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Die Bundesliga-Kolumne : Show-Master, Weser-Wunder, Montags-Spiele

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jürgen Muhl resümiert den 21. Spieltag. In der Kritik steht besonders der HSV und der „überforderte“ Cheftrainer Josef Zinnbauer.

Flensburg | Es ist geschafft: Josef Zinnbauer ist es gelungen. Unter seiner Regie hat der HSV ausgerechnet im 100. Duell mit den Bayern die höchste Niederlage in seiner über ein halbes Jahrhundert anhaltenden Bundesliga-Geschichte eingefangen. Null zu acht bei den Bayern. Das ist noch schlechter als das zwei zu neun vor zwei Jahren, als Thorsten Fink auf der Trainerbank saß und wenig später gefeuert wurde. Oder vor drei Jahren, als die Hamburger mit Armin Veh in der Cheftrainer-Position mit null zu fünf untergingen. Am Tag darauf musste Veh gehen.

Showmaster Zinnbauer wird auch weiterhin vor der HSV-Bank wild gestikulierend seine hoch bezahlten Profis anfeuern. Heiß machen, das ist Zinnbauers biederes Handwerk. Was hin und wieder gegen noch schwächere Gegner funktioniert. Wie gegen Paderborn oder Hannover.

Mit einer Arbeitsplatzgarantie bis zum Saisonende ausgestattet, spuckte der vor seinem Trainer-Dasein als Versicherungsagent tätige Franke in der Woche vor der Reise nach München große Töne. Zinnbauer fabulierte gar über ein Remis beim Rekordmeister und erhielt Unterstützung vom „Hamburger Abendblatt“, das einen taktischen Weg zur Umsetzung einer Überraschung aufzeichnete („Der Schlüssel zum Wunder“). Schaumschlägerei. Wie auch Zinnbauers Show im Spielerkreis nach dem Desaster auf dem Rasen.

Der HSV wäre mit einer zweistelligen Packung an die Elbe zurückgereist, hätte der FC Bayern nicht einige Kunstpausen eingelegt. So aber darf der als Cheftrainer überforderte Zinnbauer weitermachen. Bis zu jenem Tag, an dem es Geldgeber Kühne reicht. Oder bis zum Sommer, wenn mal wieder alles neu wird beim HSV.

Wunder an der Weser: Vom Abstiegskandidaten Nummer eins ins gesicherte Mittelfeld. Werder Bremen zeigt, wie es geht. Und das mit einem qualitativ schlechteren Kader, als ihn der HSV zur Verfügung hat. Mit angenehmer Zurückhaltung und kluger Aufbauarbeit hat Viktor Skripnik zusammen mit der Erfahrung seines Assistenten Torsten Frings die noch vor Wochen stümperhaft agierende Mannschaft zu einem erfolgreich arbeitenden Team geformt. Es handelt sich in der Tat um ein neues Wunder von der Weser.

Werders Auferstehung überrascht die Liga, in der Wolfsburg mit den Volkswagen-Millionen sehenswerte Akzente setzt und doch den Bayern nicht gefährlich werden kann. Borussia Dortmund bläst zur Aufholjagd, während der als Retter geholte Huub Stevens dem VfB Stuttgart offenbar nicht helfen kann. Insofern wird es in dieser Saison wohl einen Traditionsverein erwischen.

Neue Milliarden: Die Deutsche Fußball Liga reagiert bereits auf den neuen TV-Vertrag in der englischen Premier League, der fast sieben Milliarden Euro schwer ist. Klar, dass die Weltmeister-Liga Appetit bekommt und alles daran setzen wird, die Fernsehgelder an das britische Niveau heranzuführen. Was verbunden sein wird mit einer weiteren Zerstückelung des Spielplans. Schon wird über ein Spiel am Montagabend in der 1. Liga spekuliert. Oder auch über eine Partie am Sonnabendmittag – wie in England. Für frisches Geld würde man auch wochentags am Vormittag spielen. Bleibt die Frage, ob die Fans das alles mitmachen.

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