zur Navigation springen

Kommentar : Pokal-Versager, Trotz-Reaktion, Kräuter-Schnaps

vom

Jürgen Muhl, Sportchef und stellvertretender Chefredakteur beim sh:z, kommentiert das Pokalwochenende. Ein Lob gibt es für den VfR Neumünster.

Flensburg | Zwei Riesen-Pleiten: Im Großen und Ganzen haben sich die Favoriten in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde durchgesetzt. Wie es zu erwarten war. Dass aber ausgerechnet mit Werder Bremen und Eintracht Braunschweig zwei norddeutsche Bundesligisten im hohen Bogen rausgeflogen sind, lässt vor dem Saisonstart am kommenden Wochenende keine guten Prog nosen zu. Beide Traditionsvereine scheinen vor einer schweren Saison zu stehen. Was im Falle des Aufsteigers aus Ost-Niedersachsen nicht überrascht - was Werder Bremen angeht, aber schon. Haben sich doch bislang die beiden neuen Macher der Grün-Weißen, Sportchef Thomas Eichin und Trainer Robin Dutt, sehr weit aus dem Fenster gelehnt.
Mit dem schnellen Pokal-Aus wird es zugleich unruhig an der Weser. Die Bremer Fans haben Thomas Schaaf noch nicht vergessen. Die Ära Dutt könnte schnell beendet sein, sollten in den ersten Pflichtspielen Erfolge ausbleiben. Zur Erinnerung: Werder verlor beim 1. FC Saarbrücken, der in der Vorwoche zum Drittliga-Start bei Aufsteiger Holstein Kiel mit 1:5 baden gegangen war.
Dass die beiden Pokal-Versager gleich am ersten Bundesliga-Spieltag aufeinander treffen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Das erste Abstiegsduell im Norden wird am Sonnabend um 18.30 Uhr im Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig angepfiffen.
Gut gegangen: Letztlich siegte der Hamburger SV klar bei Schott Jena und kam endlich einmal nach Jahren der Pokal-Pleiten über die erste Runde hinaus. Bis zur Halbzeit gelang dem HSV gegen einen Fünftligaaufsteiger kein Treffer, was schon recht ungewöhnlich für einen Erstligisten mit internationalen Ansprüchen ist. Es überraschte schon, dass Trainer Thorsten Fink vor einem David-gegen-Goliath-Duell eine "Trotzreaktion" von seiner Mannschaft fordern musste. Zum Bundesliga-Auftakt geht es am Sonntag zu Schalke 04. Schon ein Remis wäre eine Überraschung.
Großes Lob geht an den VfR Neumünster. Der Viertligist hatte Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC an den Rand einer Niederlage gebracht und war zeitweise sogar die bessere Mannschaft. Erst ein Platzverweis und ein umstrittener Foulelfmeter gaben in der Verlängerung den Ausschlag für einen schmeichelhaften Sieg der Berliner. Der VfR hat Schleswig-Holstein als Pokalsieger würdig vertreten, der Schiedsrichter seinen Berufsstand dagegen nicht.
Von wegen gedopt: Der Bremer Ex-Nationalspieler Max Lorenz (Foto) musste gestern am Fernseher das Pokal-Fiasko seines SV Werder miterleben. "Denen fehlt es an Kraft, Einsatz und Willen", resümierte Lorenz, der bei den Weltmeisterschaften 1966 und 1970 zum deutschen Kader gehörte. Zuvor war die Stimmungskanone von einst mit Dopingvorwürfen konfrontiert worden, wonach bei drei Spielern der Wembley-Elf von 1966 bei Dopingtests am Ende des Turniers Spuren von Ephedrin gefunden worden seien. "Was ist denn das für eine Schnapssorte?", wollte Lorenz gestern am Telefon wissen. "Wir hatten Kraft genug, auch vier Jahre später in der Höhenluft von Mexico. Wir brauchten keine Zusätze", versichert Lorenz, der zum ersten Mal von diesen Vorwürfen erfahren haben will.
Seine ironische Schlussbemerkung dazu: "Einige von uns haben am Abend vor den Spielen einen Kräuterlikör getrunken. Vielleicht hat uns ja jemand etwas hineingetan." Mannschaftsarzt war zu jener Zeit Professor Hannes Schoberth, der später die Klinik in Damp leitete.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Aug.2013 | 11:45 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen