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Die Bundesliga-Kolumne : Skandal-Elfmeter, Wort-Spiel, Milliarden-Ding

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gladbachs Trainer Lucien Favre ist „unrauswerfbar“ und Darmstadt entzaubert Großverdiener: Das Bundesliga-Wochenende kommentiert Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2015 | 09:27 Uhr

Wie von Sinnen: Der vierte Spieltag hatte es in sich. Tore am Fließband, Mönchengladbacher Geschenke am Abend, ein rauschendes Fest in Frankfurt, der sensationelle Erfolg von Aufsteiger Darmstadt bei völlig überschätzten Großverdienern in Leverkusen, ein erneuter Gala-Auftritt von Borussia Dortmund in Hannover. Nur beim Konzern-Duell zwischen Audi und Volkswagen in Ingolstadt hielt man sich an die Devise, dem Partner keinen einzuschenken. Der VfL Wolfsburg verliert bereits jetzt an Boden.

Weil die Bayern eben nichts anbrennen lassen. Und wenn es danach aussieht, hilft eben das Schiedsrichter-Gespann. Was sich in München in der letzten Spielminute ereignete, müsste eine Sperre von Schiedsrichter Knut Kircher und seinem völlig überforderten Assistenten zur Folge haben. Weil Augsburgs Abwehrspieler Markus Feulner sich nicht in Luft auflösen kann und auch nicht muss, wenn ein Bayern-Star auf ihn zuläuft, fuchtelte der Schiri-Helfer an der Außenlinie mit seiner Fahne wie ein Flugzeug-Einweiser wild herum. Warum der weitaus besser postierte Kircher darauf reagierte und auf den Elfmeterpunkt zeigte, weiß nicht einmal der Fußball-Gott, der zur Oktoberfestzeit nur allzu gern den Bayern zuprostet. Von einem Elfmeter-Witz war gestern bundesweit zu lesen. Viel zu harmlos formuliert. Es handelt sich vielmehr um einen handfesten Elfmeter-Skandal. Wobei es Thomas Müller gut zu Gesicht gestanden hätte, nach seinem verwandelten Elfmeter auf den großen Jubelakt diesmal zu verzichten. Ein solcher Strafstoß gegen die Bayern – Matthias Sammer hätte dem Linienrichter die Luft zum Atmen genommen. Auf welche Art und Weise auch immer.

Ohne Gegenwehr: So leicht wird der HSV wohl so schnell nicht wieder zu drei Punkten kommen. Die Frage, warum Borussia Mönchengladbach einfach nicht wollte oder auch nicht konnte, bleibt bislang unbeantwortet. Wenn in einer Mannschaft niemand den Ball haben will, brennt es lichterloh. Ein Zustand, den man in Hamburg aus den Vorjahren kennt. Während Bruno Labbadia erst einmal durchatmen kann, sollte sich Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hinterfragen. Noch in der vergangenen Woche hatte er Borussia-Trainer Lucien Favre als „unrauswerfbar“ bezeichnet. Ein mutiges Wortspiel, das nicht nur Favre Kopf und Kragen kosten könnte. Sind doch für eine verfehlte Einkaufspolitik Trainer und Sportchef gemeinsam verantwortlich.

Geld, Geld, Geld: Der Deutsche Fußball-Bund rüstet weiter auf. 2018 könnte zum Milliardenjahr werden. Zum einen steht dann ein neuer Fernsehvertrag an, der die Milliardengrenze mit Sicherheit überschreiten wird. Außerdem endet in dem WM-Jahr der Ausrüstervertrag mit Adidas. Dem Vernehmen nach bietet der Sportartikelhersteller eine Milliarde Euro für einen Zehn-Jahres-Vertrag. Offenbar bietet der amerikanische Wettbewerber Nike mit. Nike habe eine „ehrliche Chance“, verkündete DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Das mag man nicht so recht glauben, passt doch zwischen Adidas und DFB kein Blatt Papier, wie es unter guten Freunden so schön heißt. Andererseits hört beim Geld die Freundschaft auf. Wohl erst recht im dubiosen Fußballgeschäft.

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