FIFA : Komiker wirft Geldscheine auf Sepp Blatter: „Das hat nichts mit Fußball zu tun“

So hatte sich Joseph Blatter den Beginn seiner Pressekonferenz nicht vorgestellt. Ein Anti-FIFA-Aktivist sorgte mit einem Bündel Geldscheine für Erheiterung oder Irritation - das kam auf den Standpunkt an.

shz.de von
20. Juli 2015, 16:12 Uhr

Ein britischer Komiker verstreute Dollarscheine in Richtung des FIFA-Präsidenten und wurde danach vom Sicherheitsdienst abgeführt. „Das hat nichts mit Fußball zu tun“, sagte Blatter. Nun müsse erst einmal saubergemacht werden, kündigte der 79-Jährige an. Die Pressekonferenz nach der Sitzung des Exekutivkomitees begann deshalb mit Verspätung.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Da will man in Ruhe seinen Terminen nachgehen und wird dann einfach so mit Geld beschmissen. Sie kennen das. <a href="https://twitter.com/hashtag/Blatter?src=hash">#Blatter</a> <a href="https://twitter.com/hashtag/FIFA?src=hash">#FIFA</a></p>&mdash; Philipp (@8SAP) <a href="https://twitter.com/8SAP/status/623120660831838208">20. Juli 2015</a></blockquote></center>

Der Weltverband war nach der Festnahme von sieben Fußball-Funktionären Ende Mai in Zürich wegen des Verdachts des organisierten Verbrechens, Überweisungsbetrugs und verschwörerischer Geldwäsche in schwere Turbulenzen geraten.

In der Machtprobe mit dem scheidenden FIFA-Präsidenten Joseph Blatter haben die Widersacher aus Europa um Wahl-Favorit Michel Platini eine krachende Niederlage kassiert. Der Nachfolger für den Schweizer als FIFA-Chef soll erst am 26. Februar 2016 gekürt werden.

Der Wahltermin ist damit deutlich nach dem Wunschtermin des Lagers mit DFB-Chef Wolfgang Niersbach. Das entschied das Exekutivkomitee des Weltverbands bei seiner Sitzung in Zürich. Für die Wahl des neuen mächtigsten Manns im Fußball festigt jedoch der aktuelle UEFA-Präsident Platini seine Stellung als Top-Kandidat.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat der Franzose eine große Unterstützung sicher. Platini soll von zahlreichen Nationen um eine Kandidatur gebeten worden sein. Demnach soll er die Zusagen der Konföderationen aus Europa, Asien, Südamerika sowie Nord- und Zentralamerika haben. Es wird erwartet, dass Platini in den kommenden Wochen seine Entscheidung bekanntgibt. Für den Fall eines positiven Entschlusses wird der Chef des Deutschen Fußball-Bundes Niersbach als möglicher neuer UEFA-Präsident gehandelt.

Doch vorerst bleibt der in Europa ungeliebte Blatter noch mehr als sieben Monate im Amt. Der 79 Jahre alte Schweizer hatte Anfang Juni zwar seinen Rückzug angekündigt, will aber selbst noch den Reformprozess in der skandalumwitterten FIFA anführen. Deshalb hatte er für den außerordentlichen Kongress ein Datum im kommenden Jahr bevorzugt.

Vor allem die Gegner im Exekutivkomitee aus Europa um UEFA-Präsident Platini und DFB-Chef Niersbach pochten auf eine Wahl vor Weihnachten. Obwohl er kurz nach 14 Uhr mit versteinerter Miene aus der Lobby des FIFA-Hauptquartiers in Richtung Tiefgarage verschwand und keine Stellungnahme abgab, gilt Platini nun als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge seines früheren Intimus und heutigen Widersachers Blatter. Der 60-Jährige hat sich allerdings noch nicht offiziell zu einer möglichen Bewerbung geäußert. Bis vier Monate vor dem Wahl-Termin müssen potenzielle Anwärter die Unterstützerstimmen von fünf Mitgliedsverbänden sammeln.

Zuvor hatte sich erstmals der unterlegene Gegenkandidat Blatters bei der Wahl Ende Mai zu Wort gemeldet. „Die Zukunft der FIFA steht auf dem Spiel“, sagte der jordanische Verbandschef und FIFA-Vizepräsident Prinz Ali bin al-Hussein der Nachrichtenagentur AP. Er forderte, dass Amtsinhaber Blatter „sofort gehen“ müsse. „Er darf nicht seine Nachfolge planen und diesen Wahlprozess leiten“, betonte al-Hussein.

Der 39-Jährige hatte Ende Mai nach dem verlorenen ersten Wahlgang gegen Blatter seine Kandidatur zurückgezogen. Al-Hussein sprach sich jetzt dafür aus, dass eine Führungspersönlichkeit außerhalb des Sports die Organisation der Neuwahlen und die Umsetzung der Reformen innerhalb des korruptionsgeschädigten Weltverbandes angeht.

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