Die Fußball-Kolumne : Reich-Tum, Polizei-Präsenz, Rede-Zeit

Mit drei Neulingen startet Joachim Löw in die Nations League.
Bundesliga-Pause für die Nations League. Mit drei Neulingen startet Joachim Löw am Donnerstag gegen Frankreich.

Die Bundesliga hatte am Wochenende nichts zu bieten, meint Jürgen Muhl. Und nun steht auch noch die Länderspielpause an.

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03. September 2018, 07:22 Uhr

Guter Fußball? Den gab es am 2. Spieltag in Deutschlands Eliteliga nur in einigen wenigen Szenen zu sehen. Alles in allem war es Durchschnitt, was die hoch bezahlten Erstligaprofis dem Publikum geboten haben. Und ebenso wenig wird den TV-Sendern zurückgegeben, die den Clubs gerade mehr als eine Milliarde Euro für die viel zu teuer eingekauften Fernsehrechte überwiesen haben. Reinvestiert haben derzeit die Vereine nur einen Bruchteil ihrer hohen Einnahmen. Was auch wieder für Vernunft spricht.

Nuri Sahin wechselt Borussia Dortmund zu Werder Bremen und Torhüter Kevin Trapp ist von Paris St. Germain zur Eintracht aus Frankfurt zurückgekehrt. Allerdings nur auf Leihbasis. Dazu passt, dass Bayern München nicht bereit war, Abwehrstar Jerome Boateng nach Paris oder England abzugeben. Und das bei einem Ablöseangebot von 40 Millionen Euro. Daran sieht man, wie finanziell gesund die Bayern durch die Bundesliga-Saison marschieren. Nein, sie marschieren nicht einmal, sie belassen es bei einem Spaziergang. Das wird reichen für die nächste Meisterschaft, dies schon jetzt als Prognose.

Jerome Boateng wechselt wohl nicht vom FC Bayern zu Paris St. Germain.
imago/Sven Simon

Jerome Boateng wechselt nicht vom FC Bayern zu Paris St. Germain.

 

Der FC Bayern bewahrt seinen Reichtum. Borussia Dortmund hätte genügend Mittel auf dem Konto, um spektakulär einzukaufen. Wäre der HSV so solvent, würden seine Einkäufer die Flugzeuge wohl gar nicht mehr verlassen und durch die Welt jetten.

Der beste Fußball dieses Wochenendes wurde am Sonntag in der 2. Liga auf St. Pauli geboten. Köln gewann mit 5:3, beide Teams spielten nach vorne, was das Zeug hielt. Fast hätte St. Pauli seinem Intimfeind HSV einen Gefallen getan. So wollen die Leute Fußball sehen.

Kölns Salih Özcan jubelt im Zweitligaspiel im Hamburger Millerntor-Stadion über seinen Treffer zum 5:3. Die Spieler des FC St. Pauli sind am Boden zerstört.
Christian Charisius
Kölns Salih Özcan jubelt im Zweitligaspiel im Hamburger Millerntor-Stadion über seinen Treffer zum 5:3. Die Spieler des FC St. Pauli sind am Boden zerstört.
 

Schnelle Rückreise: Als die HSV-Profis am Freitagabend in Dresden aus dem Zug stiegen, war die für Sonnabend geplante Partie bei Dynamo bereits abgesagt. Vom Freistaat Sachsen. Der benötigte seine Polizeikräfte dringender bei den Demos in Chemnitz. Darauf hätte man in Dresden auch früher kommen können. Nein, müssen. Sie agieren offenbar ziemlich amateurhaft, die Sicherheitsbehörden in Sachsen.

Deutlich wurde dadurch auch die traurige Situation im Profifußball. Nichts geht mehr ohne Polizei. Das ist ein besorgniserregender Zustand. Auch heute Abend beim Zweitligaspiel in Kiel zwischen Holstein und dem 1. FC Magdeburg wird es vor dem Stadion wieder nur so von Polizisten wimmeln.

Was den Sport angeht: Holstein braucht einen Sieg, wollen sich die „Störche“ – wie in der letzten Saison – im oberen Tabellendrittel einnisten. Ein Dreier gegen Magdeburg und Holstein würde entspannt in die Länderspielpause gehen.

Kiels Kingsley Schindler im Duell mit dem Regensburger Jonas Föhrenbach.
Imago/Sascha Janne

Kiels Kingsley Schindler im Duell mit dem Regensburger Jonas Föhrenbach.

 

Fußball-Donnerstag: Das schmeckt nicht jedem, auch den Clubs nicht. Die Bundesliga legt bereits nach dem 2. Spieltag eine Pause ein, die 2. Liga nach der vierten Punktspielrunde. Weil die Nationalelf am Donnerstag in München auf Weltmeister Frankreich trifft. Nicht in einem Testspiel, sondern in der neu geschaffenen Nations League. Ein zusätzlicher Wettbewerb, der den Verbänden Millionen aufs Konto bringt. Wobei es an Spannung nicht fehlt: Im Falle eines erneuten Versagens müsste Joachim Löw erneut reden. Wenn er denn will.

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