Interview : HSV-Kenner Stefan Schnoor: „Der Verein braucht eine Philosophie“

Sportchef beim VfB Lübeck, TV-Experte und HSV-Kenner: Der gebürtige Neumünsteraner Stefan Schnoor.
Sportchef beim VfB Lübeck, TV-Experte und HSV-Kenner: Der gebürtige Neumünsteraner Stefan Schnoor.

Stefan Schnoor sieht die Lage des HSV als schwierig; sehr, sehr schwierig.

shz.de von
09. März 2018, 17:26 Uhr

Hamburg | Seine Meinung hat Gewicht. Stefan Schnoor (46), der zwischen 1992 und 1998 insgesamt 131 Spiele für den Fußball-Bundesligisten Hamburger SV bestritt und in dieser Zeit acht Tore erzielte, ist als TV-Experte und Sportchef des Regionalligisten VfB Lübeck zugleich vor allem dann ein gefragter Mann, wenn es beim HSV mal wieder rund geht. Am Donnerstag war das der Fall: Mit den Entlassungen des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt setzte der Bundesliga-Dino seine unendliche Serie der Marke „Pleiten, Pech und Pannen“ fort. Dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag stand der gebürtige Neumünsteraner Schnoor Rede und Antwort.

Sie werden permanent von allen Seiten zu Ihrer Meinung zum HSV befragt. Mögen Sie diese eigentlich noch kundtun?
Schnoor: Langsam fehlen auch mir die Worte. Es fällt wirklich schwer, etwas dazu zu sagen. Ich habe für den Verein gespielt, lebe in Hamburg. Dazu kommen meine großen Sympathien für den HSV. Man muss aufpassen, was man sagt, um nicht irgendwann unglaubwürdig zu wirken.

Wie bewerten Sie allgemein die Situation beim HSV?
Sie ist schwierig; sehr, sehr schwierig.

Wer könnte zukünftig ein starker Mann im Umfeld des HSV sein?
Du brauchst jetzt Leute mit Stallgeruch, die zudem bei den Fans anerkannt sind. Horst Hrubesch und Felix Magath könnten das sein, aber auch Bernd Wehmeyer, der in Europa sensationell vernetzt ist. Wichtig ist jedenfalls, dass einstige HSV-Fußballer in Führungspositionen installiert werden.

Unabhängig vom Personal: Was braucht der HSV?
Eine Philosophie. Der Verein muss sich Fragen stellen: Wofür stehe ich? Was will ich verkörpern? Will ich nur ein Ausbildungsverein sein und auf den Nachwuchs setzen, oder habe ich andere Ziele?

Welche aktuellen Spieler wären für den bevorstehenden Neuaufbau am besten geeignet?
Kyriakos Papadopoulos, Rick van Drongelen oder Gideon Jung. Auf jeden Fall musst du ganz extrem auf Leute mit Mentalität und Charakter setzen. Zurzeit bin ich zu weit weg, als dass ich das zu 100 Prozent beantworten könnte.

Wie bewerten Sie die Chancen auf den sportlichen Klassenerhalt?
Die Chancen sind sehr gering. Du musst von den verbleibenden acht Spielen, die Partie bei den Bayern klammere ich bewusst einmal aus, drei mehr gewinnen als Mainz und Wolfsburg, die über dir stehen. Sollten die beiden nur eine Begegnung gewinnen, muss der HSV schon vier für sich entscheiden. Das ist ein ganz schmaler Grat.

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