Bundesligakolumne : HSV in der Relegation: Glücks-Spiele, Retter-Einsatz, Dusch-Wasser

Erleichterung in der Imtech-Arena. Der HSV bedankt sich bei seinen treuen Fans.
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Erleichterung in der Imtech-Arena. Der HSV bedankt sich bei seinen treuen Fans.

Sollte der HSV den Klassenerhalt schaffen, so muss er kräftig aufräumen. Jürgen Muhl über ein nervenaufreibendes Bundesliga-Wochenende.

shz.de von
26. Mai 2015, 07:36 Uhr

Verlängerung: „Nicht einmal absteigen kann der HSV“, titelte eine überregionale Tageszeitung nach den beiden HSV-Glücksspielen vor einem Jahr in der Relegation gegen Greuther Fürth und erhielt für diese sehr einfallsreiche Schlagzeile Anerkennung und Beifall. Es könnte durchaus zu einer zweiten Auflage dieses Titels kommen. Geht doch der Hamburger SV als Favorit in die beiden entscheidenden Spiele gegen den Karlsruher SC. Ein Aufeinandertreffen von zwei Traditionsclubs, die 1963 beide zu den Bundesliga-Gründungsmitgliedern gehörten. Letztlich ist der HSV nicht abgestiegen, weil Schalke 04 es so wollte. Die Statisten der seelenlosen Söldnertruppe aus Gelsenkirchen hätten eine Rückreise in der zweiten Klasse der Weselsky-Bahn verdient gehabt.

Beim Hamburger SV machen derweilen schon wieder große Töne die Runde. Torhüter Rene Adler verkündete, man werde in der Relegation jeden Gegner schlagen. Und Trainer Bruno Labbadia sprach in einem Rundfunkinterview gar von einer sensationellen Entwicklung, die seine Mannschaft genommen habe. Labbadia vergisst offenbar den Personaletat in Höhe von über 50 Millionen Euro, der auch in dieser Saison von Beiersdorfer und Knäbel nicht reduziert wurde. Sportchef Knäbel sagte dem Fachmagazin Kicker, er denke nicht daran, sein Engagement in Hamburg zu beenden. Er laufe nicht weg, wenn es nicht wie gewünscht läuft, sagte der überschätzte Ex-Profi des FC St. Pauli. Welch ein Hohn. Liefe alles normal beim HSV, müsste der Verein Knäbel den Laufpass geben. Auch er steht auf der Liste der Fehleinkäufe.

Sollte der Klassenerhalt gelingen, müsste kräftig aufgeräumt werden. In der Mannschaft und im Umfeld.

Freude und Trauer: Mit dem VfB Stuttgart hat sich die spielerisch beste Mannschaft aus dem unteren Tabellendrittel gerettet. Wohl auch deshalb, weil mit Huub Stevens ein Trainer auf der Bank saß, der sein Handwerk versteht. Stevens beendet seine Mission in Stuttgart und wartet auf den nächsten Rettereinsatz. Vielleicht in einem halben Jahr, wenn die Euphorie um Labbadia in Hamburg dem Ende entgegen geht. Mitfühlen muss man mit dem SC Freiburg und seinem Trainer Christian Streich. Der hatte sich mehrfach in der Saison über eine ungerechte Behandlung seitens der Schiedsrichter beklagt. Womit Streich Recht hat, Freiburg wurde nicht nur einmal erheblich benachteiligt. Streichs Tränen sind echt. Schalke wirft seinen Übungsleiter di Matteo nach der Hilfsaktion zugunsten des HSV völlig zu Recht raus. Auch Sportchef Horst Heldt steht zur Diskussion. Wie seinem Hamburger Kollegen Knäbel fehlt auch ihm mittleres Bundesliga-Format. Auf Schalke bleibt es spannend. Wie im Volkspark.

Fußball-Wunder: Als solches geht der Aufstieg von Darmstadt 98 in die Bundesliga-Geschichte ein. Durchmarsch von der dritten Liga in das Oberhaus in nur zwei Jahren. Und das mit einem Gesamtetat von nur rund 12 Millionen Euro. Das zahlt Bayern München einzelnen Spielern im Jahr aufs Konto. Darmstadt wird jetzt erst einmal die Duschen auf Erstliga-Format bringen müssen. Da kommt schon mal kaltes statt warmes Wasser raus. Ein Fußball-Märchen der ganz besonderen Machart. Auch wenn es wohl nur ein Jahr lang andauern wird.

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