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Sportpolitik : Stiller Diplomat Ng Ser Miang: Mehr als Außenseiter?

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Die stille Diplomatie ist das Spezialgebiet von Ng Ser Miang. Der Multimillionär aus Singapur hat dies als ehemaliger Botschafter in Ungarn und später in Norwegen schließlich reichlich geübt - und als visionärer Weltbürger möchte er auch verstanden werden.

Der 64 Jahre alte Unternehmer wäre der erste Spitzenfunktionär der aufstrebenden Sportmacht Asien im IOC-Chefsessel, aber mit diesem Argument ging er im Wahlkampf überraschend zurückhaltend um. «Ich bin stolz, Asiate zu sein, und ich bin stolz Weltbürger zu sein», sagte Ng Ser Miang, der unberechenbare Außenseiter in dem Kandidaten-Sextett.

Als Botschafter in Europa verstehe und respektiere er die europäischen Wertvorstellungen. Als IOC-Vertreter hat der Geschäftsmann mit afrikanischen und südamerikanischen Städten zusammengearbeitet. Seit 1988 ist er im Internationalen Olympischen Komitee (IOC), seit 2005 sitzt er in der Exekutive, 2009 wurde er zum Vizepräsidenten der Ringe-Organisation gewählt. Auch in der Finanz-Kommission ist er tätig und damit als Geldbeschaffer einer der wichtigsten Zuarbeiter von IOC-Präsident Jacques Rogge. International hat er sich vor allem als Organisator der ersten Olympischen Jugendspiele 2010 in Singapur einen Namen gemacht.

Die Förderung der Jugend ist auch Schwerpunkt seiner Bewerbung. «3,5 Milliarden Menschen sind unter 25 Jahren. Wenn wir nichts für sie tun, dann hat auch Olympia keine Zukunft», philosophierte Ng. «Wir müssen die Jugend ins Zentrum der Bewegung stellen.» Unermüdlich ist der leidenschaftliche Segler um die Welt gereist und hat seine IOC-Kollegen immer wieder besucht. Die Regierung von Singapur ist angeblich sehr interessiert daran, dass er das prestigeträchtige Amt bekommt.

Der aus China stammende IOC-Vize hat sein Geld mit der Übernahme eines Busunternehmens gemacht, das er später an den Staat verkaufte. Für die Regierungspartei wirkte er bis 2005 im Parlament, derzeit ist er Vorsitzender der größten Supermarktkette in Singapur.

Ng gab seine Kandidatur am 16. Mai in der Pariser Sorbonne Universität bekannt, in der das IOC 1894 gegründet wurde. Tradition ist ihm wichtig - Fortschritt auch. Er hält sich für stark in der Konsensbildung und im Vorantreiben einer neuen Ausrichtung. «Die Zeiten ändern sich rapide und wir müssen mithalten, um relevant zu bleiben. Ich glaube an Reformen und Stabilität», proklamierte der IOC-Kronprinz.

Die Größe und Kosten Olympischer Spiele müssten überdacht werden - und das Programm. Ng beschwört das Teamwork zwischen IOC und Verbänden. Er will die Mitglieder stärken und lockt sie mit der Ankündigung, sie in alle wichtigen Entscheidungen einzubinden - auch bei einer möglichen Aufhebung des Alterslimits und Reiseverbots zu den Bewerberstädten. Nach seiner möglichen Wahl möchte er sogar alle Interessengruppen im historischen Olympia zusammenbringen, um Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Der stille Diplomat macht ernst.

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erstellt am 05.Sep.2013 | 09:38 Uhr

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