Massenpanik: HSV-Fans kritisieren Bremer Polizei

Torsten Prien, HSV-Fan  aus Neumünster, erlebte die Massenpanik hautnah mit. Foto: os
Torsten Prien, HSV-Fan aus Neumünster, erlebte die Massenpanik hautnah mit. Foto: os

shz.de von
28. September 2010, 03:59 Uhr

Bremen/Neumünster | Die Geschehnisse rund um die Massenpanik nach dem Bundesliga-Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV (3:2) sind weiterhin das Gesprächsthema im Fußballnorden. In Internetforen wird über die tumultartigen Szenen, die 24 Verletzte forderten, diskutiert. In Bezug auf Sven F. (44) aus Neumünster gibt es noch keine Entwarnung. "Er befindet sich immer noch im künstlichen Koma. Der Zustand ist weiterhin kritisch", lautete die letzte Meldung der Bremer Polizei.

Die HSV-Fans sehen als Auslöser für die Massenpanik, durch die Sven F. seine schweren Verletzungen erlitt, das Konzept und das Verhalten der Polizei vor Ort. Der Neumünsteraner HSV-Anhänger Torsten "Pumpe" Prien war mittendrin in der aufgewühlten Menge. "Nach dem 3:2 von Almeida wollten ein Kumpel und ich schon früher aus dem Stadion, um dem Gedränge zu entgehen. Aber bereits da hat die Polizei uns nicht durchgelassen", sagte Prien (35).

Nach dem Abpfiff um 20.21 Uhr strömten die Massen aus dem Gästeblock des Bremer Weserstadions zu den drei Abgängen, die von der Polizei abgesperrt waren, um Konflikte zwischen rivalisierenden Fangruppen zu vermeiden. HSV-Fans aus Schleswig-Holstein sollen unter Zeitdruck gestanden haben, um den letzten Zug um 21.29 Uhr nicht zu verpassen. Prien befand sich am mittleren Abgang direkt vor den Polizisten: "Als das Gedränge immer größer wurde, fielen die ersten Leute um. Aber auch als wir die Polizisten darauf hingewiesen haben, hat uns niemand durchgelassen." Vorne Polizei, hinten nachdrängende Zuschauer. "Das war ein unglaublich beklemmendes Gefühl. Ich habe meinen Körper nicht mehr gespürt", sagte Prien.

Die Blocksperre sollte 20 Minuten nach Spielende aufgehoben werden. Als das nicht passierte, seien einige HSV-Fans ungeduldig geworden. "Niemand sagte uns, wie lange das noch dauert", berichtete Prien. Von bis zu 45 Minuten Wartezeit wird im Internet gesprochen, Prien geht von "knapp 40 Minuten" aus. Die Polizei teilte indes gestern mit, dass die Sperre um 20.46 Uhr - also bereits 25 Minuten nach dem Abpfiff - von den drängelnden Fans durchbrochen wurde.

"Die Sperre dauerte länger als ursprünglich geplant, da viele Werder-Fans noch in dem Bereich waren, durch den die Hamburger durchmussten. Außerdem konnten die Busse für die HSV-Fans erst abfahren, nachdem die Stadtbusse weg waren", erklärte ein Polizeisprecher.

Als die Sperre schließlich durchbrochen war, nahm das Unheil seinen Lauf. Polizisten stürzten, Fans stolperten, andere trampelten über die am Boden Liegenden hinweg. Prien und sein Kumpel hatten Glück. "Da wir weit vorne standen, sind wir die Treppen noch heil runtergekommen. Auf dem Weg zu den Bussen sind wir über eine Absperrung geklettert und mit einem Taxi zum Bahnhof." So viel Glück hatte Sven F. nicht. Der Neumünsteraner wird weiter in einem Bremer Krankenhaus behandelt. "Ich wünsche ihm alles, alles Gute", sagte Prien.

Nach Polizeiangaben prüfen nun auch interne Ermittler des Bremer Innenministeriums die Vorkommnisse.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen