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Schaaf abgetaucht: Feierstunde für einen Abwesenden

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Bremen (dpa) - Die große Feier findet ohne Thomas Schaaf statt. Zehntausende Fußballfans wollen den langjährigen Coach von Werder Bremen am Samstag auf ungewöhnliche Weise im Weserstadion verabschieden und ehren.

Doch der 52-Jährige will sich die von den Anhängern vorbereitete Ganzstadion-Choreographie nicht ansehen. Schaaf bleibt sich damit treu.

Seit drei Monaten ist er nur noch Privatperson. Keinen einzigen öffentliche Auftritt gab es seit dem krachenden Ende der langjährigen Beziehung. Schaaf hat sich komplett zurückgezogen. Selbst ehemalige Vertraute wissen nicht, was der Fußball-Lehrer derzeit tut.

Was Schaaf in Zukunft machen will, ist nicht bekannt. Was er nicht will, schon eher. «Mit dem Tag meiner Trennung vom Amt des Cheftrainers habe ich mich entschieden, auf unbestimmte Zeit nicht öffentlich aufzutreten», ließ Schaaf über Werders Medienabteilung vor einigen Wochen mitteilen. Er habe «deutlich gemacht, dass offizielle Termine, Interviews oder andere Engagements für mich bis auf weiteres nicht zur Diskussion stehen».

Nach einem jahrzehntelangen Leben in der Öffentlichkeit sucht Schaaf Abstand zu einer Branche, deren Auswüchse ihm schon immer suspekt waren. Dazu gehören vor allem solche Meldungen wie jene, dass er als Coach bei RB Salzburg anfangen werde oder als Nationaltrainer Bahrains im Gespräch sei.

Auch eine Verabschiedung durch den Verein hatte Schaaf abgelehnt. Die Beendigung der Zusammenarbeit nach mehr als vierzehn Jahren als Trainer der Profis und nach insgesamt mehr als vier Jahrzehnten im Club war nicht so einvernehmlich, wie Werder es glauben machen wollte. Für Schaaf war sie offensichtlich noch schmerzlicher als für viele Fans, die nun mit der Initiative «Danke Thomas» Abschied nehmen wollen.

«Seinen Entschluss, sich voll und ganz auf unbestimmte Zeit aus dem öffentlichen Geschehen zurückzuziehen, können wir absolut nachvollziehen», schreiben die Organisatoren der Aktion auf einer eigens eingerichteten Internetseite. Sie wollen ihre Choreographie dennoch am Samstag beim Heimspiel gegen Augsburg zeigen.

Erst am 7. September will Schaaf wieder öffentlich auftreten. Beim Abschiedsspiel von Torsten Frings, der mehr als zehn Jahre von Schaaf trainiert wurde, soll der Fußball-Lehrer als Coach eine Auswahl ehemaliger Werder-Profis betreuen.

Zumindest bis dahin wird der Nachfolger immer wieder mit der Vergangenheit konfrontiert. Robin Dutt tut das bisher mit großer Souveränität - beispielsweise bei der peinlichen Posse vor dem Testspiel gegen Fulham. Bei der Vorstellung des neuen Coachs erschien auf der Anzeigetafel fälschlicherweise das Bild von Schaaf. «Wir können das als Markenzeichen ja immer so machen», sagte Dutt lächelnd: «Dann hätten wir eine wunderbare Symbiose geschaffen.»

Auch zu der Choreographie am Samstag hat sich Dutt elegant geäußert. «Ich unterstütze die Aktion zu hundert Prozent, weil ich Thomas Schaaf sehr mag und er diese Wertschätzung absolut verdient hat», sagte der 48 Jahre alte Nachfolger.

Die Organisatoren hatten Dutt sogar vorher um dessen Einverständnis gebeten. «Das rechne ich den Fans hoch an, es gibt mir ein richtig gutes Gefühl», sagte er vor der Feierstunde für einen Abwesenden. Wie das Gefühl von Schaaf ist, weiß man nicht. Aber über solche Dinge hat er ohnehin nie gerne gesprochen.

Homepage der Aktion «Danke Thomas»

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erstellt am 14.Aug.2013 | 01:22 Uhr

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