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Fußball : Insolvenz kostet Holstein Kiel Platz eins

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Der FC Oberneuland ist Pleite und muss zwangsabsteigen. Dadurch werden alle Punkte aus Spielen gegen die Bremer annuliert. Die Kieler verlieren sechs Punkte und bangen um den Aufstieg.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 05:36 Uhr

Kiel | Normal wäre es, wenn sich bei Regionalliga-Spitzenreiter Holstein Kiel derzeit alles um Fußball drehen würde. Um das Topspiel vor eigenem Publikum gegen den Tabellenzweiten TSV Havelse (Samstag, 14 Uhr) nämlich. Aber weil seit Mittwochabend bei den "Störchen" - unverschuldet - nichts mehr normal ist, dreht sich fast alles um Paragrafen. Die am Dienstag erfolgte Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gegen den FC Oberneuland wirbelt die Tabellenspitze durcheinander.
Seit Freitagabend steht fest: Der insolvente FC Oberneuland muss aus der Fußball-Regionalliga Nord absteigen. Seine Spiele in dieser Saison werden allesamt annulliert. Das teilte der Norddeutsche Fußball-Verband mit. Die Entscheidung hat eine Verschiebung des Klassements zur Folge. Die Kieler, bisher drei Punkte vor dem Zweiten TSV Havelse, fallen nach Neuberechnung auf Platz zwei zurück. Nunmehr führt Havelse mit zwei Punkten Vorsprung.

"Störche" haben Juristen eingeschaltet


Mit den Punkten aus den Spielen gegen Oberneuland hätte den "Störchen" ein Remis zum Titel und zum Einzug in die Relegation gereicht - selbst im Falle einer Niederlage wäre Kiel, einen Punktgewinn im letzten Saisonspiel gegen Victoria Hamburg vorausgesetzt, Erster geblieben. Siegt nun aber Havelse am Samstag in Kiel, ist der TSV Meister.
Mitten im Aufstiegschaos versuchten die Kieler Verantwortlichen vor der Entscheidung des Fußball-Verbands noch, Optimismus auszustrahlen. "Ich glaube, dass wir uns keine akuten Sorgen machen müssen", sagte Holsteins Sportlicher Leiter Andreas Bornemann. Ganz sicher waren sich die Kieler aber nicht, denn: Der Verein schaltete den renommierten Sportjurist Christoph Schickhardt ein.

Ein Paragraf beseitigt alle Zweifel - aber nur fast


In der DFB-Spielordnung findet sich eine Passage, die den Kieler Optimismus im Vorfeld der Entsfcheidung unterstützt hatte: In Paragraf 55a heißt es, dass die Partien eines Vereins in der Wertung bleiben, "wenn das Ausscheiden im Zeitraum der letzten fünf Meisterschaftsspiele erfolgt". Da durch die Insolvenz des FC Oberneuland aber auch andere Paragrafen betroffen sind, fiel die Entscheidung offenbar anders. Offensichtlich herrschte auch beim DFB keine Einigkeit darüber, wie das Regelwerk zu interpretieren ist - wahrlich kein Ruhmesblatt.
Einigkeit herrscht aber immerhin zwischen den beiden Aufstiegsrivalen in der Beurteilung der Insolvenz des FC Oberneuland. "Ein skandalöser Vorgang", sagte Havelses Ligamanager Wolfgang Lange. Kiels Bornemann sagte: "Es ist für mich unvorstellbar, eine Insolvenz zwei Monate lang unter der Decke zu halten." Wie in dieser Woche publik wurde, war beim Bremer Amtsgericht bereits am 13. März ein Fremdantrag auf Insolvenz des FCO gestellt worden - von einem Gläubiger. Geradezu mysteriös: Die Vizepräsidentin des Clubs, Karen Micheli, behauptete noch am Donnerstag, nichts von einem Insolvenzantrag zu wissen.
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