Holstein verliert Punkte - und Platz eins

Kieler Fußball-Regionalligist ist Leidtragender der Insolvenz des FC Oberneuland

shz.de von
18. Mai 2013, 03:59 Uhr

Kiel | Das heutige Topspiel der Fußball-Regionalliga Nord erfährt eine neue Brisanz. Wenn Holstein Kiel und der TSV Havelse um 14 Uhr im Kieler Holstein-Stadion aufeinander treffen, sind die Gastgeber nur noch Tabellenzweiter und haben statt drei Punkten Vorsprung nun zwei Punkte Rückstand auf die Niedersachsen. Nach der Insolvenzeröffnung des FC Oberneuland verkündete der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) gestern, dass alle Punktspiele des Bremer Clubs aus der Wertung genommen werden. "Das ist eine Episode, in der das Funktionärsleben keinen Spaß macht", erklärte NFV-Vizepräsident Hans-Ludwig Meyer nach intensiven Diskussionen. "Aber nach den vorliegenden Fakten blieb uns leider keine andere Wahl."

Die Entscheidung hat massive Konsequenzen auf den Meisterschafts- und den Abstiegskampf. Während Havelse nur einen Punkt verliert (0:1 und 1:1 gegen Oberneuland), werden den Kielern, die ihre Spiele gegen den FCO 3:1 und 3:2 gewannen, gleich sechs Zähler aus der Wertung genommen. Im Tabellenkeller ist plötzlich der eigentlich abgeschlagene SC Victoria Hamburg wieder im Geschäft - nun ist der SV Wilhelmshaven Schlusslicht.

Die Hoffnung, den unerfreulichen Fall noch vom Tisch zu bekommen, hatte sich im Laufe des Tages erledigt. Ein Schreiben des Bremer Insolvenzgerichtes bestätigte die Unumstößlichkeit des Eröffnungsbeschlusses. Und der Möglichkeit, den §55a der DFB-Spielordnung zu Rate zu ziehen, erteilte offenbar DFB-Justiziar Dr. Jörg Englisch eine Absage. Dem Paragraphen, der eine Beibehaltung der erzielten Punkte ermöglicht hätte, stehen Regeln bezüglich der Insolvenz gegenüber. "Das ist ein Schlag gegen den Sport", sagte Meyer, "und es ist traurig, dass ein Verein durch solches Verhalten eine Saison komplett auf den Kopf stellen kann." Der NFV-Funktionär kündigte an, dass das Regelwerk auf allen Ebenen "auf den Prüfstand kommt".

Bei Holstein Kiel reagierte man gefasst auf die gegen 16.30 Uhr telefonisch übermittelten schlechten Nachrichten. "Es ist alles andere als glücklich, dass zu so einem Zeitpunkt der Saison das bereits Erreichte noch in Zweifel gezogen werden kann", sagte Holsteins Sportdirektor Andreas Bornemann. Weitere Schritte behalten sich die Kieler natürlich vor. Juristischen Beistand hatte sich Holstein schon am Donnerstag in Person des renommierten Ludwigsburger Sportjuristen Christoph Schickhardt gesichert. "Mögliche rechtliche Schritte werden wir beratschlagen, wenn die offizielle Begründung durch den Verband vorliegt", sagte Bornemann, der gestern keine Aussage dazu treffen wollte, ob man sich auch im sportlichen Erfolgsfall mit rechtlichen Konsequenzen beschäftigen würde.

Es ist heute ein echtes Endspiel: Gewinnen die Kieler, stehen sie als Meister fest, weil Havelse am letzten Spieltag spielfrei hat. Gewinnt der TSV, erreichen die Gäste die Aufstiegsspiele. Bei einem Remis müsste Kiel am 25. Mai Victoria Hamburg schlagen, um doch noch Meister zu werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen