nobodies mit besten Zeugnissen. Man wird sehen, ob es reicht.

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