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17. Dezember 2017 | 23:08 Uhr

HSV-Sportchef Arnesen vor dem Aus

vom

Hamburger Aufsichtsrat soll schon Nachfolger für den Dänen suchen / Rettig und Schmadtke im Gespräch

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Hamburg | Vom Hoffnungsträger zum Buhmann: Nach dem erneuten Verpassen des Europapokals steht Sportdirektor Frank Arnesen (56) beim Hamburger SV anscheinend vor der Ablösung. Der Aufsichtsrat des Fußball-Bundesligisten soll bereits Gespräche mit potenziellen Nachfolgern des in die Kritik geratenen Dänen geführt haben. Das berichten Hamburger Medien übereinstimmend. Demnach sei Andreas Rettig, derzeit Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Top-Kandidat auf den Posten. Auch Jörg Schmadtke, ehemaliger Manager von Hannover 96, wird gehandelt. "So lange jemand bei einem Verein im Amt ist, werde ich solche Gerüchte nicht kommentieren", sagte Schmadtke gestern. Er bestätigte aber eine Anfrage des Aufsichtsrates.

Arnesen war im Sommer 2011 vom englischen Premier-League-Club FC Chelsea an die Elbe gewechselt - zwei Jahre nach der Demission von Dietmar Beiersdorfer, dessen Abgang eine teils chaotische Nachfolgersuche ausgelöst hatte. Ex-Profi Arnesen wurde zunächst als Heilsbringer mit dem "dicksten Notizbuch Europas" für Talente gefeiert, musste in den vergangenen Monaten aber zunehmend schärfere Kritik für seine verfehlte Personalpolitik einstecken. Im Aufsichtsrat soll es keine Mehrheit für eine Verlängerung von Arnesens 2014 auslaufendem Vertrag geben. Zuletzt hatten Ex-Manager Günter Netzer und die ehemaligen HSV-Profis Jimmy Hartwig und Stefan Schnoor Arnesen scharf angegriffen. Netzer hatte, nachdem der HSV am Wochenende zum vierten Mal in Serie einen internationalen Wettbewerb verpasst hatte, auf Versäumnisse in der Vergangenheit hingewiesen: "Hier muss endlich was passieren. Es ist zu viel Zeit vergeudet worden."

Arnesen wird intern zwar der Transfer von Torwart René Adler (kam von Bayer Leverkusen) hoch angerechnet. Insgesamt sei die Bilanz des mit rund 1,8 Millionen Euro Jahresgage bestbezahlten Sportdirektors der Clubhistorie aber zu durchwachsen. An der Verpflichtung von Spielmacher Rafael van der Vaart war Arnesen gar nicht beteiligt, zudem schaffte er es in den vergangenen Transferperioden nicht, Ladenhüter wie Gojko Kacar oder Marcus Berg zu veräußern. Auf wenig Gegenliebe beim Aufsichtsrat ist offenbar auch die Personalie Jaroslav Drobny gestoßen, dem Arnesen einen zu teuren Vertrag angeboten hat. Der tschechische Ersatztorhüter wird derzeit mit 1,7 Millionen Euro entlohnt, soll von Juli an zwar nur noch 960 000 Euro bekommen, aber auch einen sehr gut dotierten Anschlussvertrag als Trainer im Nachwuchsbereich. Das ist dem klammen HSV, der wegen des erwarteten Minus in der Bilanz im zweistelligen Millionenbereich in allen Abteilungen rigoros spart, zu viel. Zuletzt soll sich auch die Beziehung zwischen Arnesen und Trainer Thorsten Fink deutlich abgekühlt haben. Der Trainer fordert bei jeder Gelegenheit "punktuelle Verstärkungen" - allerdings muss Arnesen erst Spieler verkaufen, bevor der finanziell angeschlagene HSV investieren kann.

Arnesen verteidigte seine Arbeit nach dem Saisonabschluss gegen Leverkusen (0:1). "Wir sind von ganz unten zurückgekommen. Jetzt dürfen wir uns auf eine positive Zukunft freuen", sagte er und verwies darauf, das Team radikal verjüngt zu haben. Von einem vorzeitigen Aus in Hamburg will der einstige Hoffnungsträger nichts wissen: "Vom Aufsichtsrat hat niemand mit mir gesprochen." Noch nicht.

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