KSC-Stürmer Rouwen Hennings : Relegation: Bad Oldesloer könnte den HSV in die 2. Liga schießen

Rouwen Hennings wurde 1987 in Bad Oldesloe geboren.
Rouwen Hennings wurde 1987 in Bad Oldesloe geboren.

Rouwen Hennings hat eine HSV-Vergangenheit, jetzt wird er seinem Ex-Club gefährlich. Ein Interview.

shz.de von
27. Mai 2015, 10:15 Uhr

Karlsruhe | Rouwen Hennings hatte entscheidenden Anteil daran, dass der Karlsruher SC den Sprung in die Relegation zur Fußball-Bundesliga gegen den Hamburger SV geschafft hat. Mit 17 Saisontreffern sicherte sich der gebürtige Bad Oldesloer die Torjägerkanone der 2. Liga. Wegen einer Einblutung am Sprunggelenk, die sich der 27-Jährige im letzten Punktspiel gegen 1860 München zugezogen hat, droht Hennings im ersten Entscheidungsspiel beim HSV (Donnerstag, 20.30 Uhr) auszufallen.

Das Rückspiel am Montag beginnt schon um 19 Uhr. Der frühere Anstoßtermin sei in Absprache mit dem gastgebenden KSC und den örtlichen Ordnungsbehörden beschlossen worden. Zuvor hatte es Debatten um ausreichende Sicherheitsvorkehrungen gegeben.

sh:z-Redakteur Bengt-Jendrik Lüdke erwischte den Schleswig-Holsteiner kurz vor einem Behandlungstermin am Telefon und sprach mit ihm über die Relegation, seine HSV-Vergangenheit und die Chancen Holstein Kiels im Aufstiegsrennen.

Rouwen Hennings, Sie treffen in der Relegation auf Ihren Ex-Club, den Hamburger SV. Sollten Sie mit dem KSC aufsteigen – inwiefern würden sich unter die Freudentränen auch Tränen der Trauer mischen?
Ich würde es einfach für den Verein an sich schade finden. Aber die Lage, in der sich der HSV befindet, ist nicht mein Verschulden, daher blende ich das komplett aus. Ich habe das große Ziel, selbst mit dem KSC aufzusteigen.

Haben Sie sich irgendwann mal ausgemalt, in so einem wichtigen Spiel auf den HSV zu treffen und ihm die vielleicht schmerzhafteste Niederlage der Vereinsgeschichte zufügen zu können?
Ich hatte mir erhofft, in der Bundesliga mal auf den HSV zu treffen – das habe ich mit St. Pauli geschafft. So etwas wie die aktuelle Situation hatte ich mir aber nicht vorgestellt, weil ich nicht gedacht hätte, dass der HSV in so eine Lage kommt.

Befinden Sie sich in einem Gewissenskonflikt?
Ich muss sagen: Ich war nie ein richtiger HSV-Fan als Kind. Aber natürlich habe ich durch meine Jugendzeit bei den Hamburgern eine Art Fan-Denken entwickelt und wollte damals mit diesem Club unbedingt in der Bundesliga spielen. Jetzt aber werde ich alles für meine Mannschaft und den KSC geben.

 

In Hamburg haben Sie den Durchbruch nicht geschafft. Inwiefern ist das für Sie eine besondere Motivation?
Das spielt keine Rolle. Ich habe für mich entschieden, dass es mir nicht reicht, nur im Trainingskader der Profis zu stehen, und wollte meinen eigenen Weg gehen. Mit dieser Entscheidung bin ich zufrieden, und ich bin beim HSV niemandem böse. Im Gegenteil, ich freue mich richtig auf das Spiel im Volkspark. Das Stadion gehört zu den fünf besten in Deutschland.

57.000 Zuschauer, ausverkauft, eine stimmgewaltige Kulisse, das könnte für eine Zweitliga-Mannschaft ungewohnt sein...
Es ist etwas Besonderes, aber nichts, woran wir uns gewöhnen müssten. Wir haben auch schon auf dem Betzenberg und in Nürnberg gespielt, die machen dort auch ordentlich Alarm.

Sie sind mit 17 Treffern Torschützenkönig in Liga zwei geworden. Der HSV hat insgesamt nur 25 Mal getroffen. Haben Sie einen Tipp für Ihren Ex-Club, wie man Tore schießt?
Den brauchen die nicht. Wenn man den Kader betrachtet, gibt es im Team genug Spieler, die Tore schießen können – ich hoffe aber, dass deren Trend in den zwei Spielen erstmal anhält.

Einige Ihrer Bekannten und Freunde aus Bad Oldesloe sind sicher Fans des Hamburger SV. Wie viele von denen haben Sie denn angefleht, in den beiden Spielen Gnade walten zu lassen?
Ach, die sind alle recht fair und wünschen mir Glück. Die meisten freuen sich und drücken einen Daumen für mich – und den anderen für den HSV.

Warum steigt der KSC auf?
Weil wir uns im Laufe der Saison weiterentwickelt haben. Wir sind gefestigt und selbstbewusst, aber nicht naiv. Wir haben eine gute Defensive, gute Kontrolle im Ballbesitz und spielen diszipliniert. Der HSV ist aber dennoch der Favorit.

Ihr Team hat erst am letzten Spieltag durch ein 2:0 gegen 1860 München, den Relegationsgegner von Holstein Kiel, Tabellenplatz drei gesichert. Haben Sie einen Tipp für Holstein für diese beiden Partien?
Ja, ich habe die 3. Liga aufmerksam verfolgt und weiß, dass die Kieler mit Abstand die beste Defensive hatten. Das wird gegen die gute Offensive der 60er wichtig sein. Ich drücke Kiel jedenfalls die Daumen.

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