Schleswig-Holsteinischer Fußballverband : Schiri-Mangel: Punktverluste schon vor Saisonstart

Mangelware Schiedsrichter: Zahlreiche schleswig-holsteinische Vereine haben zu wenige Unparteiische in ihren Reihen. Foto: Sell
Mangelware Schiedsrichter: Zahlreiche schleswig-holsteinische Vereine haben zu wenige Unparteiische in ihren Reihen. Foto: Sell

Weil sie zu wenige Schiedsrichter stellen, beginnen bis zu 100 schleswig-holsteinische Vereine die neue Fußballspielzeit mit minus drei Zählern.

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26. Juli 2013, 08:36 Uhr

Kiel | Wenn dieser Tage in Schleswig-Holsteins Amateurfußballklassen die Saison 2013/14 angepfiffen wird, fängt die Spielzeit für alle Vereine bei Null an - sollte man meinen. Doch das ist längst nicht so: Zahlreiche Mannschaften werden mit einem Punktestand von minus drei starten. Der Grund: fehlende Schiedsrichter.
Im März 2012 beschloss der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV) eine Neufassung des Paragrafen 9 der Spielordnung, um dem Mangel an Schiedsrichtern entgegenzuwirken. Der Paragraf sieht härtere Sanktionen für Vereine vor, die wiederholt weniger Schiedsrichter stellen als gefordert. Ab der neuen Spielzeit müssen Clubs für jedes Männerteam, das mindestens in der Verbandsliga spielt, zwei Referees melden - für jedes weitere Männer-, Frauen- oder A-Jugendteam wird ein zusätzlicher Unparteiischer gefordert.

Erst Geld - dann Punkte

Im ersten Jahr des Nichterfüllens wird der Verein mit einem Ordnungsgeld von 125 Euro pro fehlendem Schiedsrichter belegt, im zweiten Jahr folgt eine Erhöhung der Strafe auf 250 Euro sowie ein Abzug von drei Punkten für die am höchsten spielende Mannschaft des Clubs. Im dritten und vierten Jahr steigern sich die Punktabzüge auf sechs beziehungsweise neun Punkte. Zusätzlich droht im vierten Jahr eine Streichung der am niedrigsten spielenden Mannschaft des jeweiligen Vereins.
Da die Regelung seit der Saison 2012/13 greift, kommt es nun, im zweiten Jahr, zu den ersten Punktabzügen - ein böses Erwachen für viele Clubs, die die Gefahr nicht erkannt oder den Schiedsrichtermangel trotz aller Bemühungen nicht behoben haben. Das Argument, die Regelung komme überraschend, will SHFV-Präsident Hans-Ludwig Meyer nicht gelten lassen: "Es gab Informationsveranstaltungen für alle Vereine. Mir soll niemand erzählen, er habe von nichts gewusst."

Großer Mangel in Neumünster

Mit dem SH-Ligisten SSC Hagen Ahrensburg trifft die Sanktionierung auch einen Vertreter der höchsten Spielklasse im Land. "Wir haben uns intensiv um Schiedsrichternachwuchs bemüht. Leider haben jedoch drei unserer neuen Referees ihren Status wieder verloren, weil sie ihren Pflichten nicht in ausreichendem Maße nachgekommen sind", berichtet Günter Feigl, Fußballabteilungsleiter der Stormarner. Für SSC-Trainer Jan Jakobsen stellt der Punktabzug eine schwere Bürde dar: "Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass diese drei Punkte am Ende zum Klassenerhalt fehlen könnten."
Mit dem VfR Neumünster ist ein weiterer prominenter Verein betroffen - da die Regionalliga-Elf aber nicht dem SHFV, sondern dem Norddeutschen Fußballverband untersteht, werden die Punkte dem Reserveteam (Kreisliga) abgezogen. Ohnehin herrscht in Neumünster großer Mangel: Von den fünf Vertretern des KFV Neumünster in der Verbandsliga Süd-West starten vier vorbelastet ins Spieljahr, einzig der TuS Nortorf bleibt verschont.

Belohnung für Schiri-Ausbildung

Auch in allen anderen Verbandsligen kommt es zu Punktabzügen, die Situation in den Kreisligen sieht nicht besser aus. Nach aktuellem Stand - noch nicht alle Kreise haben die Schiedsrichtermeldungen an den SHFV übermittelt - deutet sich an, dass etwa 100 Vereine betroffen sind. "Die Vereine können bis 14 Tage nach dem Bescheid über den Punktabzug Berufung einlegen. In dieser Phase befinden wir uns", sagt Jörn Felchner, Geschäftsführer und Justiziar des SHFV.
Neben härteren Strafen sieht die Neuregelung aber auch Anreize für die Vereine vor, mehr Referees auszubilden. Für jeden überzähligen Spielleiter erhält ein Verein eine Gutschrift von 50 Euro auf ein Bonuskonto. "Es gibt Vereine, die auf diese Weise bis zu 1000 Euro sammeln", berichtet Felchner.
Insgesamt ist die Situation auf Schleswig-Holsteins Fußballplätzen - trotz zuletzt leicht gestiegener Schiedsrichterzahlen - alles andere als gut. Vielerorts stehen in der Männer-Kreisliga oder der Frauen-SH-Liga keine Assistenten zur Verfügung. In der Männer-Kreisklasse oder im Jugendbereich müssen die Teams nicht selten komplett ohne Referee auskommen.

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