zur Navigation springen

Löw ohne Bedenken gegen «Zweikampfsüchtige»

vom

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 08:55 Uhr

Miami (dpa) - Es wurde viel debattiert über Sinn und Unsinn der USA-Tour - jetzt will sich ein entschlossener Joachim Löw mit seiner Reisegruppe ohne etliche Stars als wettkampftauglich beweisen.

Gegen den Weltranglisten-Zehnten und programmierten WM-Teilnehmer Ecuador sollen Lukas Podolski, Benedikt Höwedes oder auch Neuling Max Kruse in der Nachmittagssonne von Florida den Fans in der Heimat zeigen, dass die Fußball-Nationalmannschaft auch ohne ein Dutzend Stammkräfte von Lahm und Schweinsteiger bis Özil und Götze begeistern kann.

Löw kündigte für die Partie am Mittwoch im Universitäts-Stadion von Boca Raton einen couragierten Auftritt an, obwohl seine Auswahl so noch nie zusammengespielt hat. «Nach dieser Woche habe ich den Eindruck, dass wir eine sehr gute Mannschaft auf dem Platz haben werden, die mit aller Verbissenheit und Konzentration zur Sache gehen wird. Von daher habe ich keine Bedenken oder Angst», erklärte Löw selbstbewusst am Dienstag. Die Südamerikaner werden bei hohen Temperaturen und angekündigtem Regen sein Team wohl extrem fordern, meinte Löw: «Die allgemeine Unterschätzung dieses Gegners ist falsch. Sie sind gerade zu süchtig nach Zweikämpfen.»

Nach dem weltweit gelobten German Final zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund in der Champions League «wird der Fokus jetzt wieder langsam auf die Nationalmannschaft kommen», erklärte Manager Oliver Bierhoff, der vor dem Spiel dem «ewigen» DFB-Podolski einen «Stillstand» in dessen Auswahl-Laufbahn attestiert hatte. «Ich bin auch ein Freund von klaren Worten. Und auch Spieler müssen kritikfähig sein, müssen auch mit Tatsachen leben», erklärte Bierhoff und ergänzte zu Podolski: «Er hat uns immer wieder unglaublich geholfen. Er ist unglaublich wichtig für die Mannschaft. Aber die Entwicklung im letzten Jahr war bei der Nationalmannschaft eben nicht so zufriedenstellend.»

Schon gegen das starke Ecuador erhofft sich Bierhoff zur ungewohnten Anstoß-Ortszeit von 14.30 Uhr eine positive Reaktion von Podolski: «Die Konkurrenz ist stärker geworden. Und ich hoffe, dass es für ihn wieder Ansporn ist, sich diese Position zu erkämpfen.» In Abwesenheit der Dortmunder Marco Reus und Mario Götze, der Bayern Thomas Müller und Toni Kroos sowie von Real-Star Mesut Özil dürfte Podolski wieder mal erste Wahl im offensiven Mittelfeld sein.

Löw verwies auf die Verdienste des 27-Jährigen, der sich auch selbst keinesfalls auf dem absteigenden Ast sieht. «Für mich ist er ein extrem wichtiger Mannschaftsspieler, der von seinem Einsatzwillen und seiner Einstellung immer zu meiner vollsten Zufriedenheit agiert. Es ist kein Thema, dass man ihn kritisiert», sagte der Bundestrainer. Mit seinem 109. Länderspiel könnte Podolski seinen einstigen Trainer Jürgen Klinsmann in der deutschen Rekordliste überbieten.

Gerade auf die wenigen erfahrenen Kräfte setzt Löw im ersten der zwei Testspiele im Land der unbegrenzten Möglichkeiten - das zweite folgt am Sonntag gegen die USA. «Das ist ein wichtiger Ansatzpunkt, in beiden Spielen die richtige Mischung aus erfahrenen, neuen und jugendlichen Spielern zu haben. Klar braucht man auch erfahrene Spieler auf dem Platz, die das Gefühl der Länderspiele kennen», erklärte Löw vor dem Quartierwechsel am Dienstag in den Spielort Boca Raton, rund eine Autostunde nördlich von Miami. Organisation und Defensive müssten als Erstes stimmen, forderte der Freiburger.

So wird der Bundestrainer vor Torhüter René Adler seine Abwehrreihe mit Benedikt Höwedes (12 Länderspiel-Einsätze), Per Mertesacker (88), Heiko Westermann (24) und Marcell Jansen (37) besetzen. Im defensiven Mittelfeld sollen der Schalker Roman Neustädter und der Leverkusener Lars Bender für Stabilität sorgen. Den achten festen Startplatz vergab er an Länderspiel-Neuling Kruse im Angriff. «Max hat beim Training einen sehr positiven Eindruck hinterlassen. Er hat eine gewisse Frechheit, macht gute Laufwege. Ich halte ihn für einen schlauen Stürmer, der schwer zu berechnen ist.»

Offen ließ der Bundestrainer nur die Zusammenstellung des offensiven Mittelfelds. André Schürrle war nach einem überstandenen grippalen Infekt beim Abschlusstraining wieder dabei und könnte wie der Schalker Julian Draxler von Beginn an auflaufen. Der 19-jährige Draxler hatte wegen der operativen Entfernung einer Platte aus dem Unterarm zunächst nur eingeschränkt trainieren können.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Ecuador: Dominguez (LDU de Quito/25 Jahre/11 Länderspiele), Paredes (Barcelona SC/25/24), Erazor (Bacelona SC/25/24), Achillier (MELEC Guayaquil/28/16), Ayovi (FC Monterrey/33/77) - Valencia (Manchester United/27/58), Quinonez (EMELEC Guayaquil/27/7), Castille (FC Puebla/31/68), Noboa (Dynamo Moskau/28/29) - Montero (Morlelia Monarcas/23/27) - Benitez (CF America/27/58)

Deutschland: Adler (Hamburger SV/28/11) - Höwedes (Schalke 04/25/12), Mertesacker (FC Arsenal/28/88), Westermann (Hamburger SV/29/24), Jansen (Hamburger SV/27/37) - Neustädter (Schalke 04/25/1), Lars Bender (Bayer Leverkusen/24/12) - Schürrle (Bayer Leverkusen/22/22), Draxler (Schalke 04/19/4), Podolski (FC Arsenal/27/108) - Kruse (SC Freiburg/25/0)

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen