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Mercedes-Pilot Hamilton: «Wir müssen es krachenlassen»

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erstellt am 24.Mai.2013 | 10:55 Uhr

Monte Carlo (dpa) - Er liebt Tattoos, geht mit seinem Hund Roscoe dreimal am Tag Gassi und wirkt seit seinem Wechsel zu Mercedes viel ausgeglichener.

In einem Interview der Nachrichtenagentur dpa vor dem Großen Preis von Monaco sprach Lewis Hamilton über seine Sehnsucht nach dem zweiten WM-Titel nach 2008, aber auch über seine Veränderung seit dem Einstieg in die Formel 1. «Dieses Jahr ist das erste Jahr, das ich wirklich genieße», sagte der Brite, der vor der Saison von McLaren zu Mercedes gewechselt war.

Wie war Ihre Golfsession in dieser Woche?

Hamilton: «Gut, gut.»

Welches Handicap haben Sie denn?

Hamilton: «17, ist nicht gerade spektakulär.»

Wann haben Sie mit dem Golfen begonnen?

Hamilton: «Ich spiele nun schon seit sechs Jahren. Vergangenes Jahr habe ich mal Pause gemacht. Jetzt bin ich wieder dabei.»

Was ist so besonders am Golfspielen? Ist es entspannend?

Hamilton: «Ja, es ist ziemlich entspannend. Es kann dich allerdings auch ganz schön stressen. Du kannst aber deinen Ärger am Ball so richtig auslassen.»

Wie sehr sind Sie auch beim Golfspielen ein Wettkampftyp?

Hamilton: «Es gibt keinen, der den Wettkampf mehr liebt als ich. In jedem Sport.»

Können Sie sich eine Zeit in Ihrem Leben vorstellen, in der Sie ohne Wettkämpfe auskommen?

Hamilton: «Nein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mal meine Kinder gewinnen lassen würde, wenn ich mal welche habe. So bin ich halt.»

Sie haben mittlerweile einen Hund, twittern über Martin Luther King, Sie haben eine berühmte Freundin und sind eigentlich Formel-1-Pilot - verstehen Sie, dass sich die Leute fragen, wer Sie wirklich sind?

Hamilton: «Eben deswegen twittere ich ja. So kann ich etwas aus meinem Leben mit den Menschen teilen. So können sie besser verstehen, wer ich bin. Manche mögen es vielleicht nicht, was ich schreibe oder auch sage, andere mögen es. Es interessiert mich zwar auch nicht zu sehr, was andere über mich denken, aber ich möchte den Menschen zumindest die Möglichkeit geben, mich zu verstehen.»

Würden Sie sich als offener als andere bezeichnen, die vielleicht nur auf die Formel 1 fokussiert sind?

Hamilton: «Ich bin auch fokussiert auf die Formel 1. Ich würde auch nicht sagen, dass ich offener bin als andere, nur ein anderer Charakter.»

Wie hat sich dieser Charakter entwickelt, seit Sie 2007 in die Formel 1 eingestiegen sind?

Hamilton: «Als ich in die Formel 1 gekommen bin, wurde mir gesagt, dass ich mich anzupassen hätte. Also habe ich mich angepasst. Es ist erst, seitdem ich in diesem Team (Mercedes) bin, dass ich so sein kann, wie ich auch immer sein wollte. Und wie ich bin.»

War der Wechsel vor dieser Saison von McLaren zu Mercedes dann eine Art Befreiung?

Hamilton: «Es war nicht das Team an sich, ich habe so sehr in dem ganzen Regime gesteckt. Nun bin ich dort, wo sie wollen, dass ich so bin wie ich bin. Ich wollte mich auf eine gewisse Art wieder neu erfinden, so wie ich als Kind schon immer sein wollte. So wie ich aufgewachsen bin, ich mich als Junge gekleidet habe, gesprochen und gegeben habe, ist ziemlich anders gewesen als das, wie ich war, als ich in die Formel 1 gekommen bin. Nun kann ich ich selbst sein. Ich habe zum Beispiel Tattoos. Es interessiert mich jetzt nicht mehr, ob Leute damit Probleme haben, ich kann so viele haben wie ich will. Und ich liebe Tattoos.»

Ist die Formel 1 zu ernst?

Hamilton: «Jedes Mal, wenn ich die Formel 1 betrachte, ist es ein Ort, der von viel Spaß umgeben ist. Aber die Leute haben nicht wirklich Spaß. Ich möchte jedoch Spaß haben in der Zeit, in der ich in der Formel 1 bin. Denn die ist immer begrenzt. Dieses Jahr ist das erste Jahr, das ich wirklich genieße. Ich bin frei, die Entscheidungen zu treffen, die ich will.»

Sie haben einen Weltmeister-Titel - welche Level möchten Sie erreichen, für manche sind drei WM-Triumphe ja zum Beispiel eine Zielmarke?

Hamilton: «Ich möchte schlichtweg wieder Weltmeister werden. Ich bin müde von diesen Jahren, Rennen zu gewinnen, aber nicht die WM. Es ist schon so eine lange Zeit seit dem Titel, fünf Jahre. Es ist an der Zeit, dies zu ändern.»

Ihr Start in diese Saison war - ungeachtet der Probleme mit den Reifen bisweilen in den Rennen ja schon vielversprechend...

Hamilton: «Ich spreche nicht unbedingt von diesem Jahr, das gleichwohl schon viel, viel besser ist, als wir es erwartet hatten. Ich spreche von der Reise mit Mercedes: das nächste Jahr, das Jahr danach und danach. Wir müssen es krachenlassen und Weltmeisterschaften gewinnen wie Red Bull in den vergangenen Jahren. Ich glaube daran, dass wir das schaffen können.»

Sie sind also überzeugt, dass sie mit Mercedes eine neue Ära schaffen können?

Hamilton: «Ja, das ist mein Traum und davon bin ich überzeugt.»

Inwiefern haben sich die gesamten personellen Veränderungen bei Mercedes aus Ihrer Sicht bemerkbar gemacht?

Hamilton: «Was ich weiß ist, wie das Team nun ist. Ich habe fantastische Leute um mich rum. Intelligent, überlegt, die alle hungrig sind zu gewinnen. Je mehr gute Mitarbeiter du hast, umso besser bist du. Ich denke, dass dieses Team dabei ist, zu einem der stärksten Teams in der Formel 1 zu wachsen. Ich kann mir im Moment kein anderes Team mit so einem starken Paket vorstellen, was die Ingenieure und all das betrifft. Das müssen wir in die Praxis umsetzen und dann wird der Erfolg langsam aber sicher kommen.»

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