Kiel kann Meistersekt kalt stellen

Alles im Griff: Die Kieler Filip Jicha (M.) und Aron Palmarsson (r.) klatschen nach dem Auswärtssieg gegen Lemgo ab.
Alles im Griff: Die Kieler Filip Jicha (M.) und Aron Palmarsson (r.) klatschen nach dem Auswärtssieg gegen Lemgo ab.

Handball-Bundesliga: THW gewinnt beim TBV Lemgo mit 31:28 / Erster Matchball morgen gegen die Rhein-Neckar Löwen

shz.de von
13. Mai 2013, 10:02 Uhr

Halle/Westfalen | Etwas traurig schaute Hendrik Pekeler drein. "Wir waren ja sehr nah dran", sagte der 21-jährige Kreisläufer vom TBV Lemgo. Der Mann aus Glückstadt, der in Kiel in jungen Jahren gescheitert war, weil er noch nicht wusste, um was es geht im Leistungshandball, hätte beinahe dem THW Kiel die Suppe versalzen. Sieben Tore hatte der formstarke Pekeler geworfen, war bester Schütze bei den Ostwestfalen, die sich lange auf der Siegerstraße wähnten. Das wäre eine tolle Geschichte gewesen. Doch am Ende siegte der Rekordmeister Kiel in der Gerry-Weber-World in Halle vor 8400 Fans noch deutlich mit 31:28 (13:16)-Toren. "Uns hat am Ende einfach die Kraft gefehlt", analysierte Pekeler. "In der zweiten Halbzeit haben wir das Tempospiel des THW nicht mehr unterbinden können."

So die Sicht der Verlierer. Die Perspektive bei den "Zebras", die nun 53:7-Punkte aufweisen, ist nun eine verheißungsvolle: Mit einem Sieg morgen Abend gegen den direkten Verfolger Rhein-Neckar Löwen (50:12) kann der THW Kiel vorzeitig seine 18. Deutsche Meisterschaft klarmachen. Dann wären die letzten drei Partien in Melsungen, gegen Wetzlar und in Großwallstadt bedeutungslos. "Ich bin sehr froh, dass die Jungs das Spiel noch gedreht haben", sagte THW-Coach Alfred Gislason. "Jetzt müssen wir schnell den Kopf für die Löwen frei bekommen." Ein Sieg im Spitzenspiel, und das Team um Kapitän Marcus Ahlm könnte sich konzentriert auf das Champions-League-Final-Four am 1. und 2. Juni in Köln vorbereiten. Das wäre ein enormer Vorteil gegenüber dem Halbfinalgegner HSV Hamburg.

Die erste Halbzeit war beileibe kein Ruhmesblatt für das Star-Ensemble des THW. Nach einer schnellen 4:1-Führung (6.) leistete sich der Spitzenreiter eine lange Durststrecke und geriet über 4:4 (9.) und 7:10 (19.) zur Pause mit drei Toren in Rückstand. Nachdem TBV-Torwart Carsten Lichtlein nacheinander zwei Würfe von Rückraum-Star Filip Jicha pariert hatte, kam das Positionsspiel des THW fast zum Erliegen.

Viele THW-Profis wirkten müde. Ihnen fehlte die nötige Spritzigkeit, denn Trainer Gislason hatte die spielfreie Woche für intensives Aufbautraining genutzt. "Wir haben Gas gegeben im Hinblick auf den Saisonendspurt", erklärte Gislason. Die rechte Angriffsseite war dennoch in Topform: Im Rückraum hielt der Serbe Marko Vujin die Gäste mit seinen wuchtigen wie intelligenten Sprungwürfen im Spiel.

Nach der Pause lag der THW beim 15:19 (35.) sogar mit vier Toren zurück, und der TBV hatte die Möglichkeit, noch zu erhöhen. Doch siegte einmal mehr die große individuelle Klasse und Cleverness der erfahrenen Profis in Schwarz und Weiß: In nur vier Minuten glich der Gast aus. Und als die entscheidende Phase anbrach, funktionierte der THW wie eine gut geölte Maschine: Die Abwehr stand plötzlich, Torwart Thierry Omeyer, der vorher wenig angefasst hatte, hielt wichtige Bälle. Der THW scheint in der Meisterschaft nicht mehr aufzuhalten sein.Tore für Lemgo: Pekeler (7), Hermann (6), Haenen (5), Bechtloff (4), Schneider (3), Strobel (2), Dietrich (1)

THW Kiel: Omeyer (12/1 Paraden), Palicka (21.-30., keine Parade) - Vujin (10/5), Jicha (6), Ekberg (4), Sigurdsson (2), Ilic (2), Palmarsson (2), Narcisse (2), Ahlm (2), Toft-Hansen (1), Klein, Wiencek (n.e.).

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