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HSV-Youngster Jann-Fiete Arp : Sein Entdecker im Interview: „Finde den Hype überzogen“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Segeberger Talentfördertrainer und HSV-Scout Thomas Nagel ist begeistert von „seiner Entdeckung“ Jann-Fiete Arp, warnt aber vor zu großen Erwartungen

Der Rummel um Hamburgs große Fußball-Hoffnung Jann-Fiete Arp hält unvermindert an. Thomas Nagel ist daran nicht ganz unschuldig. Der Schleswig-Holsteiner kann von sich behaupten, der Entdecker des überdurchschnittlich talentierten Fußballers zu sein.

Sieben Jahre ist es her, dass der in Garbek im Kreis Segeberg lebende Familienvater als Kreisauswahltrainer auf den damals zehnjährigen Kicker aufmerksam wurde. Ein kleiner Junge mit blonden Haaren und schelmischem Grinsen, der besser als alle anderen mit dem Ball umgehen konnte – und auf den heute ganz Fußballdeutschland blickt. Der Jungprofi des Hamburger SV ist in aller Munde, weil er als 17-Jähriger Bundesliga-Luft schnupperte, zuletzt sogar US-Nationalspieler Bobby Wood aus der Startelf des Hanseaten verdrängte und mit seiner frechen Art und seinen beiden Toren in seinen bisher drei Einsätzen die Fans verzückte. Unser Redakteur Sascha Sievers sprach mit seinem „Entdecker“ Thomas Nagel über die Anfänge, den aktuellen Hype und über väterliche Ratschläge.

Herr Nagel, Sie haben als Segeberger Kreisauswahltrainer Fiete im Alter von zehn Jahren vom SV Wahlstedt zum HSV gelotst. Hand aufs Herz: Gefällt Ihnen der Hype um einen 17-Jährigen, der gerade einmal drei Bundesligaspiele bestritten hat?

Zunächst einmal freue ich mich für Fiete, dass er eine so tolle Entwicklung genommen hat. Ich war auch im Stadion, habe mir sein Startelf-Debüt gegen Stuttgart von der Tribüne aus angeschaut. Ich muss ehrlich sagen: Das letzte Mal, dass ich so gejubelt habe, war 2008, als wir mit dem 1997er Kreisauswahl-Jahrgang den Gothia-Cup in Schweden gewonnen haben. Als Fiete das 3:1 geschossen hat, war das auch für mich ein besonderer Moment. Ob er diesem Hype stand hält und es auch sportlich weiter für ihn aufwärts geht, muss man abwarten. Leider ist die heutige Zeit so schnelllebig – gestern noch Schulterklopfer bekommen, heute schon in der Kritik. Das ist für so einen jungen Kerl nicht einfach.

Wie beurteilen Sie Fietes Leistung gegen den VfB?
Er war immer dort, wo es brannte, hat stets versucht, sich in Position zu bringen und auch die Bälle gut abgelegt. Fiete ist zu einem sehr intelligenten Fußballer gereift. Insgesamt war das eine gute Leistung.

Ganz Hamburg ist im Arp-Fieber, ganz Deutschland diskutiert, ob mit Fiete ein Stürmer von Weltklasseformat heranreift. Für die Medien ist diese Geschichte um einen 17-jährigen Neuprofi ein gefundenes Fressen. Kann ein Teenager mit so viel Rummel um seine Person umgehen?

Das ist in erster Linie von seinem persönlichen Umfeld abhängig. Ich mache mir da aber wenig Sorgen, auch wenn ich den Hype etwas überzogen finde. Fiete ist ein guter Typ mit einem gefestigten Charakter. Er ist sicherlich weiter als andere 17-Jährige. Deshalb bin ich optimistisch, aber er muss weiter behutsam aufgebaut werden.

Der HSV ist auf der Suche nach sportlichem Aufschwung und nach einer erfolgreicheren Zukunft nach Jahren im Abstiegskampf. Kann ein 17-Jähriger die Lösung der Probleme sein?

Wenn jetzt auch seine Mitspieler in Wallung kommen, weitere Erfolge sich einstellen und das Selbstvertrauen wächst, kann es aufwärts gehen. Aber Fiete allein wird nicht die Probleme des HSV lösen, zumal es auch für ihn schwerer wird. Die Gegner in der Bundesliga werden sich auf ihn einstellen. Da ist Robustheit gefragt – mentale und körperliche.

Sie sind Vater zweier Fußball spielender Söhne, einer davon war selbst Nachwuchsspieler beim HSV. Welchen väterlichen Rat würden Sie Fiete geben?

Geduld und Nachhaltigkeit sind die wichtigsten Dinge für einen jungen Fußballer. Wenn Fiete mein Sohn wäre, würde ich ihm empfehlen, da zu bleiben, wo gewährleistet ist, dass er sich weiter entwickeln kann und Spielzeiten erhält. Das ist aktuell beim Hamburger SV unter Trainer Markus Gisdol der Fall. Das Finanzielle sollte zweitrangig sein – auch beim HSV wird Fiete sehr gutes Geld verdienen.

 

Zurück zu den Anfängen: Sie waren 2010 Kreisauswahltrainer und sind als Talentscout des HSV tätig. Wann und wie sind Sie auf Fiete aufmerksam geworden?

2009 war er zur Sichtung bei uns in der Kreisauswahl und ist sofort aufgefallen. Er hat einfach besondere Dinge gemacht, seine Dribblings auf engem Raum, sein Tordrang und auch sein platzierter Schuss haben uns damals beeindruckt.

Schwächen aber wird er aber auch gehabt haben...

Er war schwankend in seinen Leistungen, aber das ist nicht ungewöhnlich in diesem Alter. Und er war nicht gerade der Lauffreudigste. Wenn ich dann sehe, wie er gegen Stuttgart gerannt ist, dann freue ich mich natürlich. Ich habe ihn mal nach drei Minuten ausgewechselt, weil er sich zu wenig bewegt hat.

Was braucht Fiete, um nachhaltig im Profigeschäft erfolgreich zu sein?

In den vergangenen Jahren hat er sich enorm weiter entwickelt, neben dem fußballerischen vor allem im körperlichen Bereich. Er war früher ein Leichtgewicht, das schnell umzupusten war. Mittlerweile ähnelt er sehr seinem Vater und seinem Großvater, der früher Boxer war – beides sind stattliche Kerle. Eine große körperliche Präsenz brauchst du als Stürmer einfach. Das wichtigste ist aber, dass er seinen Ehrgeiz beibehält, immer weiter an sich arbeitet und gesund bleibt. Wenn er dann auch weiterhin trifft, kann er Karriere machen.

Nicht jeder Spieler aus den Jugendleistungszentren schafft auch den Sprung in den bezahlten Fußball. Was braucht es grundsätzlich, um Profi zu werden?

Talent ist natürlich die Basis; Schnelligkeit in den unterschiedlichsten Bereichen oder eine gute Auffassungsgabe sind weitere wichtige Elemente. Körperliche und mentale Robustheit spielen eine große Rolle. Und man sollte lernfähig sein und den unbedingten Willen haben, es zu schaffen. Spielt dann noch das Elternhaus mit, ist das ein gutes Fundament – Glück aber gehört natürlich auch dazu.

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