zur Navigation springen

«Psycho-Terror» auf Bayerns Dante und Luiz Gustavo

vom

shz.de von
erstellt am 30.Mai.2013 | 04:33 Uhr

München (dpa) - Meisterschaft! Champions League! DFB-Pokal! Auf seinem Weg zum historischen Triple will sich der FC Bayern München auch nicht von dem erzwungenen Verzicht auf Abwehrchef Dante irritieren lassen.

Die Störgeräusche durch den brasilianischen Fußball-Verband sollen unter keinen Umständen den erfolgreichen Abschied von Coach Jupp Heynckes verderben. VfB Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia rechnet nicht mit einem Vorteil im Endspiel - die Bayern hingegen dürften gereizt sein.

«Die Mannschaft ist sehr gierig auf den Pokal», stellte Taktgeber Bastian Schweinsteiger klar. «Wenn man sich umhört in der Kabine: Jeder will unbedingt das Spiel gewinnen. Es ist das letzte Spiel unseres Trainers. Das ist zusätzliche Motivation, ihm noch einen besonderen Abschluss schenken zu können.»

Fehlen wird der in dieser Saison so glänzende Dante. Auf Druck des brasilianischen Verbandes verzichtet der Champions-League-Sieger im Cup-Endspiel am Samstag auf seinen Abwehrchef und Mittelfeldspieler Luiz Gustavo. Die Bayern reagierten damit auf die Forderung der Südamerikaner, die beiden Profis für die Vorbereitung auf den Confederations Cup spätestens am 1. Juni abzustellen.

«Man hat den klaren Eindruck, dass da eine Art Psycho-Terror auf die beiden ausgeübt wird», kritisierte der verärgerte, wenngleich äußerlich gefasste Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, als die Spieler nach einer kurzen Verabschiedung von den Teamkollegen nach Südamerika aufbrachen. Nun wolle man ohne sie fürs Triple «alles in die Waagschale» werfen.

Die brasilianischen Verantwortlichen hätten Dante, den Daniel van Buyten ersetzen wird, und Luiz Gustavo den Eindruck vermittelt, dass ihre Karrieren in der Nationalmannschaft beendet seien, wenn sie nicht rechtzeitig zurückkehrten, klagte Rummenigge. «Was das bei Brasilianern und ihrem Verhältnis zur Nationalmannschaft bedeutet, kann man sich vorstellen. Ich finde den Druck unmenschlich, ein Stück skrupellos und ein Stück unfair.»

Schweinsteiger zeigte dafür kein Verständnis. «Ein Spieler arbeitet das ganze Jahr darauf hin, um in so einem Finale zu stehen», sagte der Bayern-Regisseur, der mit seinem sechsten DFB-Pokal-Erfolg mit Rekordmann Oliver Kahn gleichziehen kann. Auch Schlussmann Manuel Neuer hatte Mitgefühl: «Sie sind mit Sicherheit enttäuscht, dass sie uns nicht helfen können. Das ist keine gute Lösung, so wie sie jetzt ist. Das ist einfach traurig.»

Das Münchner Dilemma offenbare zudem einen Planungsfehler des Deutschen Fußball-Bundes mit seinem Termin für das Cup-Endspiel. Der Verband konterte prompt: «Fakt ist, dass wir die Terminierung des Pokalfinales im Präsidium und im Ligavorstand ausgiebig diskutiert und dann gemeinsam beschlossen haben», sagte Generalsekretär Helmut Sandrock. Man habe darauf vertraut, dass im Fall der Fälle immer eine Einigung mit dem betreffenden Nationalverband möglich sei. «Dass sich die Brasilianer so stur stellen, ist für uns absolut nicht nachvollziehbar.»

VfB Stuttgarts Coach Labbadia rechnet nicht mit einem Vorteil. «Was das Spiel betrifft, macht das keinen Unterschied für uns, weil die Bayern auf jeder Position zwei- oder sogar dreifach gut besetzt sind», erklärte der Coach des schwäbischen Fußball-Bundesligisten am Donnerstag nach dem letzten Training vor dem Abflug nach Berlin. «Ich finde es sehr schade, dass den beiden das tolle Erlebnis Pokalfinale in Berlin genommen wird. Eine für mich völlig unverständliche Entscheidung des brasilianischen Verbandes.»

Die Schwaben hoffen in ihrem sechsten Cup-Endspiel dennoch auf die Sensation. «Wir müssen einen guten Tag erwischen, dürfen in keiner Situation nachlässig sein», verlangte Christian Gentner. Für Labbadia, der 2009 mit Bayer Leverkusen gegen Werder Bremen (0:1) unterlag, ist nun eine Mischung aus Druck und Lockerheit wichtig. «Sie brauchen Anspannung, dürfen aber nicht verkrampfen. Wir versuchen diese Balance hinzubekommen», meinte der Stuttgarter Coach in Richtung seiner Spieler.

Ob mit oder ohne seine Samba-Nationalspieler - der FC Bayern will die Krönung seiner Saison der Superlative. «Die Lust ist richtig groß bei uns, wir wollen den nächsten Titel holen», sagte Neuer vor dem Gipfel im Berliner Olympiastadion. «Das ist etwas Besonderes für den deutschen Fußball und für uns als Spieler.» Neuer betonte: «Wir sind noch hungrig, und das merkt man in der Mannschaft.»

Vom Appetit der bayerischen Rekordjäger soll auch ihr Coach profitieren. «Natürlich wollen wir Jupp Heynckes einen schönen Abschied bescheren. Das hat er sich einfach verdient, er ist so lange dabei, hat so viele Erfolge gefeiert mit diversen Mannschaften», sagte Neuer. «Dieser Titel steht ihm einfach zu.»

Bayern-Mitteilung zu Dante

Bericht «O Globo»

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen