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Bundesliga-Kolumne : HSV: Führungs-Wechsel, Sport-Direktor, Relegations-Platz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Trennung von Beiersdorfer ist ein konsequenter Schritt. Warum Bruchhagen zum HSV passt.

Hamburg | Konsequenter HSV: Irgendwie hat sich beim Hamburger SV einiges geändert. Gut so. Es wurde höchste Zeit für die Trennung von Dietmar Beiersdorfer. Zu rechnen war damit am Sonntag aber nicht unbedingt. Hatte die Mannschaft doch am Sonnabend gegen den FC Augsburg gewonnen, hatte man auf dem Spielfeld und auf den Rängen gefeiert, als wäre man Deutscher Meister geworden. Natürlich wurde spekuliert, vor und hinter den Kulissen. Trennt sich der HSV nach der sportlichen Genesung von Dietmar Beiersdorfer, oder wartet man bis zur Winterpause ab? Nein, der Aufsichtsrat hat endlich einmal konsequent gehandelt und sich zum Rausschmiss Beiersdorfers entschlossen.

Mit Heribert Bruchhagen kommt ein erfahrener, sachlich agierender und angesehener Haudegen in den Volkspark. Bruchhagen hat bereits von 1992 bis 1995 erfolgreich beim HSV gearbeitet und von 2003 bis 2016 Eintracht Frankfurt nicht nur saniert, sondern auch sportlich weitergebracht. Der Ostwestfale bevorzugt die klare Ansage, verabscheut Schwafelei und weiß auch mit den spielenden Herren Millionären umzugehen. Der Club hat eine gute Wahl mit dem 68-Jährigen getroffen. Bruchhagen passt zum HSV.

Beiersdorfer hat seit Jahren in der Personalplanung große Fehler gemacht. Zuletzt verpflichtete er Profis, die beim damaligen Trainer Bruno Labbadia auf Ablehnung gestoßen waren. Zum Beispiel Halilovic und Santos. Damit war das Vertrauensverhältnis zwischen Vorstand und Trainer nicht nur gestört, es gab keines mehr. So kann man nicht in eine Saison gehen. Was dann ja auch seine Auswirkungen hatte, eben einen verpatzten Saisonstart. Woran Beiersdorfer mehr Schuld als Labbadia hatte. Schon damals hätte der Aufsichtsrat eingreifen müssen.

Hinzu kam, dass Beiersdorfer in der Öffentlichkeit ein klägliches Bild abgab. Wer auf Fragen im Interview mit Gegenfragen reagiert, hat in dieser Position nichts zu suchen. Beiersdorfer war schlichtweg überfordert. Seine Rhetorik kommt stümperhaft daher, seine Gesprächsführung war teilweise eine Zumutung für die anderen am Tisch sitzenden Diskussionsteilnehmer.

Personalpolitik: Gespannt darf man sein, wie Bruchhagen sein Umfeld aufstellt. Hat doch Trainer Markus Gisdol bis zuletzt für Beiersdorfer votiert. Als Beiersdorfer-Vertrauter gilt auch Bernhard Peters. Der frühere Hockey-Nationaltrainer darf merkwürdigerweise den Titel Direktor Sport tragen. Nur – was Peters macht, das weiß keiner so genau. Das überaus arrogante Auftreten von Peters dürfte bei Bruchhagen keinen Gefallen finden. Bruchhagen ist aus einem anderen Holz geschnitzt.

Sportlicher Aufschwung: Na bitte, Hamburger SV, es geht doch. Weg vom Tabellenende, rauf auf den Relegationsplatz. Eine Position, mit der sich der HSV bestens auskennt. Wäre heute Saisonschluss, könnte dem Club zum dritten Mal der Klassenerhalt in zwei Entscheidungsspielen gegen den Dritten der 2. Liga gelingen.

Könnte, sollte, würde – wie auch immer. Der HSV ist da, wo er sich offenbar wohlfühlt. Auf der Position zwischen Bangen und Hoffen. Der neue Hoffnungsträger Heribert Bruchhagen hat eine Menge Arbeit vor sich.

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erstellt am 12.Dez.2016 | 07:16 Uhr

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