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Kanu : Jury beschert Slalom-Kanuten ein «WM-Trostpflaster»

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13 Monate nach den viel gefeierten Olympia-Erfolgen haben die deutschen Slalom-Kanuten nicht ganz an die Leistungen von London anknüpfen können.

shz.de von
erstellt am 15.Sep.2013 | 11:54 Uhr

Bei den Weltmeisterschaften in Prag fehlte den Paddlern von Bundestrainer Michael Trummer neben einer Portion Glück auch oft die Abgeklärtheit - letztlich gab's immerhin einmal Bronze durch Kajak-Ass Jasmin Schornberg. «Da fällt mir glatt ein Stein vom Herzen», sagte Verbandschef Thomas Konietzko nach der einzigen Medaille in den olympischen Disziplinen.

«Das ist ein relativ großes Trostpflaster für ein mäßiges Ergebnis. Wir hatten uns in der Spitze mehr vorgenommen», betonte der Präsident. Zumindest verhinderten die Slalom-Kanuten mit Schornbergs drittem Platz eine Nuller-Ausbeute innerhalb der vier olympischen Wettbewerbe, die sie bei den WM-Titelkämpfen in Ljubljana (2010) und im spanischen La Seu d'Urgell (1999) miterleben mussten. «Jasmins Bronze hat uns ein bisschen gerettet», erkannte auch Bundestrainer Michael Trummer, den die Bronze-Nachricht selbst arg überraschte.

Nach Rennabschluss lag Schornberg nämlich noch lediglich auf dem fünften Platz - weit weg von einer Medaille also. Doch die Jury korrigierte nachträglich das Ergebnis und brummte sowohl der Slowakin Jana Dukatova als auch der Amerikanerin Dana Mann Zeitstrafen für Torberührungen auf, die die Kampfrichter zunächst übersehen hatten. Beide Athletinnen rutschten so hinter die 27-jährige Deutsche.

Ein besonderes Schmankerl: Die beiden Nationen hatten die Ansicht der Fernsehbilder jeweils selber beantragt. Die Teamleiter gingen fest davon aus, dass Dukatova und Mann zu Unrecht zu viele Fehler zugesprochen worden waren. Stattdessen stockten die Juroren deren Fehlerkonten im Nachgang nochmals auf. «Die Slowaken und Amerikaner haben sich damit ein schönes Eigentor geschossen», meinte Trummer und kritisierte die falschen Erstwertungen: «Wir sind hier bei einer WM. Da erwarte ich, dass auch jeder Kampfrichter hochkonzentriert ist.»

Konietzko, seit diesem Jahr Mitglied im bedeutungsvollen «Board of directors» des Weltverbandes ICF, reagierte hocherfreut. Und erkannte zugleich Reformpotenzial, zumal nachträgliche Ergebniskorrekturen im Slalomsport inzwischen fast zur Normalität geworden sind. «So etwas zeigt, dass wir dringend etwas an unserem Wettkampfsystem ändern müssen. Wenn wir als moderner Sport wahrgenommen werden wollen, müssen wir einfache Regeln haben, dass jeder normale Zuschauer ein klares Ergebnis hat, wenn das Rennen vorbei ist», klagte Konietzko.

Trummer nahm Schornberg und die Medaille mit einem Lächeln in Empfang, nachdem er seine Paddler noch am Samstag reihenweise am Podest vorbeifahren gesehen hatte. Im Canadier-Einer landete der Olympia-Zweite Sideris Tasiadis auf Platz vier. Bei den im Weltcup vom deutschen Team dominierten Kajak-Einern der Männer wurde Hannes Aigner Fünfter, Gesamtweltcupsieger Sebastian Schubert scheiterte schon im Halbfinale. Und auch bei den Canadier-Zweiern gab's für den Deutschen Kanu-Verband nichts zu holen. Dafür stockten Trummers Schützlinge das Medaillenkonto zumindest in den Teamwettbewerben etwas auf: Die K1-Frauen holten ebenso Silber wie die C1-Männer, die Frauen im Canadier-Einer steuerten zudem zu Bronze.

Das machte längst noch nicht alles gut für die deutschen Paddler - vor allem die Olympia-Medaillengewinner Tasiadis und Aigner blieben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Beide waren als Halbfinalsieger in ihren Disziplinen jeweils als Letzte in den Endlauf gestartet - und zeigten Nerven. «Du spürst schon einen ziemlichen Druck, wenn du als Letzter ins Rennen gehst und weißt, dass die anderen alle auf dich warten», gestand Tasiadis. Für den Olympia-Dritten Aigner war es immerhin das erste WM-Finale seiner Karriere - ein kleiner Trost.

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