Die Fussball-Kolumne : Moral-Apostel, WM-Form, Gehalts-Wahnsinn

Matthias Ginter hat mit Borussia Mönchengladbach viel vor.
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Matthias Ginter hat ein denkwürdiges Interview gegeben.

Jürgen Muhl übt Kritik am Übergangs-Sportchef des HSV und findet lobende Worte für Matthias Ginter.

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26. März 2018, 08:04 Uhr

Pausenfüller: Der HSV hält an Thomas von Heesen als Übergangs-Sportchef fest. Nur weiß niemand so recht – auch im HSV-Lager nicht – was der frühere Profi der Hanseaten eigentlich auf seiner Tätigkeits-Agenda stehen hat. Und was er bewegen soll. Die Spieler wohl eher nicht. Die wollen ja auch gar nicht mehr so viel laufen. Obwohl sie es müssten, wollen sie das Interesse anderer Vereine wecken.

Peter Tschentscher
Foto: Axel Heimken
Thomas von Heesen soll bis zur Verpflichtung eines festen Sportchefs die Lücke füllen.
 

Ist ja auch Sache des Trainers, der momentan Christian Titz heißt. Und die neue Saison – voraussichtlich in der 2. Liga – soll von Heesen auch nicht vorbereiten. Schließlich läuft die Suche nach einem neuen Sportchef, Vereinsboss Bernd Hoffmann hat die Personalie zur Chefsache erklärt. Parallel konzentriert man sich auf den Schutz von Heesens.

Der frühere HSV-Profi ist aufgrund von fragwürdigen Geschäften in die Schlagzeilen geraten. Demnach soll von Heesen unter anderem in seiner Zeit als Trainer des Kapfenberger SV in Österreich an Transferrechten einiger Spieler beteiligt gewesen sein, die er selbst trainierte. Die Vorwürfe sind bis heute nicht ausgeräumt.

„Der HSV ist nicht der Moralapostel. Es geht darum, ob er zu Lasten des HSV etwas getan hat – und das hat er nicht“, sagt HSV-Vorstand Frank Wettstein und bringt sich in eine merkwürdige und angreifbare Position. Plötzlich haben es die Hamburger also nicht mehr mit der Moral. Was ziemlich überrascht, ist doch im Leitbild des Vereins der Begriff des „Hanseaten" festgeschrieben. Und ein Hanseat pflegt sehr wohl moralische Grundsätze. Aber Wettstein ist ja kein echter Hamburger. Und somit auch kein Hanseat.

Galavorstellung: Sowohl die deutsche als auch die spanische Nationalmannschaft präsentierten sich am Freitag in Düsseldorf in erstaunlicher Frühform. Da mochte man hinschauen. Fußball, der Spaß bereitet. Beide Teams machten Appetit auf die Weltmeisterschaft in Russland in diesem Sommer. Endlich einmal wieder Fußball der besseren Art.

Andres Iniesta von Spanien (r.) und Thomas Müller kämpfen um den Ball.
Foto: dpa
Andres Iniesta von Spanien (r.) und Thomas Müller kämpfen um den Ball.
 

Woran es in der Bundesliga in der Regel fehlt. Der Ball im Mittelpunkt – und nicht Kraft und Taktik. Insofern hatte das spielfreie Bundesliga-Wochenende auch gute Seiten. Indem nur die besten Akteure auf dem Rasen ihr Können zeigen konnten. Gut, dass Deutschland frühestens im Halbfinale auf die begabten Spanier treffen kann. Sollte die DFB-Auswahl auch morgen gegen Brasilien derart motiviert auftreten, spräche vieles für Deutschland, was die WM-Favoritenrolle angeht.

Wahre Worte: Bemerkenswert, was Nationalspieler und Weltmeister Matthias Ginter in einem Interview mit einer Sonntagszeitung zum Besten gegeben hat. Kernaussage: Profifußballer verdienen zu viel. „Wenn ich sehe, wie Bauarbeiter oder Krankenpfleger schuften müssen und dafür ein Gehalt bekommen, mit dem sie kaum über die Runden kommen, dann muss ich sagen: Wir verdienen zu viel. Wir leisten nichts Essenzielles – wie Ärzte, die Leben retten oder Menschen gesund machen. Das sind Dinge, die für die Gesellschaft wirklich wichtig sind. Fußballspielen fällt nicht in diese Kategorie.“ Dem ist nichts hinzuzufügen. Respekt, Matthias Ginter.

Gladbachs Matthias Ginter im Vollsprint mit Ball am Fuß.
Foto: Marius Becker
Gladbachs Matthias Ginter im Vollsprint mit Ball am Fuß.
 
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