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Bundesliga-Kolumne : Lob-Gesang, Punkt-Verlust, Interims-Trainer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Pierre-Michel Lasoggas Leistung reicht für die Nationalmannschaft? Das wäre eine Fehleinschätzung, schreibt Jürgen Muhl in seiner Kolumne.

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 07:38 Uhr

Hochgejubelt: Wie so häufig im Umfeld des HSV: Nach den zuletzt durchweg guten Leistungen wurden Mannschaft und Trainer in der Woche vor dem Hannover-Spiel über Gebühr in den Himmel gehoben. Lobgesänge auf Bruno Labbadia. Dem Trainer selbst sind solche Treuebekundungen allerdings eher suspekt. Und Pierre-Michel Lasogga wurden gar Ambitionen auf das Nationaltrikot angedichtet. Welch eine Fehleinschätzung – wie der bullige Mitläufer in einer enttäuschenden Angriffsreihe am Sonntag wieder einmal dokumentierte. Die Partie lief völlig an ihm vorbei.

Ein Hauch von Überheblichkeit wehte durch den Volkspark, und schon war es vorbei mit der Herrlichkeit. So rettete ein vor dem Tor versagender HSV den Kopf von 96-Trainer Michael Frontzeck. Im Fall einer Niederlage hätte er zur Disposition gestanden, wie im Vorfeld des Nordderbys bekannt geworden war.

Genervte Bayern: Endstation Frankfurt. Der erste Punktverlust am 11. Spieltag. Eine beeindruckende Siegesserie ist beendet. Ausgerechnet bei einer Frankfurter Eintracht, die unter der Woche im Pokal bei Drittligist Aue baden gegangen war. Was zeigt, dass Fußballspiele gelegentlich so verlaufen, wie es kaum jemand erwartet hat. Während Arjen Robben mit einer Schwalbe auf den Bauch fiel, lamentierte Bayern-Kapitän Philipp Lahm über die defensive Spielweise des Gegners. Was Frankfurt ziemlich gut gemacht hatte. Also, auch der FC Bayern ist verwundbar. Hin und wieder jedenfalls.

Die Fehlentscheidung von Schiedsrichter Manuel Gräfe, der beim ersten Wolfsburger Treffer eine klare Abseitsstellung trotz des Hinweises vom Assistenten nicht sehen wollte, führt zu weiteren Diskussionen über die nachlassende Qualität der gut bezahlten Unparteiischen in der Bundesliga. Hatte doch der DFB Gräfe nach seinem Fauxpas beim Relegationsspiel in Karlsruhe zu Gunsten des HSV für längere Zeit aus dem Verkehr gezogen. Offenbar war die Zwangspause nicht lang genug. Zumindest entschuldigt hat sich Gräfe.

Auch wenn Borussia Dortmund inzwischen wieder sehenswerten Fußball zeigt, erscheint ein Zweikampf mit den Bayern um die Meisterschaft eher illusorisch. Mehr Spannung verspricht das untere Tabellendrittel. Augsburg, Stuttgart, Hoffenheim und Mainz präsentieren die süddeutsche Allianz im Abstiegskampf. Werder Bremen und Hannover 96 halten die norddeutsche Fahne in diesem Existenzkampf hoch. Abzuwarten bleibt, ob der tüchtige Aufsteiger Darmstadt 98 mit dem kleinsten Etat seinen bislang respektablen Auftritt in der Eliteliga fortsetzen kann.

Trainer-Märchen: Die Erfolgsgeschichte von Andre Schubert bei Borussia Mönchengladbach geht weiter. Sechster Sieg in Folge, im Pokal und in der Champions League weiter dabei. Unter Schubert hat die Mannschaft zu ihrer spielerischen Linie zurückgefunden. Auf die Frage, ob er sich weiter mit der Rolle als Interimstrainer – also als Übergangslösung – zufrieden gibt, antwortete der frühere St. Pauli-Coach: „Wir sind doch alle nur Interimstrainer.“

Wie recht er hat. Wobei Borussia Mönchengladbach um einen längerfristigen Vertrag für den Aushilfstrainer wohl nicht herumkommt.

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