Sportpolitik : IOC-Präsident Bach will Anti-Doping-Kampf verschärfen

Thomas Bach will den Kampf gegen Doping verstärken.
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Thomas Bach will den Kampf gegen Doping verstärken.

Thomas Bach krempelt die Ärmel hoch. Es gibt viel zu tun. Mit unbändiger Energie jettet der neue IOC-Präsident durch die Welt und treibt seine Reformpläne voran.

shz.de von
12. November 2013, 19:14 Uhr

Die weltweit heftig kritisierten Problem-Spiele in Sotschi, der schwierige Anti-Doping-Kampf und die überfällige Modernisierung des Olympia-Programms sind nur drei der zahlreichen Herausforderungen, die dringend bearbeitet werden müssen. Derzeit setzt sich Bach beim Kongress der Welt-Anti-Doping-Agentur in Johannesburg für einen verschärften Kampf gegen den Pharmabetrug ein. Neben seiner Forderung, die Sperre überführter Athleten von zwei auf vier Jahre zu erhöhen, macht er sich vor allem für effektivere Tests stark.

«Wir wollen die Kontrollen noch intelligenter gestalten», sagte Bach in einem Interview der Zeitungen «Fränkische Nachrichten» und «Mannheimer Morgen». «Der Schwerpunkt muss sich weiter auf die Zeiten außerhalb des Wettkampfes verschieben. Und dort muss noch zielgerichteter vorgegangen werden, indem man nach Athleten-Profilen vorgeht.» Die Suche nach besseren Testmethoden müsse intensiviert werden, ohne dabei den wissenschaftlichen Aspekt zu vernachlässigen.

Mit Unverständnis reagierte Bach dagegen auf die Kritik deutscher Sportler an der DOSB-Athletenvereinbarung, die sie unterschreiben müssen. «Im internationalen Bereich ist das anerkannt. Die Athleten sehen die Vorteile dieser Sportgerichtsbarkeit», meinte der Franke - bis zu seinem Aufstieg zum IOC-Chef am 10. September selbst Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Mit Aussagen zu relevanten Vorgängen in seiner Heimat hielt er sich in seinem ersten längeren Interview seit seiner Beförderung bewusst zurück. Die Niederlage der Olympia-Befürworter bei den vier Bürgerentscheiden in München und Umgebung wollte er genauso wenig kommentieren wie andere sportpolitische Entwicklungen in Deutschland: «Ich werde keine Stellung zu Vorgängen innerhalb deutscher Verbände nehmen.»

Dafür redete der Fecht-Olympiasieger von 1976 Klartext bezüglich der nötigen Überarbeitung des olympischen Programms. Selbst Fechten müsse sich seinen Olympia-Status immer wieder neu verdienen. «Alle Sportarten stehen alle vier Jahre auf dem Prüfstand», erklärte Bach. «Fechten muss sich wie alle anderen Sportarten auch anpassen. Wenn es das nicht tut, verliert es den Nachwuchs und beginnt dahinzusiechen. Jede Sportart muss sich den neuen Gewohnheiten anpassen, ohne dabei die Seele zu verlieren.»

Auch die Olympischen Spiele müssen aufpassen, dass sie ihre Seele nicht verlieren. Das unerwartet klare Nein der Bürger in Bayern zu einer Olympia-Bewerbung gilt als deutliches Signal an Bach und das Internationale Olympische Komitee (IOC). Die anstehenden Winterspiele in Sotschi (7.- 23.2.2014) sind seine erste große Prüfung als IOC-Chef. Terrorgefahr, Menschenrechtsverletzungen, internationale Empörung über das russische Anti-Homosexuellen-Gesetz und die Kostenexplosion belasten das Ringe-Spektakel - und das IOC-Selbstverständnis von Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit.

«Mit Olympischen Spielen gerät immer eine Stadt, eine Region, ein Land in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Das zeigt auf der einen Seite auch die Faszination, die von den Spielen ausgeht», sagte Bach in dem Zeitungsinterview ausweichend. «Auf der anderen Seite gibt es immer verschiedene Themen, die mit den Spielen in Zusammenhang stehen. Es ist aber nicht so, dass man sich da erst sechs Monate vorher darauf vorbereitet. Mit diesen Themen befassen wir uns ja ständig. Es sind für uns sogenannte "laufende Themen".» Bach ist um Gelassenheit bemüht - die wird er bei der ganzen Kritik auch dringend brauchen.

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