Bundesliga-Kolumne : Mail-Verkehr, China-Böller, Alters-Weisheit

Gibt sein Heimdebüt als HSV-Trainer: Bernd Hollerbach.  
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Gab sein Heimdebüt als HSV-Trainer: Bernd Hollerbach.

sh:z-Sportchef Jürgen Muhl über den Putschversuch beim HSV, chinesische Investoren und Klaus-Michael Kühne.

shz.de von
05. Februar 2018, 06:31 Uhr

Hanseatische Streitkultur

HSV-Spieler Papadopoulos sieht von Schiedsrichter Sascha Stegemann die Gelb-Rote Karte.
Foto: Daniel Reinhardt
HSV-Spieler Papadopoulos sieht von Schiedsrichter Sascha Stegemann die Gelb-Rote Karte.
 

Jetzt auch noch eine Führungskrise beim Hamburger SV. Das hatte gerade noch gefehlt vor dem Nordderby gegen Hannover 96, das aus Hamburger Sicht unbedingt gewonnen werden musste. Aber es kam anders: Nach einem Angsthasen-Fußball in der ersten Halbzeit musste der HSV nach 93 Minuten mit einem glücklichen Punkt zufrieden sein. Hannover 96 zeigte den besseren Fußball, der HSV eine gute Moral.

Mit dem überraschenden 2:1-Sieg auf Schalke hat sich der andere Nordrivale, Werder Bremen, etwas Luft verschafft im Abstiegskampf. Von einem Putschversuch ist derweil in Hamburg die Rede, nachdem Aufsichtsrat Felix Goedhart die Arbeit von Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt in Frage gestellt hat. Das aber nicht ohne Grund: Wurde doch bekannt, dass der HSV rund 200.000 Euro Ablöse für den ein Jahr zuvor bei den Würzburger Kickers freiwillig zurückgetretenen Trainer Bernd Hollerbach zahlen muss. Das ist in der Tat seltsam, so dass es einem mit den Finanzen betrauten Aufsichtsrat schon eingeräumt werden sollte, kritisch nachzuhaken.

 

Goedhart hätte dies allerdings nicht per Mail machen sollen. Er hätte wissen müssen, dass der Vorgang in dem zerstrittenen Gremium nicht geheim bleibt. Er hätte auch wissen müssen, dass sein Vorpreschen bei den Neuwahlen am 18. Februar eher Bernd Hoffmann als dem jetzigen Vereinspräsidenten Jens Meier nützen wird. Der frühere Vorstandsboss Hoffmann wartet nur auf neuen Streit, um im HSV-Zirkus demnächst wieder als Chef in die Manege zu steigen. Davon abgesehen wackeln Bruchhagen und Todt erheblich. Für die sportliche Misere sind die beiden ebenso verantwortlich wie der geschasste Trainer Markus Gisdol.

Geldgeber

HSV-Investor Klaus-Michael Kühne.
Foto: Christina Sabrowsky
HSV-Investor Klaus-Michael Kühne.
 

Auch Milliardär Klaus-Michael Kühne kritisiert Präsidium und sportliche Leitung. Wieder einmal. Es habe niemand bei ihm nach frischen Mitteln gefragt, um neues Personal in der Winterpause zu verpflichten. Kühne ist verärgert, ja beleidigt, und soll sich bereits mit Felix Magath getroffen haben. Kühne gehören inzwischen rund 20 Prozent der HSV AG. Grund genug, hin und wieder nach dem Rechten zu sehen. Eigentum verpflichtet.

Wie dem sh:z bekannt ist, gibt es beim HSV Bemühungen, einen chinesischen Investor an Land zu ziehen. Um Kühnes Einfluss zu reduzieren. Da es sich mit dem Fußball-Sachverstand der Chinesen in Grenzen hält, muss dies nicht unbedingt eine gute Nachricht sein.

Trainer-Ehre

Für Jupp Heynckes sollte das Thema Vertragsverlängerung ad acta gelegt werden.
Foto: Tobias Hase
Für Jupp Heynckes sollte das Thema Vertragsverlängerung ad acta gelegt werden.
 

Abgesehen von Werders Coup auf Schalke verlief der 21. Spieltag eher langweilig. Die Bayern ließen sich auch in Mainz nicht überraschen und halten das Interesse durch Wasserstandsmeldungen hoch, ob Jupp Heynckes noch eine Saison dranhängt oder nicht. Das werde wohl eher nichts, ließ der Altmeister wissen. Und: „Es ist schon lustig, wenn Sie einen fast 73-Jährigen nach seiner Zukunft fragen.“ Eine weise Analyse eines Fußballlehrers, der diese Berufsbezeichnung zu Recht führen darf. Gibt es doch unter den Kollegen auch Hochstapler.

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