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EM-Quali : Krawalle wegen Flagge: Spiel Serbien gegen Albanien abgebrochen

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Eine Drohne mit einer großalbanischen Flagge dreht über das serbische Stadion – und sorgt für Krawalle zwischen den Rivalen. Das Spiel wurde abgebrochen.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 07:54 Uhr

Belgrad | Gegen die plötzlich heranschwebende Drohne mit der großalbanischen Fahne konnten auch 3500 serbische Polizisten am Boden nichts mehr ausrichten. Der Abbruch des EM-Qualifikationsspiels zwischen den Erzfeinden Serbien und Albanien hat urplötzlich wieder die gespannten Beziehungen der beiden Nachbarn in den Mittelpunkt gerückt und FIFA-Präsident Joseph Blatter sowie UEFA-Boss Michel Platini gleichermaßen entsetzt. Beide Verbandschef warnten, der Fußball solle niemals für politische Botschaften benutzt werden. „Ich missbillige zutiefst, was letzten Abend in Belgrad geschehen ist“, schrieb der Schweizer Boss des Fußball-Weltverbandes am Mittwoch via Twitter angesichts der Jagdszenen im Partizan-Stadion.

Platini erinnerte daran, dass der Fußball die Menschen zusammenbringen und nicht mit Politik jeglicher Art vermischt werden solle. „Die Szenen in Belgrad waren unentschuldbar“, erklärte der Franzose. Die Europäische Fußball-Union (UEFA) ermittelt gegen beide Verbände wegen der Prügeleien zwischen den Spielern und Zuschauern.

Serbiens Außenminister Ivica Dacic sprach von einer sorgsam geplanten Provokation albanischer Extremisten. „Serbien trägt keinerlei Verantwortung für den Spielabbruch“, sagte der Spitzenpolitiker der größten Zeitung „Blic“ am Mittwoch in Belgrad: „Besonders problematisch ist die Tatsache, dass das der Bruder des albanischen Premiers getan hat, der hier Gast sein sollte“. Albaniens Regierungschef Edi Rama will am 22. Oktober als erster Premier seines Landes nach fast 70 Jahren erstmals Belgrad besuchen. Bei seinem Bruder Olsi sei die Fernsteuerung für die Drohne gefunden worden, berichteten serbische Medien unter Berufung auf die Polizei. Olsi Rama sei in der VIP-Loge des Stadions vorübergehend festgenommen worden. Rama, der einen US-Pass besitze, sei aber schnell wieder freigelassen worden und habe gemeinsam mit der albanischen Fußball-Nationalmannschaft noch in der Nacht das Land per Flugzeug verlassen. Er bestritt allerdings jede Verwicklung in den Skandal.

In Tirana und in der Kosovo-Hauptstadt Pristina feierten die Menschen ihre Stars mit Feuerwerk, Hupkonzerten und Fangesängen. Vizeregierungschef Niko Peleshi und Sportministerin Lindita Nikolla begrüßten am frühen Mittwoch die zurückgekehrte Mannschaft. Alle Albaner könnten stolz sein auf das Team, das aus „Helden des Tages“ bestehe, sagten die beiden Spitzenpolitiker vor jubelnden Fans. Die gesamte Regierung stehe hinter der Mannschaft. Die albanische Nation könne stolz sein „auf die Werte, die die Spieler auf dem Rasen gezeigt haben“.

In der geteilten Kosovo-Stadt Mitrovica mussten starke Polizeiverbände Hunderte aufgebrachte Serben und Albaner auseinanderhalten. Auch in Wien konnte die Polizei Krawalle zwischen beiden Volksgruppen verhindern. In serbischen Medien wurde eine Mitschuld der UEFA diskutiert. Während politische Kontrahenten wie zum Beispiel Spanien und Gibraltar in verschiedenen Gruppen spielten, habe man im Falle Serbiens und Albaniens den Auftritt der jahrzehntelangen politischen Erzfeinde in einer gemeinsamen Gruppe zugelassen.

In der Gruppe I konnte sich Portugal gegen Dänemark durchsetzen. Dank eines späten Treffers von Cristiano Ronaldo hat Portugal in der Qualifikation wieder Kurs auf die Europameisterschaft 2016 genommen. Der Superstar von Real Madrid erzielte beim 1:0 (0:0)-Auswärtssieg in Dänemark am Dienstagabend den entscheidenden Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit. Damit rehabilitierte sich Portugal für die Niederlage zum Auftakt in Albanien und schob sich auf den dritten Platz der Qualifikationsgruppe I.

Den ersten Sieg im dritten Spiel in Gruppe E feierte die Schweiz mit dem 4:0 (3:0) in San Marino. Haris Seferovic (10./23.), Blerim Dzemaili (30.) und Bayern-Profi Xherdan Shaqiri (79.) erzielten die Treffer für die Eidgenossen, die aber nur Platz vier belegen. Die ersten beiden jeder Gruppe qualifizieren sich direkt für das Kontinentalturnier in Frankreich, die jeweils Dritten ermitteln in Playoffspielen weitere EM-Teilnehmer.

Die Euro ist für den Champion von 2004 in weite Ferne gerückt. Griechenland verlor zu Hause mit 0:2 (0:1) gegen Nordirland und wartet weiter auf den ersten Sieg. Das Team von Coach Michael O'Neill feierte den dritten Erfolg und darf auf die Premieren-Teilnahme bei einer EM hoffen. Hinter dem Tabellenführer der Gruppe F schob sich Rumänien mit einem 2:0 (0:0)-Auswärtssieg in Finnland auf den zweiten Platz. Ungarn erhielt seine Chancen durch einen 1:0 (1:0)-Zittersieg bei den Färöer.

Deutschland-Bezwinger Polen rettete gegen Schottland zumindest noch ein 2:2 (1:1). Krzysztof Maczynski (12. Minute) brachte den Co-Gastgeber der Europameisterschaft 2012 in Führung, Steven Naismith (18.) und Shaun Maloney (57.) drehten allerdings die Partie.

Arkadiusz Milik (76.) verhinderte für die Gastgeber die erste Niederlage und erhielt damit die Tabellenführung für Polen in der Qualifikationsgruppe D. Schottland liegt mit vier Punkten hinter Polen und Irland (jeweils sieben Punkte) auf dem dritten Platz vor Deutschland. Als Tabellenfünfter erreichte Georgien einen 3:0 (2:0)-Pflichtsieg bei Qualifikationsneuling Gibraltar.

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