Bundesliga-Kolumne : Qualitäts-Probleme, TV-Verträge, Schiri-Ausflug

Die Mannschaft des FC Bayern München hat sich im Trainingslager in Katar auf die Restsaison der Bundesliga vorbereitet.
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Die Mannschaft des FC Bayern München hat sich im Trainingslager in Katar auf die Restsaison der Bundesliga vorbereitet.

Insgesamt hat die Bundesliga ein großes Qualitätsproblem, attestiert Jürgen Muhl. Kein Club kann mit den Bayern auch nur annähernd mithalten.

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08. Januar 2018, 07:53 Uhr

Langeweile an der Spitze

Mit elf Punkten Vorsprung geht der FC Bayern in die Rückrunde. Elf Punkte. Nach einer seriösen Hochrechnung ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Münchner an den Osterfeiertagen, also um den 1. April herum, den erneuten Meistertitel unter Dach und Fach gebracht haben. Da wundert es nicht, wenn die Bayern den Vertrag mit Jupp Heynckes schon jetzt gern um eine Saison verlängern würden. Noch ziert sich der Altmeister, aber auch dies könnte bis Ostern erledigt sein. Der 72 Jahre alte Fußballlehrer ist ein Paradebeispiel für die Leistungsfähigkeit älterer Führungskräfte, die mit Erfahrung und mit ihrer menschlichen Klasse jüngeren Schnellstartern um einiges voraus sind.

Insgesamt aber hat die Bundesliga ein großes Qualitätsproblem. Kein anderer Club kann mit den Bayern auch nur annähernd mithalten. Dortmund nicht, Schalke nicht, Leipzig nicht, Hoffenheim nicht und auch Leverkusen nicht. Der HSV schon gar nicht. Oben bleibt also alles beim Alten. Erst die Bayern - und dann ein halbes Dutzend Vereine, die von Mittelmaß geprägt sind. Der Kampf um die Plätze, die zum internationalen Geschäft berechtigen, ist ziemlich charakterlos geworden. Haben sich doch Hoffenheim, Hertha BSC und der 1. FC Köln ziemlich freiwillig aus der Europa League verabschiedet. Es waren peinliche Auftritte der deutschen Teams.

Wenn überhaupt, verspricht der Abstiegskampf ein wenig Spannung. Köln ist so gut wie weg und der HSV ja wieder einmal mit von der Partie. Bei ganzen 15 Punkten müssen noch sieben Heimsiege her, das könnte reichen. Da Fiete Arp seit ein paar Tagen volljährig ist, gibt es zumindest mit dem Arbeitsrecht keine Probleme mehr. Seine Tore zählen.

Kurze Auszeit

In diesem WM-Jahr beginnt die Rückrunde zwölf Tage früher als beim Titelgewinn 2014 in Brasilien. Grund ist der neue Fernsehvertrag, der in drei Jahren der Bundesliga über eine Milliarde Euro einbringt. Dieser neue TV-Vertrag erlaubt nur noch zwei statt bislang vier englische Wochen. Da diese beiden Wochenspieltage bereits in der Vorrunde absolviert wurden, muss der Ligabetrieb im WM-Jahr so früh beginnen. Sportmediziner beklagen zu geringe Erholphasen und verweisen auf die englische Premier-League, die ja im Winter voll durchspielt. Weltmeister durften sich die Engländer zuletzt im Jahr 1966 nennen - danach versagten die Profis von der Insel sowohl bei den WM-Turnieren als auch bei den Europameisterschaften. Die deutsche Elf aber konnte zumeist kräftemäßig noch zulegen, wie zuletzt 2014 in der Endspiel-verlängerung. Jetzt aber hat sich die Deutsche Fußball-Liga für mehr Geld und gegen eine längere Winterpause entschieden. Sollte es den WM-Titel kosten, haben wir neue Diskussionen.

Videobeweis

Es gab reichlich Elfmeter in der Hinrunde, 57 an der Zahl. Das sind fast 40 Prozent mehr als im selben Zeitraum der Saison vor Einführung des Videobeweises. Und doch geht der Streit um diese Technik weiter. Um darüber zu diskutieren, hat der DFB alle 78 Erstliga-Schiedsrichter und ihre Assistenten in der ersten Januar-Woche in ein Hotel nach Mallorca eingeladen. Außerdem sollte das Thema „Neid und Missgunst“ unter den Schiris auf den Tisch kommen. Bekannt geworden ist noch nichts. Entweder ist man sich einig - oder es gibt einen Maulkorb.

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