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17. Dezember 2017 | 01:48 Uhr

Schrader feiert silbernes Comeback

vom

Zehnkämpfer muss sich nur dem Amerikaner Eaton beugen und holt die erste WM-Medaille für das deutsche Team

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Moskau | Nach dem WM-Coup suchte Michael Schrader erst vergeblich nach Worten. "Was soll ich sagen, ich bin überglücklich", stammelte der Leverkusener nach dem Silbermedaillen-Gewinn bei der Leichtathletik-WM in Moskau und fügte abgekämpft hinzu: "Ich bin an meine Grenzen gegangen." Im abschließenden 1500-Meter-Lauf gestern verteidigte der 24-jährige Olympia-Zehnte von 2008 den zweiten Platz mit 8670 Punkten. Olympiasieger Ashton Eaton (USA) holte sich mit der Weltjahresbestleistung von 8809 Punkten den Titel.

16 Jahre nach Frank Busemann gewann damit erstmals wieder ein Deutscher bei einer Leichtathletik-WM eine Mehrkampf-Medaille. "Zehnkämpfer waren in Deutschland immer Helden der Nation. Deshalb ist es ein traumhafter Start in die WM", sagte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) und freute sich speziell für Schrader: "Das ist eine besondere Story und für ihn nach so langer Durststrecke ein Triumph."

Komplettiert wurde die deutsche Zehnkampf-Renaissance durch den siebten Rang für Rico Freimuth (Halle/Saale), der 8382 Punkte sammelte. Europameister Pascal Behrenbruch (Frankfurt/Main) konnte seinen Traum von einer WM-Medaille nicht verwirklichen und wurde mit 8316 Punkten nur Elfter. "Dass es so in die Hose geht, hätte ich nicht gedacht", meinte Behrenbruch.

Für Schrader ging eine lange Leidenszeit zu Ende. Von 2009 bis 2013 konnte er wegen Verletzungen keinen Zehnkampf beenden. Erst im Mai in Ulm meldete er sich mit 8427 Punkten wieder zurück. "Einen Wettkampf ohne Krämpfe habe ich seit Jahren nicht mehr gehabt", sagte Schrader, der "ohne Ziel und Prognose" in den WM-Kampf ging und "nur gesund durchkommen" wollte. Am Ende hatte er über 400 Meter sowie mit Diskus und Speer persönliche Bestleistungen aufgestellt und in zwei weiteren Disziplinen Bestmarken eingestellt. "Ich habe heute den besten Zehnkampf meines Lebens bestritten", sagte Schrader stolz.

Um kein Gesundheitsrisiko einzugehen, ließ er es im Hochsprung mit vier Versuchen ("Sonst hätte ich mein Knie komplett kaputt gemacht") und im Speerwurf mit einem Versuch bewenden. Dieser Wurf hatte es aber in sich: Der Speer flog auf 65,67 Meter und damit 1,63 Meter weiter als jemals zuvor.

Anders als Schrader hat Diskuswerferin Nadine Müller eine Medaille verpasst - allerdings nur um einen halben Meter. Die 27-Jährige aus Halle/Saale wurde gestern mit 64,47 Metern Vierte. Olympiasiegerin Sandra Perkovic aus Kroatien feierte mit 67,99 Metern überlegen ihren ersten WM-Titel. Die Plätze zwei und drei gingen an die Französin Mélina Robert-Michon (66,28) und die Kubanerin Yarelys Barrios (64,96).

Bei der WM 2011 in Daegu und bei den Europameisterschaften 2012 in Helsinki hatte Müller jeweils noch Silber geholt. Bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr in London verpasste sie aber schon einmal als Fünfte nur knapp eine Medaille.

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