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Mit Schmerzen zum dritten WM-Gold: Harting zeigt Härte

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erstellt am 13.Aug.2013 | 09:33 Uhr

Moskau (dpa) - Alle Kameras und Augen im Luschniki-Stadion waren auf Robert Harting gerichtet, da setzte der Diskus-Hüne sein breitestes Grinsen auf, tänzelte vor den Fotografen, griff an sein Trikot - und zerriss es mit einem Freudenbrüller.

Mit seiner bekannten Jubel-Geste feierte der 28 Jahre alte Berliner am Dienstagabend in Moskau sein drittes WM-Gold in Serie. Ein Jahr nach seinem Olympia-Triumph von London verteidigte Harting seine Vormachtstellung im Wurfring mit Rückenschmerzen und guten Nerven.

«Die Titelverteidigung ist ein bisschen schwieriger. Es ist immer leichter, jemand zu jagen und in die Enge zu treiben», sagte Harting sichtlich erleichtert und geschafft. Um Lars Riedel einzuholen, muss er allerdings auch noch bei der WM 2015 in Peking und 2017 in London die Muskeln spielen lassen. Der Chemnitzer war zwischen 1991 und 2001 gleich fünfmal Weltmeister.

«Daran denk ich gar nicht. Lars Riedel hat seinen ersten Titel mit 66 Meter gewonnen, das geht heute gar nicht mehr», sagte der alte und neue Weltmeister. Bei der nun 14. WM gewann zum neunten Mal ein deutscher Diskuswerfer. 1987 in Rom hatte der Schweriner und heutige Bundestrainer Jürgen Schult gesiegt.

Harting gelang seine Siegesweite im vierten Durchgang, als er die Scheibe auf 69,11 Meter hinausschleuderte. Sein größter Rivale Piotr Malachowski konnte nicht mehr kontern. Mit 68,36 Metern gewann der Pole Silber vor Gerd Kanter aus Estland (65,19), dem Weltmeister von 2007 und Olympiasieger von 2008. Martin Wierig aus Magdeburg, der im Juni in Ostrau seinen großen deutschen Rivalen erstmals geschlagen hatte, fehlten als Vierter nur 17 Zentimeter zu Bronze. «Robert hat wieder einen Wahnsinnswettkampf gemacht», lobte er.

«Jeder will sein Dorf verteidigen. Nur dass die Mistgabel bei uns der Diskus ist» - so hatte Harting in blumigen Worten seine Ausgangsposition als Europa- und Weltmeister und Olympiasieger erklärt. Einen Konkurrenten brauchte er erst gar nicht zu fürchten: Der Iraner Ehsan Hadadi, Silbermedaillengewinner von London, hatte seine Teilnahme kurzfristig abgesagt. Harting eröffnete den Wettkampf mit 62,16 Metern und schüttelte unzufrieden den Kopf. Der Este Gerd Kanter und Malachowski warfen gleich über 64 Meter.

Diesen Anreiz hatte Harting nur gebraucht: Mit grimmiger Miene ging er an seinen zweiten Versuch - und kam auf 68,13. Damit war die Konkurrenz erst mal eingeschüchtert. «Der Erste ging daneben, der Zweite war okay. Es ist noch Luft nach oben», sagte sein Trainer Werner Goldmann dem ZDF. Mit 71,84 Metern führt Malachowski die diesjährige Weltbestenliste an, beim Saisonhöhepunkt kam der Pole im vierten Anlauf mit 67,18 allmählich in Schwung.

Bei Hartings drittem Versuch stand seine Freundin und Diskus-Kollegin Julia Fischer auf der Tribüne erwartungsvoll auf - doch der Titelverteidiger setzte den Diskus ins Netz. Goldmann berichtete plötzlich von «ziemlich massiven Rückenproblemen» seines Schützlings. «Einen kleinen Schlag auf die Bandscheibe», so berichtete Harting später, habe er bekommen; der Muskel habe sich zusammengezogen.» Den offiziellen russischen Arzt wollte er nicht konsultieren. Dabei hatte Harting schon vor der Medaillenvergabe über seine technischen Schwierigkeiten gegrübelt. «Die Stunden im Hotel waren furchtbar.»

Doch dann warf Harting mit zusammengebissenen Zähnen 69,11 Meter und Goldmann jubelte: «Sensationell.» Im letzten Durchgang übertraf der Berliner noch einmal die 69 Meter. Jubelnd rannte er davon und narrte kurz die Fotografen: WM-Gold Nummer drei nach Berlin 2009 und Daegu 2011! Die sportliche Zerreißprobe hatte er erneut bestanden, dann war sein Hemd dran. Kein Stoff der Welt, so hatte der 2,01 Meter große und 126 Kilo schwere Athlet bereits zuvor erklärt, würde seine Kräfte aushalten: «Da müsste man mir schon einen Teppich oder Ketten umlegen.»

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