Bundesliga-Kolumne über HSV, Bayern und Co. : Nach-Geschmack, Rück-Schlag, Aus-Setzer

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Hat der HSV sein Glück bereits aufgebraucht? Ein meinungsstarker Rückblick auf das Bundesliga-Wochenende von Jürgen Muhl.

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18. Mai 2015, 07:02 Uhr

Ergebnis-Monopoly: Es ist eine alte Fußball-Weisheit, dass es in der Schlussphase zu merkwürdigen Spielausgängen kommt. Während in unteren Klassen schon mal ein Kasten Bier die Entscheidung über Auf- und Abstieg beeinflusst, müssten es in der Bundesliga ja schon Millionen einer guten Währung sein, die Profis zum Torschuss bewegen könnten. Gehen wir einfach davon aus, dass dies nicht der Fall ist. Weil diese gut betuchten Herren ein solch verbotenes Glücksspiel nicht nötig haben. Hat es aber schon mal gegeben in dieser Liga. Aber der Bundesliga-Skandal liegt ja schon über 45 Jahre zurück.

Also: Die Niederlage der Bayern in Freiburg ist zwar eine Sensation, aber völlig normal. Glaubt man den Bayern. Vor zwei Monaten – so viel steht fest – hätten eben diese Bayern nicht im Breisgau verloren. Es bleibt ein Nachgeschmack. Und dies spricht nicht für den Rekordmeister, der so gern in der Bundesliga den Ton angibt. Nicht nur auf dem Rasen, sondern an allen Ecken und Enden dieses Fußball-Geschäftes. Drei Niederlagen in Serie nach dem Meistertitel. Dies muss den Bayern schon äußerst peinlich sein, zurückhaltend formuliert. Der amtierende Deutsche Meister spielt nun auch im Abstiegskampf eine entscheidende Rolle. Pep Guardiola hat den Heiligenschein endgültig verloren. Er ist ein vom Fußball geprägter Mensch mit schauspielerischen Fähigkeiten. Mehr nicht. Verliert gegen Augsburg und Freiburg – welch ein Fauxpas. Welch eine Benachteiligung der anderen Vereine, gegen die der FC Bayern volle Pulle spielte.

Es ist schon eine merkwürdige Saison. Oben thronen die Bayern, unten geben sie Almosen. Darüber darf man sich schon aufregen.

Zittern bis zum Schluss: Das Glück des HSV im Abstiegskampf ist offenbar aufgebraucht. In Stuttgart hatte ein schwaches Hamburger Aufgebot mit einer armseligen Vorstellung keine Chance. Hinten den Ball aus der Gefahrenzone schlagen, im Mittelfeld ein wenig laufen und vorn hilft der Liebe Gott. Diese Marschroute aus den sechziger Jahren ist zu wenig. Der VfB Stuttgart war die eindeutig bessere Mannschaft und hätte weitaus höher gewinnen müssen. Jetzt – nach diesem Rückschlag – muss wieder gebangt werden um einen HSV, der während der Woche in Hamburg derart hochgejubelt wurde, als hätte man mit dem Abstieg nichts mehr zu tun. Welch eine Fehleinschätzung. Welch eine hanseatische Arroganz. Freiburg und Hannover punkten, selbst Paderborn ist noch im Rennen.

Der HSV hat der Papierform nach die einfachste Schlussaufgabe. Für Finalgegner Schalke 04 geht es um nichts mehr, man hat sich für die Europa League qualifiziert. Dieser seelenlosen Profi-Truppe aus Gelsenkirchen ist in Hamburg ein weiterer emotionsloser Auftritt durchaus zuzutrauen. Zum Wohle des HSV.

Matchball vergeben: Es war bitter für Holstein Kiel und jene Fans, die sich auf den Weg nach Duisburg gemacht hatten. Zehn schwache Minuten kosteten den vorzeitigen Aufstieg in die 2. Liga, die Holstein gut zu Gesicht stehen würde. In zwei Wochen geht es in die Relegation. Ältere Fußballfreunde erinnern sich. 1965 scheiterte Holstein an Borussia Mönchengladbach mit Netzer, Heynckes und Co. Damals ging es um Liga eins.

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