Sportpolitik : Moskauer Doping-Kontrolllabor suspendiert

Dopingkontrollen sind eine sensible Angelegenbeit. Dominic Favre
Dopingkontrollen sind eine sensible Angelegenbeit. Dominic Favre

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat knapp drei Monate vor Beginn der Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi das Doping-Kontrolllabor in Moskau vorläufig suspendiert.

shz.de von
17. November 2013, 10:58 Uhr

Wie die WADA am Sonntag mitteilte, wurde die Analyse-Einrichtung aufgefordert, das Qualitätsmanagement bis zum 1. Dezember zu verbessern und das Vertrauen in ihre Arbeit wieder herzustellen. Ansonsten würde ihm die Akkreditierung für sechs Monate entzogen.

Die WADA ist zwar nicht verantwortlich für die Spiele in Sotschi. Sie habe aber dem Internationalen Olympischen Komitee «dringend empfohlen», etwas zu unternehmen, um die «Integrität der Doping-Analysen» durch das Moskauer Labor während der Olympischen Winterspiele vom 7. bis 23. Februar 2014 an der russischen Schwarzmeerküste sicherzustellen. Die Moskauer Analytiker hatten zuletzt auch die Doping-Proben bei der Leichtathletik-WM im Sommer in der russischen Hauptstadt untersucht.

Das IOC sicherte der Einrichtung seine Unterstützung zu. Man sei zuversichtlich, dass alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden und das Kontrolllabor während der Spiele in Sotschi voll funktionsfähig sein werde. «Die Integrität des Testprogramms während der Spiele wird von diesen Entwicklungen unberührt bleiben, tatsächlich wird sie sogar gestärkt werden», teilte das IOC in einer Stellungnahme dazu mit. Die WADA setzte dem Moskauer Labor eine weitere Frist bis zum 1. April, sollten die Forderungen nicht erfüllt werden.

Die WADA prüft regelmäßig seine akkreditierten Labors, indem sie ihnen Blindproben schickt. Dabei soll festgestellt werden, ob das Labor zu richtigen Ergebnissen kommt. Wegen der Nichteinhaltung der WADA-Standards war zuvor bereits das Labor in Rio de Janeiro suspendiert worden. Die Doping-Proben der Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Brasilien sollen in Lausanne untersucht werden.

Sollte das Moskauer Labor seine WADA-Akkreditierung ganz verlieren, müsste wahrscheinlich ein Teil der Proben zu einem anderen Labor geschickt werden. Die Kosten dafür müssten die Olympia-Organisatoren übernehmen.

Der neue IOC-Präsident Thomas Bach hatte in dieser Woche beim WADA-Kongress in Johannesburg eine Rekordzahl an Dopingkontrollen vor und während der Olympischen Winterspiele in Sotschi angekündigt. Demnach sollen vor den Wettkämpfen (7. bis 23. Februar) insgesamt 1269 Proben von den Athleten genommen werden - 57 Prozent mehr als bei den Spielen 2010 in Vancouver. Während der Sotschi-Spiele sollen 2453 Dopingkontrollen durchgeführt werden. Vor vier Jahren waren es noch 2149 Proben.

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