5. Sylter Strandgespräch : Sport-Talk im Video: Zwist beim Thema Spielergehälter

Weggefährten: Gerhard Delling (l.) und Bernd Wehmeyer.
2 von 3
Weggefährten: Gerhard Delling (l.) und Bernd Wehmeyer.

Beim 5. Sylter Strandgespräch diskutierte eine illustre Sport-Runde in der Sylter „Sansibar“ über aktuelle Sportthemen.

petersen_holger- (2).jpg von
29. Juli 2021, 18:20 Uhr

Rantum | Plaudern statt plantschen: Während draußen das Wetter mit heftigem Regen und stürmischem Wind herbstliche Züge annahm und wahrlich nicht zu einem entspannten Strandtag auf Sylt einlud, herrschte drinnen, in der Sansibar, sommerliche Hochstimmung . Das „5. Sylter Strandgespräch“ im Weinkeller von Deutschlands bekanntester Strandbude bot gestern Mittag einmal mehr beste Unterhaltung.

 

In lockerer Atmosphäre diskutierten der frühere ARD-Sportmoderator Gerhard Delling, HSV-Clubmanager Bernd Wehmeyer, Holstein Kiels Geschäftsführer Wolfgang Schwenke, Flensburg-Handewitts Manager Dierk Schmäschke und der Gastgeber, Sansibar-Wirt Herbert Seckler, über nordisch-sportliche Themen. Moderiert wurde der Talk von sh:z-Sportautor Jürgen Muhl, der diese Runde vor fünf Jahren aus einer Schnapsidee heraus ins Leben gerufen hatte.

Weggefährten: Gerhard Delling (l.) und Bernd Wehmeyer.
Michael Ruff
Weggefährten: Gerhard Delling (l.) und Bernd Wehmeyer.
 

Jürgen Muhl: Gerade finden in Tokio die olympischen Sommerspiele statt. Wie groß ist Ihre Begeisterung darüber?

Gerhard Delling: Olympia – das muss man miterleben. Die Spiele sind für alle Beteiligten – speziell natürlich für die Sportler, aber auch für Funktionäre und Journalisten – etwas ganz Besonderes.

Bernd Wehmeyer: Das kann ich bestätigen. Ich hatte das Glück, 1984 in Los Angeles als Fußballer dabei sein zu dürfen. Das hat einen ganz speziellen Flair. Auch wenn wir keine Medaille gewonnen haben, so war es ein einmaliges Erlebnis für mich.

Wolfgang Schwenke: Was ich 1992 in Barcelona erlebt habe, bleibt für mich unvergessen. Die Auftritte des Dreamteams der US-Basketballer, die Leichtathletik-Wettkämpfe mit Stars wie Carl Lewis oder Heike Drechsler, die tolle gegenseitige Wertschätzung der Aktiven... Die Spiele sind ein Schlaraffenland für jeden Sportler.

Jürgen Muhl: Aber die Wertschätzung der Spiele seitens der deutschen Fußballvereine war sehr gering. Kaum ein Club gab grünes Licht in Sachen Abstellung ihrer Spieler.

Wolfgang Schwenke: Ich finde es traurig, wenn Clubs den Spielern die Teilnahme verwehren.

Dierk Schmäschke: Genau. Olympia – das ist der große Traum vieler unserer Spieler. Ein Teilnahmeverbot ist deshalb für uns kein Thema. Die Spieler wären todtraurig. Die Spiele kosten zwar viele Körner und bergen ein gewisses Verletzungsrisiko, bringen aber mental viel Positives mit sich.

Gerhard Delling: Auf der anderen Seite muss man bedenken: Die Belastung der Bundesliga-Fußballer war durch Corona teilweise außergewöhnlich hoch. Die, die länger in Tokio geblieben wären, hätten bei ihrer Rückkehr zu den Vereinen Probleme bekommen.

Jürgen Muhl: Thema Corona. Herr Seckler. Ein Wort, das Sie nicht mehr hören können?

Herbert Seckler: Eigentlich fand ich die Zeit des Lockdowns klasse. Zum ersten Mal seit 43 Jahren hatte ich Ruhe. Das Problem entstand erst danach, als man den Betrieb und die 180 Mitarbeiter wieder wach bekommen musste. Die Krise hat die Menschen verändert. Alles muss nun schneller gehen, die Leute sind gereizter.

Jürgen Muhl: Apropos gereizt. Herr Schwenke, wie reagieren Sie, wenn man Sie auf die vergebenen drei Matchbälle im Aufstiegsrennen zur Fußball-Bundesliga heute anspricht?

Wolfgang Schwenke: Für mich ist das Glas halbvoll und nicht halbleer. Wir haben eine tolle Serie gespielt, die übermächtigen Bayern – mit etwas Glück – aus dem Pokal gekegelt und bundesweit große Wertschätzung erfahren. Dann hat uns Corona ein wenig aus der Bahn geworfen. Ich möchte betonen: Es ist für den Verein Holstein Kiel keine Selbstverständlichkeit, in der 2. Liga zu spielen. Die vergangene Saison war, gemessen an unseren Möglichkeiten, herausragend.

Jürgen Muhl: Das kam man vom HSV nicht behaupten. Herr Wehmeyer, wie läuft es mit dem neuen Trainer?

Bernd Wehmeyer: Sehr gut. Tim Walter hat eine große, spezielle Begeisterungsfähigkeit. Es schafft es, diese in die Mannschaft zu transportieren. Ich habe vor kurzem Uwe Seeler getroffen. Er findet es gut, dass nun jemand lautstark an der Außenlinie herumhüpft, der Zeichen setzt, der ackert. Das wollen die Fans sehen.

Gerhard Delling: Der HSV ist bei der Trainersuche zuletzt einen schädlichen Zickzack-Kurs gefahren. Mal ein Coach, der jung ist, mal einen mit Erfahrung, dann wieder zurück. Der Club hatte keinen klaren Plan.

Wolfgang Schwenke: Ein bisschen mehr Ruhe und Kontinuität würde euch ganz gut tun. Ihr habt ja in Sachen Trainer den Finger schnell am Abzug...

Bernd Wehmeyer: Das stimmt. Mal abwarten. Die Klasse eines Trainers zeigt sich erst richtig in Zeiten, in denen es nicht läuft. Das Start auf Schalke war gut, doch Gradmesser sind Partien gegen Aue oder Sandhausen.

Herbert Seckler: Nichtsdestotrotz: Jeder erwartet vom HSV, dass er aufsteigt. Das ist Pflicht. Holstein hat diesbezüglich erheblich weniger Druck.

Gerhard Delling: Korrekt. Aber ich würde mir wünschen, wenn sich die Kieler nicht immer als Underdog darstellen. Das sind sie nämlich nicht mehr.

Wolfgang Schwenke: Wir sind mit unserem Etat von 12 Millionen Euro nun mal nicht am oberen Ende der Nahrungskette. Für uns ist es schwer, am Ende jeder Saison den Verlust von fünf, sechs Leistungsträgern aufzufangen. Ein Jonas Meffert verdient in Hamburg halt das Dreifache mehr als bei uns.

Bernd Wehmeyer: Das glaube ich nicht. Der HSV ist nicht mehr Krösus der Liga. Wir haben mittlerweile die Gehälter an die Spielklasse angepasst. Das war kein leichtes Unterfangen.

Wolfgang Schwenke: Es ist keine gute Entwicklung, wenn Vereine Schulden machen, um das operative Geschäft zu bedienen. Wir wollen den Wahnsinn nicht mitgehen. Wir gehen nicht ins Minus, wir wollen solide wirtschaften. Aber natürlich steigen auch bei uns die Ansprüche.

Bernd Wehmeyer: Für einen Verein wie Holstein, der Schritt für Schritt von unten nach oben kommt, ist es leichter als für uns, die von einem hohen Niveau runtergekommen sind.

Jürgen Muhl: Herr Schmäschke, der HSV mit einem Etat von über 20 Millionen, Holstein mit zwölf Millionen – was sagt der Handballer dazu?

Dierk Schmäschke: Von diesen Zahlen sind wir als SG Flensburg-Handewitt ein ganzes Stück entfernt. Der Handball ist eine andere Welt. Aber wir haben uns einen Stellenwert nicht nur in Schleswig-Holstein und Deutschland erkämpft. Wir sind in der Lage, mit den europäischen Spitzenclubs mitzuhalten. In die neue Champions-League-Saison starten wir gegen Barcelona und Paris, das ist doch ein tolles Gefühl.

Wolfgang Schwenke (lacht): Das würden wir auch gerne. Aber Kompliment an die SG. Sie hat sich eine eigene Marke geschaffen. Dieser familiäre Aspekt, ein Alleinstellungsmerkmal, der auch Weltklasse-Leute nach Flensburg ziehen lässt, obwohl sie anderswo mehr verdienen können.

Gut gelauntes Trio: Wolfgang Schwenke (von links), Gerhard Delling und Dierk Schmäschke.
Michael Ruff
Gut gelauntes Trio: Wolfgang Schwenke (von links), Gerhard Delling und Dierk Schmäschke.
 

Herbert Seckler: Auch wenn ich mit dem THW Kiel verbunden bin, so sage ich: Flensburg hätte es verdient, der nächste Deutsche Meister zu werden.

Gerhard Delling: Um die SG mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Das sind über Jahrzehnte gewachsene Strukturen. Die Flensburger werden ihren Erfolgsweg weitergehen. Ich würde mir wünschen, dass diese telegene Sportart eine noch größere Resonanz erfährt. Handball braucht aber eine konsequente Präsenz im TV.

Dierk Schmäschke: Auch wenn es in Sachen Fernsehen viel besser geworden ist: In dieser Sache ist noch reichlich Luft nach oben.

Jürgen Muhl: Letzte Frage: Wer wird deutscher Fußballmeister?

Herbert Seckler: Die Bayern – kein Zweifel.

Gerhard Delling: Und die Aufsteiger aus der 2. Liga heißen HSV, Holstein Kiel und FC St. Pauli...

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen