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17. Oktober 2017 | 11:47 Uhr

Hoeneß bleibt im Amt - vorerst

vom

Kontrollgremium des FC Bayern München spricht dem Clubpräsidenten und Aufsichtsratschef das Vertrauen aus und lehnt Rücktrittsangebot ab

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

München | Uli Hoeneß bleibt trotz seiner Steueraffäre der starke Mann des FC Bayern München. Der Aufsichtsrat des deutschen Fußball-Rekordmeisters mit Vertretern mehrerer Großsponsoren lehnte gestern das Angebot des 61-jährigen Präsidenten ab, sein Amt als Vorsitzender des Kontrollgremiums ruhen zu lassen, bis die Behörden über seine Selbstanzeige entschieden haben. Hoeneß habe in der Aufsichtsratssitzung "sein Bedauern über den Vorfall ausgedrückt und sich entschuldigt", teilte der Deutsche Meister in einer Presseerklärung mit. "Im Interesse des FC Bayern", der sich "voll und ganz auf das Erreichen der Ziele" im Champions-League-Finale gegen Borussia Dortmund (25. Mai) und im DFB-Pokal-Finale gegen den VfB Stuttgart (1. Juni) konzentrieren solle, habe der Aufsichtsrat der FC Bayern AG "nach intensiver Diskussion einvernehmlich entschieden", dass Hoeneß sein Amt als Vorsitzender weiter ausüben soll, hieß es weiter.

Der Vereinspatron hat damit den Kampf um sein Spitzenamt gewonnen - allerdings nur vorerst. Es ist nur eine Atempause für Hoeneß, denn die Steueraffäre könnte nach den Endspielen wieder auf die Agenda kommen. "Der Aufsichtsrat wird die Angelegenheit weiterhin beobachten und sich bei Vorliegen neuer Erkenntnisse mit dem Thema befassen", lautete der letzte Satz der Clubmitteilung. Im Klartext: Sollte dem 61-Jährigen der Prozess gemacht werden, wäre er als Präsident und Chef des Aufsichtsrats nicht mehr tragbar. Dies wäre dann aber ohnehin nicht sein größ tes Problem, Hoeneß droht in diesem Fall eine mehrjährige Gefängnisstrafe.

Um 16 Uhr war der Aufsichtsrat gestern in der Münchner Arena zusammengekommen. Hoeneß telefonierte auf dem Rücksitz, als er sich ins Stadion chauffieren ließ. In einer großen Limousine rollte er auf das Arenagelände - wie auch die anderen Mitglieder des Kontrollgremiums. Die zahlreichen Fotografen, Reporter und Kamerateams konnten nur kurze Blicke auf die Herren erhaschen. Wie Politiker fuhren die Räte vor oder ließen sich fahren.

Der vierköpfige Vorstand der FC Bayern AG um Karl-Heinz Rummenigge erschien ebenfalls. Die Teilnahme des Quartetts bei der Sitzung war nicht ungewöhnlich, denn der Vorstand muss sich - ungeachtet des öffentlichen Aufsehens in der Causa Hoeneß - weiter um das Kerngeschäft des Rekordmeisters kümmern. So segnet der Aufsichtsrat etwa millionenschwere Investitionen ab, wie zum Beispiel die Verpflichtung von Mario Götze von Borussia Dortmund, für den 37 Millionen Euro gezahlt werden.

Kurz vor der Sitzung hatte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Hoeneß öffentlich den Rücken gestärkt. "Es ist in meinen Augen vertretbar, wenn Uli Hoeneß bis zur vorläufigen Klärung der Angelegenheit durch die Staatsanwaltschaft als Präsident im Amt bleibt. Dafür hätte ich Verständnis", sagte Seehofer.

Der Aufsichtsrat, dem unter anderem die Vorstandsbosse von Audi (Rupert Stadler) und Adidas (Herbert Hainer) angehören, folgten anschließend der Ansicht Seehofers. Nicht wenige Beobachter hatten im Vorfeld erwartet, dass gerade die Unternehmensführer in dem Kontrollgremium Hoeneß dazu drängen könnten, spätestens nach dem Champions-League-Finale Konsequenzen aus seiner Steueraffäre zu ziehen. Das muss er (vorerst) nicht.

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