Holsteins Traum vom Aufstieg lebt

Fußball: Kieler trotz aller Turbulenzen durch das Insolvenzverfahren gegen den FC Oberneuland neuer Regionalliga-Meister

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21. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Dem Insolvenz-Chaos beim FC Oberneuland zum Trotz: Holstein Kiel ist neuer Meister der Fußball-Regionalliga Nord. Der verdiente 2:1 (2:1)-Sieg gegen den durch den Verbandsentscheid einen Tag vor dem Spiel zum Spitzenreiter avancierten TSV Havelse beseitigte alle Zweifel am Titelgewinn. 6376 Zuschauer (Regionalliga-Saisonrekord) bejubelten den Einzug in die Aufstiegsspiele gegen den Südwest-Meister, der voraussichtlich Hessen Kassel heißen wird.

Zwei Tore im entscheidenden Spiel um den Titel - Marcel Schied war der Matchwinner in Kiel. "Genau dafür haben wir ihn geholt", freute sich Sportdirektor Andreas Bornemann. "Er steht halt da, wo man als Torjäger stehen muss." Aus zwei Situationen, die in der Entstehung kaum als klare Torchancen zu sehen waren (9., 43.), machte der Ex-Rostocker bei einem Gegentor von Sané (11.) die wichtigen Treffer. "Super, dass wir das geschafft haben", freute sich der kleine Stürmer. "So wichtige Tore sind auch für mich etwas Besonderes." Den Blick richtete Schied derweil gleich nach vorn. "Solche Spiele gibt es für uns jetzt noch zwei Mal", betonte er.

Dabei war die Ausgangsposition für die Kieler unerwartet schwer geworden. "Der Druck war schon enorm hoch", gestand Trainer Thorsten Gutzeit, nachdem nicht einmal 24 Stunden vor dem Anpfiff die Spiele des insolventen FC Oberneuland aus der Wertung genommen worden waren und die Kieler im Vergleich zu Havelse fünf Punkte und den Spitzenplatz eingebüßt hatten. "Diese Entscheidung ging uns richtig auf den Zeiger", erklärte Holstein-Akteur Tim Siedschlag. "Verdient, dass wir es nach diesen Rückschlägen jetzt geschafft haben." Verteidiger Manuel Hartmann machte deutlich: "Andere Mannschaften wären nach so einem Genickschlag vielleicht zusammen gebrochen. Wir haben die richtige Antwort gegeben." Für die Entscheidung des Verbandes hatte er wie fast alle kein Verständnis. "Der Zeitpunkt war unter aller Sau. Und im Gegensatz zu Lübeck wären nahezu alle Spiele gegen Oberneuland unter sportlichen Bedingungen ausgetragen worden. Da hätte man die Punkte in der Wertung lassen müssen." Hartmann legte noch nach: "Offenbar ist bei den Lizenzen beim Verband geschlampt worden. Auch die Ligareform als solche muss überdacht werden."

Ein Sonderlob gab es für die Fans, von denen einige bereits bei Ankunft der Spieler vor dem Stadion mit Transparenten Geschlossenheit demonstriert und Mut gemacht hatten. "Die Unterstützung war großartig", sagte Kiels Coach Thorsten Gutzeit. "Ich glaube, nicht einmal bei den Pokalspielen war das so sensationell wie heute." Auch Havelses scheidender Trainer Andre Breitenreiter, selbst lange Jahre in Kiel aktiv, gab nach der Partie unumwunden zu, dass die Saison ein gerechtes Ende genommen hat. Holstein Kiel ist ein verdienter Meister", erklärte er. "Und nach den Vorkommnissen der letzten Woche bin ich ein Stück weit froh, dass es so gekommen ist. Alles andere wäre nicht gerecht gewesen."

Die Meisterfeier der Kieler fiel aber noch zurückhaltend aus. "Ein, zwei Bier sind sicher erlaubt", schmunzelte Schied. Doch alle Akteure stellten die noch bevorstehenden Aufgaben in den Vordergrund. "Die Meisterschaft war nur ein Etappenziel. Jetzt wollen wir auch aufsteigen", betonte Siedschlag.

Wer dann tatsächlich der Gegner der Kieler am 29. Mai (in Kiel) und 2. Juni (auswärts) in den Aufstiegspartien sein wird, steht erst nach dem letzten Spieltag der Regionalliga Südwest am kommenden Sonnabend fest. Zurzeit führt Hessen Kassel mit zwei Punkten Vorsprung vor der SV Elversberg 07.

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